Algerien-Geiseln der zweiten Touristengruppe sollen am Leben sein

18. Juni 2003, 10:43
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Ex-Sahara-Geisel Bleckmann bekräftigt, dass die Reise gut vorbereitet war und Risiken vermieden wurden

Wien - Ingo Bleckmann, der wie die neun anderen Österreicher vor genau einem Monat aus der Hand algerischer Geiselnehmer in der Sahara befreit wurde, würde nicht mit einer "geführten Gruppe" die Sahara bereisen. Mit den Worten "Wir sind nicht blauäugig losgefahren" reagierte Bleckmann am Dienstag Abend auf die "Anregung" des algerischen Staatspräsidenten Abdelaziz Bouteflika, die ausländischen Touristen sollten sich auf ihren Wüstentouren einheimischer Führer bedienen.

Die Einsamkeit gesucht

Österreich sei ein schönes Land, wer aber nach Algerien reise, um eine Wüstentour zu unternehmen, "sucht die Einsamkeit", so Bleckmann. Der Salzburger betonte, er und seine Mitreisenden hätten sich auf die Reise in die Sahara "gut vorbereitet" und Risiken vermieden. Seine Gruppe habe einen österreichischen Führer gehabt, der das Gebiet sehr gut kannte. Dort sei zuvor noch nie etwas passiert, und problematische Gebiete, etwa um Tamanrasset, oder das Grenzgebiet zum Tschad, wo Banditen aktiv seien, habe man ohnehin vermieden.

Zu den Umständen der Befreiung sagte Bleckmann neuerlich, eine wesentliche Voraussetzung war, dass sich die Geiselnehmer von der Gruppe trennten, "sie ließen die Geiseln allein". "Sie schützen unser Leben, indem sie sich entfernten", als die Sicherheitskräfte einschritten. Die Geiselnehmer bezeichnete der Geschäftsmann als "streng gläubige Moslems, teils sehr gebildete Leute" - also keinesfalls gewöhnliche Banditen.

"Am Leben"

Dass sich eine "Befreiungsaktion" dieser Art für die noch in der Wüste gefangenen Ausländer wiederholen könne, hält Bleckmann nicht für wahrscheinlich. Auf die Frage, ob er einen Kontakt zu den Noch-Geiseln habe, sagte Bleckmann, über eine Quelle, die er nicht nennen könne, "weiß ich, dass sie am Leben sind". Bleckmanns Sohn, der ebenfalls in Sahara-Geiselhaft gewesen war, meinte, sein Vater habe der deutschen Geiselgruppe seine Hilfe angeboten, das Angebot sei aber nicht angenommen worden.

Die zehn Österreicher, acht Salzburger und zwei Tiroler, waren von Klestil zum Staatsbankett mit dem algerischen Staatschef in die Hofburg eingeladen worden. Einer der Tiroler sagte, so etwas wie eine generelle Reisewarnung könne er nicht abgeben - zu groß und unüberschaubar sei die Region, um die Sachlage beurteilen zu können. (APA)

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