Frankreichs selbstbewusste neue First Lady

7. Mai 2012, 21:27
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"Angst vor dem Verlust der Freiheit": Valérie Trierweiler

Sie hatte es schon früher nicht leicht. Und auch jetzt muss Valérie Trierweiler eine Rolle ausüben, die ihr nicht behagt: ins Rampenlicht zu treten und an der Seite des neuen französischen Präsidenten François Hollande First Lady zu spielen.

Die 47-jährige Französin aus Angers im Loiretal wuchs als Zweitjüngste von fünf Geschwistern in einfachen, ja ärmlichen Verhältnissen auf und verlor, kaum volljährig, ihren kriegsversehrten Vater.

Nach ihrer Schulzeit zog Valérie Massonneau, so ihr Mädchenname, nach Paris, um an der Sorbonne Geschichte und Politologie zu studieren. Als 24-Jährige trat sie in die Redaktion der Illustrierten Paris-Match ein. Die Ehe mit einem Jugendfreund hielt nicht lange, danach heiratete sie den Redaktionssekretär Denis Trierweiler. Mit ihm hat sie drei Söhne. Sie ließ sich scheiden, seinen Namen aber behielt sie.

Ihre Beziehung zu Hollande begann vor etwa sechs Jahren. Offiziell war der Sozialistenchef damals noch mit Ségolène Royal liiert, mit der er vier Kinder hat. Da Royal als damalige Präsidentschaftskandidatin den Schein einer intakten Beziehung wahren wollte, stellte Hollande Trierweiler erst 2007 in der Öffentlichkeit vor, als Royal Nicolas Sarkozy unterlegen war.

Schon damals blieb Trierweiler lieber hinter den Kameras. Als dann Hollande für das höchste Amt im Staat kandidierte, ließ sich die Journalistin karenzieren.

Als sie ausgerechnet in ihrem eigenen Magazin an Hollandes Seite auf dem Titelblatt landete, war sie geschockt und warf ihrem Arbeitgeber billigen Sexismus vor. Dabei war die ihr zugedachte Bezeichnung als "Charme-Trumpf" vergleichsweise zurückhaltend. Carla Bruni musste mehr einstecken.

Scharf reagierte Trierweiler auch, als Gerüchte zirkulierten, der Geheimdienst habe - womöglich auf Betreiben von Sarkozy - eine Akte zu ihrer Person angelegt: Sie klagte. Royal soll sie seither in lautmalerischer Anlehnung an ihren Namen als "Rottweiler" bezeichnen.

Die Lebenspartnerin Hollandes kleidet sich so elegant wie ihre Vorgängerin Bruni und ist mindestens so selbstständig und selbstbewusst. Sie verhehlt auch nicht, dass sie "Angst vor dem Verlust der Freiheit" hat; und sie glaubt "eher nicht", dass ihre sieben Kinder in den Präsidentenpalast übersiedeln werden. Sie wolle auf eigenen Füßen stehen und außerhalb des "goldenen Élysée-Käfigs" arbeiten: "Ich will nicht, dass mein Mann oder der Staat für mich aufkommen müssen." (Stefan Brändle /DER STANDARD, 8.5.2012)

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