voestalpine: Börseprivatisierung "sinnvollster Weg"

18. Juni 2003, 13:40
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Bei Teilung des Konzerns wäre Wertsteigerungsphilosophie nicht mehr realisierbar

Wien - Für den Generaldirektor der voestalpine AG, Franz Struzl, wäre eine Privatisierung des Stahlkonzerns über einen Verkauf über die Börse der sinnvollste Weg, um dem Regierungsauftrag eines Totalverkaufs in dieser Legislaturperiode nachzukommen. Eine Teilung des Konzerns "würde unserem commitment der Wertsteigerung nicht entsprechen", sagte Struzl am Mittwoch vor Journalisten in Wien. Zu Gerüchten, dass der Magna-Konzern von Frank Stronach Interesse an voestalpine habe, könne und wolle er nicht Stellung nehmen, sagte Struzl.

Bei der Bilanzpressekonferenz der voestalpine vor zwei Wochen hatte es Struzl als "sinnvoll" bezeichnet, wenn die ÖIAG in einem ersten Schritt 9 Prozentpunkte ihres 34,7-prozentigen Anteils an voestalpine über die Börse abgeben und sich damit zunächst auf die Sperrminorität (über 25 Prozent) zurückziehen würde. Mit Magna hätte dies aber nichts zu tun, sagte Struzl heute. "Ein Verkauf in ein oder zwei Börsegängen würde der Wiener Börse sicher gut tun", so Struzl. An voestalpine sei aber bisher "niemand herangetreten", weder von Magna noch aus der ÖIAG.

Streubesitzanteil absichern

voestalpine hatte sich schon unter dem früheren Generaldirektor Peter Strahammer bemüht, den Streubesitzanteil mittels "freundlich gesinnter Aktionäre" gegen eventuelle feindliche Übernahmeversuche abzusichern. Mittlerweile macht dieser Kernaktionärsanteil 35 bis 40 Prozent aus, die Struzl heute als "einigermaßen sichere Aktionäre" bezeichnete, bestehend aus "größeren Regionalbanken und Versicherungen". Diesen Weg wolle voestalpine über eine Aufstockung der Mitarbeiterbeteiligung "weiter gehen", indem die von einer Arbeitnehmerstiftung gehaltene Mitarbeiterquote von 6,1 Prozent kurzfristig auf 10 Prozent aufgestockt werden soll. "Gegen alle Fährnisse können wir uns aber nicht hundertprozentig absichern", sagte Struzl heute, indem er einräumte: "Mit dem Gedanken Stronach haben wir uns nicht bis zur letzten Konsequenz beschäftigt".

Die aufgeflammten Gerüchte weisen darauf hin, dass Magna Interesse an der dynamisch wachsenden motion-Division der voestalpine haben soll, der als Automobilzulieferer im Bereich Karosserien im selben Geschäftsfeld wie Magna tätig ist und mittelfristig zu den größten Playern in Europa werden will. Allerdings wäre Magna, so lautet die Vermutung, an den anderen voestalpine-Divisionen (Stahlerzeugung, Profile und Bahnsysteme) nicht interessiert, was zu einer "Filetierung" des Konzern führen würde, obwohl dieser im Vergleich mit anderen europäischen Stahlherstellern Top-Renditewerte aufweist.

Magna an Komplettübernahme interessiert

Die Wertpapieranalysten der Bank Austria Creditanstalt gingen in einer Analyse vor wenigen Tagen nicht davon aus, dass Magna International an der kompletten Übernahme des ÖIAG-Anteils an voestalpine interessiert sein könnte. Der Verkauf eines Teils des integrierten Unternehmens, eben der Karosseriedivision, würde aber die Zerstörung des Rests und der gesamten Wertschöpfungskette bedeuten, so die Analysten. Der Vice Chairman von Magna International, Siegfried Wolf, der im ÖIAG-Aufsichtsrat sitzt, hatte vor einer Woche zu den Spekulationen um sein Übernahmeinteresse an voestalpine nur mit "no comment" geantwortet.

Die Konjunkturaussichten für die Stahlindustrie bezeichnete Struzl heute trotz des allgemein schwachen Konjunkturumfelds als positiv. 2002 habe die Weltstahlproduktion mit 902 Mio. Tonnen einen neuen Allzeitrekord verzeichnet und sei um 6 Prozent gewachsen. Der größte Wachstumsschub kommt aus China, das mit über 180 Mio. Tonnen (plus 20 Prozent) erstmals die EU (160 Mio. Tonnen) als weltgrößter Stahlerzeuger überholt hat. Auch die österreichische Produktion ist 2002 um 5,5 Prozent auf 6,2 Mio. Tonnen gewachsen. Die Aufwärtsentwicklung habe sich im ersten Quartal 2003 fortgesetzt, die Weltproduktion sei um 9 Prozent auf 227 Mio. Tonnen gewachsen, und im April sei die höchste Monatsproduktion seit Beginn der weltweiten Stahlstatistik verzeichnet worden. Noch nie habe es einen so lange aufsteigenden Stahlzyklus gegeben wie diesmal, sagte Struzl. Positiv bewertete der voestalpine-Chef Aussagen des weltgrößten Stahlkonzerns Arcelor, dass dieser seine Produktion um 10 Prozent zurücknehmen wolle, um ein Nachgeben der auf hohem Niveau befindlichen Stahlpreise zu verhindern.(APA)

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