SAP-Chef gibt sich im Fusionsgezänk um Peoplesoft gelassen

18. Juni 2003, 15:32
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"Wir haben eine Strategie, und die heißt: Wir kaufen keine Marktanteile"

Das Fusionsgezänk zwischen den beiden US-Konkurrenten Oracle und PeopleSoft macht SAP-Chef Henning Kagermann keine Angst. SAP werde seine Strategie deswegen in keiner Weise ändern, sagte Kagermann am Dienstag auf der Hausmesse "Sapphire" des Walldorfer Konzerns in Orlando im US-Bundesstaat Florida. Die Folgen für die Branche seien begrenzt.

Gedankengänge

Die Fusionsversuche seien das Ergebnis der Stärke von SAP, sagte Kagermann. "SAP gewinnt Quartal für Quartal Marktanteile. Das hat einige Wettbewerber auf die Idee gebracht, (den Markt) von unten her zu konsolidieren. Das war ein defensiver Schritt", erklärte er die Gedankengänge der Konkurrenz. Oracle hatte ein feindliches Übernahmeangebot für Peoplesoft abgegeben, nachdem Peoplesoft die Übernahme von J.D. Edwards angekündigt hatte, die Unternehmen zur Nummer zwei hinter SAP und vor Oracle auf dem Markt für betriebswirtschaftliche Software machen würde. Peoplesoft hatte seine 1,7-Milliarden-Dollar Offerte für J.D. Edwards am Montag aufgebessert und bietet nun statt Aktien auch Bargeld.

"Wir sind nicht aggressiv, wir wollen nur helfen"

Von der Verunsicherung der Kunden von Oracle und Peoplesoft hofft SAP zu profitieren. "Wir wollen dem Markt ein Zeichen in Bezug auf Vertrauenswürdigkeit geben. Wir sind nicht aggressiv, wir wollen nur helfen", formulierte Kagermann die Ambitionen. SAP halte sich aus dem Kampf heraus. Die Walldorfer sollten in den Augen ihrer Kunden ein stabiler, konservativer Anbieter bleiben, auf dessen Bestehen man langfristig vertrauen könne. SAP hatte zuletzt eine Werbekampagne angekündigt, die auf die Kunden von Peoplesoft und Oracle abzielt.

"Wenn das passiert, wird es die Landschaft nicht völlig verändern"

Kagermann spielte die Bedeutung der möglichen Fusionen für den Markt herunter: "Wenn das passiert, wird es die Landschaft nicht völlig verändern", sagte er. Oracle und Peoplesoft wären zusammen nach Marktanteilen gerade halb so groß wie SAP.

"Wir haben eine Strategie, und die heißt: Wir kaufen keine Marktanteile"

Als "weißer Ritter" - so werden Retter eines Unternehmens vor der Übernahme bezeichnet - werde SAP in der Schlacht nicht auftreten, sagte Kagermann. "Wir haben eine Strategie, und die heißt: Wir kaufen keine Marktanteile", sagte er. SAP hatte in der Vergangenheit nur kleine Unternehmen gekauft, mit denen es seine Technologie verbessern konnte.(Reuters)

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