"Der Kampf gegen Digital-Piraterie ist immer ein Hase-und-Igel-Spiel"

29. Juni 2003, 13:06
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Premiere Austria Geschäftsführer Thomas Mischek im E-Mail- Interview über das Ende des "Schwarz-Fernsehens"

Seit Oktober 2002 bietet Premiere Österreich einen eigenen österreichischen TV-Sender (Premiere Austria), zudem wurde mit Hilfe einer neuen Technik der Kampf gegen "Schwarzseher" verstärkt. Premiere Österreich-Geschäftsführer Thomas Mischek nimmt im Webstandard-E-Mail- Interview Stellung zu diesen und zahlreichen weiteren Themen.

Premiere hat am 26. Oktober 2002 mit Premiere Austria einen eigenen österreichischen TV-Sender gestartet. Wie wurde der neue Sender von den KundInnen aufgenommen? Wird es neue "österreichspezifische" Sendungen geben?

Wir haben Premiere Austria sehr genau nach den Anforderungen des Marktes ausgerichtet. Premiere Austria ist ein waschechter Österreich-Sender. Im Sportbereich bieten wir mit der T-Mobile Bundesliga und der Erste Bank Eishockeyliga die zwei heimischen Top-Ligen schlecht hin. Mit der Live-Konferenzschaltung der Champions League ist auch der internationale Spitzenfußball bei uns zu Hause. Wir haben mit "Schwelle am Puls" und "Das Montagskipferl - Steinböck & Rudle's Vor-Rückshow" zwei sehr innovative Formate gestartet, die absolut österreichisch sind und haben dem Österreichischen Film jeden Montag zur Prime-Time eine fixe Programmschiene gegeben. Neue innovative Wege gehen wir auch mit exklusiven Services für unsere Abonnenten wie Sportwetten oder die "Voll-Erotik". Die Reaktionen auf das Sendekonzept sind durchwegs positiv. Wir haben bereits im ersten Monat nach Sendestart 30% mehr Zugänge als geplant verzeichnen können. Premiere Austria macht neugierig und bietet darüber hinaus einen Einblick in die faszinierende Welt von Premiere.

Künftig soll mit einem neuen Verschlüsselungssystem dem "Schwarzfernsehen" ein Ende gesetzt werden. Welche Vorteile bietet das neue System "Nagravision" der Firma Kudelski? Werden die KundInnen von der Umstellung betroffen sein?

Unsere Entscheidung für Nagravision lagen technische, ökonomische und strategische Kriterien zugrunde. Dazu zählt beispielsweise die Systemarchitektur, die bei Nagravision besonders flexibel ist, so dass das System problemlos von anderen Abo-TV-Anbietern und Kabelnetzbetreibern eingesetzt werden kann. Einer der entscheidenden Gründe war aber vor allem der unkomplizierte Wechsel. Unsere Abonnenten erhalten per Post eine neue SmartCard, die sie einfach gegen die alte in ihrem Digital-Receiver austauschen.

Das bisherige Verschlüsselungssystem "betacrypt1" der Firma BetaResearch gilt als geknackt. Wie lange wird "Nagravision" den "Fernseh-Hackern" standhalten können?

Der Kampf gegen Digital-Piraterie ist immer ein Hase-und-Igel-Spiel. Deshalb waren wir auf der Suche nach einem CA-Anbieter, der im technologischen Wettstreit mit den Hackern stark, innovativ und ausdauernd ist. Die Kudelski-Gruppe hat dafür aufgrund ihrer Erfahrung, Größe und Unabhängigkeit die besten Voraussetzungen. Immerhin nutzen weltweit mehr als ein Dutzend der größten Abo-TV-Anbieter mit zusammen über 25 Millionen Kunden bereits ein Verschlüsselungssystem von ihr. Mit Nagravision werden wir den Hackern und Karten-Dealern also sicher immer ein entscheidendes Stück voraus sein.

Schätzungen zu folge haben bis zu eine Millionen Menschen Premiere empfangen, ohne dafür zu bezahlen. Mit welchen Anreizen werden Sie diese Menschen dazu bewegen "legal" Premiere zu sehen?

Wir werden intensiv informieren, technische Unterstützung leisten und aufklären. Unser bestes Argument für ein Abonnement ist und bleibt unser Programm. Die heutigen Schwarzseher scheuen ja nicht einmal kriminelles Verhalten, um es sehen zu können. Insofern glaube ich nicht, dass wir spezielle Anreize schaffen müssen, wenn der Bildschirm bei ihnen erst einmal schwarz ist. Auch die Erfahrungen anderer europäischer Anbieter haben gezeigt, dass ein Teil der Schwarzseher nach einem Wechsel des Verschlüsselungssystems von ganz allein zu regulären Abonnenten werden.

Sehen Sie im derzeitigen Trend, Filme gratis über diverse Tauschbörsen im Internet herunterzuladen, eine Gefährdung für Pay-per-View Sender? Warum sollten ihrer Meinung nach UserInnen für Filme zahlen, die sie auch kostenlos im Internet erhalten können?

Premiere ist kein Pay-Per-View-Sender, das greift zu kurz. Premiere ist Abonnement-Fernsehen wobei wir auch Filme auf Abruf anbieten. Es geht nicht darum, dass etwas irgendwo im Internet illegal in fragwürdiger Qualität gefunden werden kann. Was zählt ist die Qualität des Programms, inhaltlich und technisch. Premiere-Abonnenten können auch darauf vertrauen, dass wir ihnen das beste Programm liefern. Bei Premiere gibt's die Blockbuster-Garantie! Abonnenten müssen nicht suchen und nichts Unsicheres ausprobieren. Abonnement-Fernsehen heißt auch, dass die Kunden diverse Dienstleistungen beanspruchen können. Bei Premiere ist nicht surfen oder "nur" fernsehen, Premiere ist die Vorstellung zu genießen.

Premiere-Chef Georg Kofler erklärte kürzlich: "Wir werden in Zukunft diejenigen, die uns beklauen, noch kräftiger auf die Finger hauen". Mit welchen Konsequenzen haben "Premiere-Hacker" in Österreich zu rechnen?

Wir gehen seit vergangenem Jahr offensiv gegen Hacker und Piraten-Händler vor. Wir haben mehrere Verurteilungen durchgebracht und werden diesen Weg auch fortsetzen. Digitale Piraterie betrifft eines der zukunftsträchtigsten Felder der Medienbranche und schädigt weitere Bereiche der Wirtschaft. Es muss klar sein, dass es sich dabei um kein Kavaliersdelikt handelt, sondern um eine betrügerische Handlung.

Premiere Austria bietet ab Mitternacht fünf Stunden lang Erotik auf Pay-per-View-Basis. Glauben Sie, dass der Markt für Erotik im TV gerade in Österreich besonders hoch ist?

Österreich ist ein erotisches Land, aber keines, dass sich im internationalen Vergleich besonders hervortut. Von uns als Abonnement-Sender wird ein "Voll-Erotik" Service erwartet – und wird auch genutzt. "Voll-Erotik" beinhaltet qualitativ hochwertige Produktionen auf Abruf. Das ist Convenience – ganz nach unserem Motto "abonnieren Sie eine gute Zeit". (kk)

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    bild: photdisc
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