Sexueller Missbrauch als Bestandteil der Kriegsführung

18. Juni 2003, 12:09
13 Postings

NGOs präsentierten Studie über Menschenrechtssituation im Kongo - Ende der Gewalt gegen Frauen und Kinder gefordert

New York - Die Lage in der demokratischen Republik Kongo ist nach Ansicht von Menschenrechtsgruppen und Hilfsorganisationen eine der größten menschlichen Tragödien in der heutigen Welt. In einer 36-seitigen Studie fordern diese Gruppen insbesondere ein Ende der sexuellen Misshandlungen von Frauen und Mädchen sowie der Rekrutierung von Kindersoldaten. Hier müsse die internationale Staatengemeinschaft schnell einschreiten. Der Bericht wurde am Montagabend (Ortszeit) dem UN-Sicherheitsrat in New York übergeben.

"Jeden Tag werden schreckliche Grausamkeiten an Kindern in Kongo begangen", erklärte Julia Freedson, die Koordinatorin der so genannten Liste zur Überprüfung der Situation von Kindern in bewaffneten Konflikten. Die Lage gerade der Kinder habe sich seit Beginn des Krieges in dem zentralafrikanischen Land vor fünf Jahren kontinuierlich verschlechtert. Dies betreffe unter anderem die Gesundheitsversorgung sowie die Chance einer Schulbildung.

Sexuelle Misshandlung als Waffe

Sexuelle Misshandlungen seien im Osten Kongos ein fester Bestandteil der Kriegsführung, heißt es in dem vorgelegten Bericht. Dadurch steige für die Opfer zugleich die Gefahr einer HIV-Infektion. Einer Studie des Weltkinderhilfswerks UNICEF zufolge sind bis zu 20 Prozent der gut 50 Millionen Kongolesen mit dem Aids-Virus infiziert.

Die Menschenrechtler forderten eine Ausweitung des Mandats der internationalen Friedensmission, um einen besseren Schutz der Zivilbevölkerung zu garantieren. Dabei gelte es auch, die Rekrutierung von Kindersoldaten zu verhindern, deren Zahl 30.000 bis 50.000 betragen dürfte. Der Weltsicherheitsrat solle alle 8.700 Friedenssoldaten, die er für den Kongo bewilligt habe, auch tatsächlich dorthin entsenden. Des weiteren müssten die Verantwortlichen für Greueltaten konsequent zur Rechenschaft gezogen werden.

Mehr finanzielle Mittel gefordert

Die AutorInnen des Berichts appellierten ferner an internationale Geldgeber, mehr finanzielle Mittel zur Versorgung der Zivilbevölkerung und insbesondere der Kinder im Kongo bereitzustellen. Im vergangenen Jahr hätten die Vereinten Nationen um 202 Millionen Dollar für das Land geworben, aber nur 40 Prozent davon erhalten. In diesem Jahr würden bereits 268 Millionen Dollar (226 Mill. Euro) benötigt. Ob diese aufgebracht werden könnten, sei indes fraglich.

An dem Bericht haben sechs in den USA ansässige Hilfsorganisation mitgewirkt, die sich weltweit für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzen. Dazu gehören Care International, World Vision International und International Save The Children Alliance. (APA/AP)

Share if you care.