Kleines Schreckgespenst geht um

7. Mai 2012, 18:54
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Europas Börsen reagieren moderat auf Wahlergebnisse - Kurseinbruch in Athen

Die durch die Wahlen veränderte politische Lage hat am Montag an den Börsen für Verunsicherung gesorgt. Teilweise flammte die Angst vor einem Kollaps in der Eurozone erneut auf. Die Märkte in Europa sind dementsprechend schwach in den Handel gestartet, einzelne Indizes konnten im Tagesverlauf aber wieder Terrain gewinnen. Klares Zeichen der politisch bedingten Scheu vor Risikowerten: Die als sicherer Hafen geltenden deutschen Bundesanleihen waren stark gefragt, die Rendite zehnjähriger Papier sank mit 1,57 auf einen neuen Tiefstand.

Einen massiven Kursrutsch hat es in Griechenland gegeben. Weil niemand wirklich vorhersagen kann, wie sich die neue politischen Situationen auf die Krise auswirken wird, haben Anleger nahezu panikartig ihre Wertpapiere verkauft. Der griechische Leitindex ASE eröffnete um mehr als sieben Prozent schwächer und konnte im Verlauf kaum Boden gutmachen. Einzeltitel wurden zum Teil dramatisch getroffen. Am Kopf der Verliererliste haben sich die auf Windkraft spezialisierte Gek Terna Holding und die Alpha Bank duelliert - beide Unternehmen haben mehr als 20 Prozent verloren. Die EFG Eurobank folgte nur knapp dahinter, auch die Piraeus Bank wurde schwer erwischt.

Es ist die angedeutete Abkehr vom Sparkus in Athen, der Zweifel nährt, dass die Schuldenkrise in Griechenland und in Europa gelöst wird. "Ohne Zweifel wird der Wahlausgang in Griechenland für die Eurozone eine Belastung. Jetzt werden Extremszenarien, wie etwa, dass die Griechen die Eurozone verlassen oder pleitegehen könnten, wahrscheinlicher", sagte Marktstratege Roger Peeters vom Bankhaus Close Brothers Seyd ler. Konkret sorgen Bestrebungen, die von EU und Währungsfonds für die Gewährung von Hilfskrediten verordneten Sparauflagen aufzuweichen, für Unsicherheit.

Analysten von Credit Suisse halten folgende Situation für nicht unwahrscheinlich: Die Regierung, so sie zustande kommt, hält die Vorgaben nicht ein, worauf die Geldgeber die nächste Kredittranche zurückhalten. Das Ausbleiben der Zahlungen für Beamtengehälter und Pensionen würde zu erheblichen Spannungen führen.

Dass derartige Befürchtungen nicht Konsens sein dürften, zeigt die Entwicklung des Euro. Die Gemeinschaftswährung sank erst auf 1,2970 Dollar auf ein Dreimonatstief, allerdings erholte sich der Euro im Verlauf wieder auf 1,3050 Dollar.

In Frankreich hat François Hollande angekündigt, er wolle die vor allem von Deutschland verfochtene Sparpolitik in Europa nicht unverändert weiterführen. An der Pariser Börse hat diese Ankündigung aber für keine Kurserschütterungen gesorgt. Der Leitindex CAC 40 hat ein knappes Plus geschafft. "Der Sieg von Hollande bietet Europa die Chance, auf eine wachstumsorientierte Politik umzuschwenken und nicht nur auf Sparmaßnahmen zu beharren", sagt John Bennett von Henderson Global Investors.

Tatsächlich kommen immer mehr Signale aus Deutschland, die auf ein weiterhin gutes nachbarschaftliches Verhältnis hindeuten. Finanzminister Wolfgang Schäuble trat beispielsweise für satte Lohnerhöhungen in Deutschland ein, mit denen wirtschaftliche Ungleichgewichte abgebaut werden könnten. Das entspricht ziemlich exakt den bisherigen Forderungen Frankreichs.

Buffett skeptisch

Investoren haben sich auch von Anleihen getrennt - französische, griechische, spanische und italienische Bonds wurden verkauft.

Die US-Börsen haben leicht schwächer eröffnet. Der legendäre US-Investor Warren Buffett blickt nach den Wahlen in Griechenland und Frankreich mit Sorge auf die Entwicklung in der Eurozone. "Es wird für Europa sehr schwer werden, die Probleme zu lösen", sagte der 81-Jährige am Montag dem US-Fernsehsender CNBC. Das Problem sei, 17 Länder unter einen Hut zu bekommen, und die Menschen zu überzeugen, dass Einschnitte nötig seien.

Buffett betonte aber auch, niemand solle Europa abschreiben. "Europa wird nicht verschwinden. Es wird weiter ein riesiger Markt bleiben mit fähigen Leuten, mit Fabriken und mit wunderbaren Unternehmen." (red, DER STANDARD, 8.5.2012)

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