Die Leichtigkeit des Weins

25. August 2003, 15:28
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Sommerweine müssen leicht und spritzig sein und ein fröhliches Etikett haben. Und wenn da noch ein paar Attribute dazukommen, ist das keinesfalls schlecht

Die Terrasse ist nicht grundsätzlich Bedingung. Wie sollte sie auch, denn wenn sich die Erzeuger so genannter "Terrassenweine" tatsächlich nur an Besitzer mit unbedachter Wohnfläche richten würden, wäre der Markt ja höchstwahrscheinlich ein eher kleiner. Ist er aber nicht. Die Leute würden jetzt schon verstärkt zu jenen Flaschen greifen, die mittels Aufmachung und Name frisches, fruchtiges Trinkvergnügen verheißen, so Wein & Co-Chef Heinz Kammerer, "weil, seien wir ehrlich, und das sag' ich auch als Weinhändler: Die Mischung Hitze und Wein geht einfach nicht".

Weshalb einige Weingüter für solche Fälle eine Strategie entwickelten, die ihnen beim übrigen Programm nicht so passen würde, dem Ausnahmefall Sommerwein aber sehr zugute kommt: "jugendliche" Optik, die unkomplizierten, gut gekühlten Trinkgenuss verheißt, definitiv nicht vollreif gelesenes Traubenmaterial, auf dass die Säure erhalten bleibt und der Alkoholgehalt nicht zu hoch ansteigt, einheitliches Geschmacksbild auch über die Jahrgangsunterschiede hinweg. Wein als Markenprodukt sozusagen, "er muss es halt schaffen, dass die Leute trotz 35° ins Geschäft kommen", so Kammerer.

Einer der Urväter dieses Weinkonzeptes ist der "Grüve" der Gebrüder Jurtschitsch aus Langenlois: Der Grüne Veltliner aus kleineren Lagen, zugekauften Chargen und jungen Weingärten zeichnet sich seit 16 Jahren nicht zuletzt durch sein jährlich von Christian Ludwig Attersee gestaltetes Etikett ab, "unkomplizierter Trinkgenuss mit hohem Qualitätsanspruch" war die Devise, er prägte das Bild des sommerlichen Markenweins aus prestigereichem Erzeugerhaus maßgeblich.

1996 brachte das Schlossweingut Hardegg dann seinen "Veltlinsky" auf den Markt, wieder ein Grüner Veltliner, "ein frischer, leichter, fröhlicher Sommerwein, speziell auf die Zielgruppe der urbanen Klientel gerichtet", wie Önologe Peter Malberg erklärt. Der ehemalige Werber analysierte die Kundenstruktur des Unternehmens, erkannte, dass diese zu einer gewissen Überalterung tendierte und machte sich folglich mit Unterstützung von Marktforschungsinstituten an die Konzeption. Etiketten wurden bei der renommierten Grafikdesignerin Cordula Alessandri in Auftrag gegeben, man ließ sie abtesten und war mit dem Ergebnis so weit auch sehr glücklich. Beim Kunden kam der Wein mit dem Designer-Etikett allerdings weniger gut an, "da will uns wer billigen Wein über eine teure Ausstattung verkaufen", hörte Malberg immer wieder. Die Aufmachung wurde dann angepasst und etwas klassischer gehalten, gegen den Vorwurf der "Billigkeit" will sich Malberg aber natürlich trotzdem verwehren: "Wir versuchen einfach, jedes Jahr die gleiche Qualität in die Flasche zu bekommen, der Veltlinsky ist kein Leichtwein, er ist der einzige Wein bei uns im Keller, wo wir mithilfe von Kellertechnik speziell auf ein Ziel hinarbeiten, ein technisches Produkt sozusagen". Dem Zufall oder Jahrgang wird nichts überlassen, der Alkohol liegt immer um die zwölf Prozent, ein bisschen Restzucker und reichlich Säure sollen für "Drinkability" sorgen, die Kohlensäure wird so weit wie möglich erhalten. Einstweilen kommen die Trauben für die 40.000 Flaschen Veltlinsky noch aus eigenen Weingärten, den Ausstoß zu verdoppeln wäre laut Malberg aber auch kein Problem.

Der jüngste Sommerwein am Markt stammt von Anni und Albert Neumeister und nennt sich "Pusspuss". Dies deshalb, weil die feinfruchtige Cuvée aus Riesling, Sauvignon blanc und Weißburgunder nach der Katze der Stradener Winzer benannt ist, "einem besonders selbstbewussten und eigenständigen Tier". Wer Pusspuss will, bekommt nicht nur einen Wein mit orangefarbenem Etikett, auch Schokolade mit Pusspuss-Fülle (Wein, nicht Katze) wurde von Josef Zotter kreiert, und ein farblich passendes Mousepad hat das Pusspuss-Merchandising ebenfalls zu bieten.

Ebenfalls am Markt der originellen Sommerweine spielt seit kurzem Hannes Hirsch mit, der seinen früheren Grünen Veltliner Messwein (die Gesetzeslage für derartige Bezeichnungen änderte sich) nun unter dem Titel "Hirsch, Trinkvergnügen #1" feilbietet, ausgestattet mit einem Etikett, das diesen Namen einigermaßen treffend ins Bild rückt.

Eduard und Stefan Tscheppe aus Leutschach wiederum nennen ihren sommerlich-leichten Chardonnay "Vin'o", Fred Loimers Sommer-Veltliner heißt "Lois" und bietet neben fruchtiger Erfrischung Rückenetiketten mit Zitaten prominenter Austropopper, Kabarettisten und Kolumnisten zum Thema "Lois", Wein, Alkohol und das Leben als solches, literarischer Mehrwert sozusagen.

Im Oktober, wenn dann schön langsam wieder die Jungweine antreten, sollten die Sommerweine jedenfalls ausgetrunken sein. Andererseits: Wenn nicht, bekommt zumindest der Glühwein eine etwas sommerliche Komponente. (Der Standard/rondo/20/06/2003)

Von Florian Holzer
  • Artikelbild
    foto: cremer
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