Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate
vergrößern 448x500Sarkasmus und Triumph herrschen in Athen am Tag nach den Wahlen, die Griechenlands politische Kräfteverhältnisse auf den Kopf gestellt haben. "Die Griechen haben gewählt", heißt es bitter am Parteisitz der Nea Dimokratia in der Syngrou Avenue im Süden der Hauptstadt. Die Gefolgsleute von Antonis Samaras fühlen sich unverstanden.
Es ist der Absturz der konservativen Partei auf 18 Prozent, weitaus schwerer als erwartet, der eine Koalition der Kreditunterzeichner unmöglich macht. Führungslos schlittert Griechenland nun in eine Zeit der politischen und wirtschaftlichen Instabilität. Neuwahlen schon im nächsten Monat scheinen noch der wahrscheinlichste Ausweg.
Zwei Sitze fehlen Nea Dimokratia und Pasok zur Mehrheit im Parlament, und dann - so hatte Pasok-Chef Evangelos Venizelos noch in der Wahlnacht festgestellt - wäre die politische Basis immer noch nicht breit genug, um den Sparkurs zur Rettung Griechenlands weiter zu verfolgen. "Die Parteien, die ohne die Zustimmung der Griechen die Kreditprogramme unterschrieben haben, sind in der Minderheit", jubelte dagegen Alexis Tsipras, der Linkspolitiker und Wahlsieger. Er konnte den Anteil seines Linksbündnisses Syriza mit knapp 17 Prozent fast vervierfachen.
"Barbarische Memoranden"
Tsipras reckt die rechte Faust in die Höhe unter dem Applaus der Wartenden am Koumoundourou-Platz, als er Sonntag kurz vor Mitternacht aus dem Parteigebäude von Syriza eilt und sich zum nächsten Termin fahren lässt. "Europas Völker können nicht mit barbarischen Memoranden versöhnt werden." Zwei solcher Memoranden mit den Sparauflagen hatte Griechenland unterzeichnet, als es die Rettungskredite von 110 und später 130 Milliarden Euro angenommen hatte. Tsipras kündigte eine Regierung der "linken Kräfte" an, um die Memoranden abzuschaffen. Doch auch ihm fehlen die Stimmen.
Die "Wahl der Wut"
"Dies war eine Wahl der Wut", sagt Yiannis Loulis, ein Politikberater und langjähriger Beobachter der Parteien. "Die Leute waren nicht interessiert an Programmen oder Problemlösungen. Ihre Einstellung zu den Regierungsparteien war: 'Redet mir nicht vom Euro, lasst mich in Ruhe mit diesem Schäuble.'" Die Griechen habe nicht gekümmert, was am Tag nach den Wahlen sein würde, glaubt Loulis. "Lasst die Parteien das erledigen. Sie haben den ganzen Schlamassel angerichtet", sei ihre Ansicht gewesen. Gut möglich, dass sie das nun bedauern, fügt der Politikberater hinzu.
Als Chef der relativ größten Partei im nächsten Parlament erhielt Samaras von Staatspräsident Karolos Papoulias am Nachmittag den Auftrag zur Koalitionssuche. Wenige Stunden später war er gescheitert: "Ich habe das Mandat zurückgegeben", sagte er, nachdem er Tsipras und Venizelos getroffen hatte, er sei "nicht in der Lage eine Regierung zu bilden". Nun wird erwartet, dass der Staatspräsident am Dienstag Tsipras als Führer der zweitstärksten Fraktion mit den Sondierungen betrauen wird.
Wenn einer der Koalition der Sparkursbefürworter die notwendigen Stimmen verschaffen hätte können, dann wäre es Fotis Kouvelis. Der Altkommunist, ein Pro-Europäer, bringt seine Partei Demokratische Linke mit 19 Sitzen ins Parlament. Doch er winkte schon zu Mittag ab. Er sei nur bereit, an einer "Koalition der progressiven Kräfte" mitzuwirken, hatte er erklärt. Zu groß ist die Dynamik auf der Linken durch den Wahlsieg von Syriza geworden. Tsipras' Linksbündnis und die Kommunisten können mehr denn je die Straße mobilisieren. So war Samaras' Koalitionssuche aussichtslos, bevor sie überhaupt begonnen hatte.
Warten auf die Revolution
Tsipras' Linksregierung zusammen mit den Kommunisten der KKE und Kouvelis hätte jedoch nicht genug Stimmen. Aleka Papariga, die Vorsitzende der KKE, hat eine Koalition zudem kategorisch ausgeschlossen. Verächtlich sprach sie von den "neuen Sozialdemokraten" der Tsipras-Truppe. "Papariga wartet auf die Revolution", kommentierten ironisch Twitterschreiber in der Wahlnacht.
Den dritten und letzten Part der Koalitionssuche wird dann Pasok-Chef Venizelos übernehmen. Der griechische Staatspräsident kann nach diesen zehntägigen Bemühungen theoretisch eine Notregierung zusammenstellen lassen oder aber gleich Neuwahlen ausrufen lassen. Darauf setzt bereits Evangelos Venizelos, der frühere Finanzminister. Die Wut der Griechen auf die Sparkursparteien, so hofft er, sei dann verraucht. (Markus Bernath aus Athen, DER STANDARD, 8.5.2012)
Panayiotis Iliopoulos von der neonazistischen Morgenröte-Partei wurde nach ausfallenden Bemerkungen aus dem Saal eskortiert
Konservativer hatte 18 Millionen Euro veruntreut
Der Mann saß bis vor kurzem im Aufsichtsrat der Bank of Cyprus
Verdacht der Beteiligung an tödlichen Attacken gegen Ausländer
Antifaschistisches Bündnis meldet Schaffung einer "Zelle" und enge Verbindungen zu deutschen Rechtsextremisten
Zwei Verletzte - Täter vermutlich Autonome
Polizei in Athen stürmte besetztes U-Bahn-Depot - Keine Zusammenstöße - Völlige Normalisierung des Verkehrs wohl erst am Wochenende
In den vergangenen Monaten war es in Griechenland zu Dutzenden Übergriffen auf Migranten gekommen
Rechtsextreme seit Parlamentseinzug im Aufwind: Mittlerweile laut Umfragen drittstärkste Partei
Keine Verletzten
Schlägertrupps der "Goldenen Mörgenröte" gingen gegen Einwanderer vor
Mann soll für Facebook-Seite verantwortlich sein, die angeblichen Hellseher parodiert
Rechtsextreme machen in der griechischen Hauptstadt Jagd auf Immigranten. Die Polizei antwortet mit einer Massenrazzia gegen illegale Ausländer
Immer wieder heißt es, dass die Griechen trotz der Krise weiter Milliarden ins Militär stecken - doch stimmt das überhaupt?
Für Rechtsextremismus-Expertin Georgiadou kommt der Wahlerfolg der neofaschistischen Goldenen Morgenröte nicht überraschend
Polizei untersagte Lebensmittelverteilung "nur für Griechen" auf dem Syntagma-Platz
Neonazi-Partei "Goldene Morgenröte" ködert mit Nudeln, Öl und Milch Menschen am Athener Syntagmaplatz
Partei organisiert eigene Blutbank - Widerspruch von Gesundheitsbehörden: "Ungesund, unwissenschaftlich, illegal und rassistisch"
Nicht geleistete Reparationszahlungen: "Wenn man drei Prozent Zinsen hinzurechnet, kommt man auf über eine Billion Euro"
"Es war falsch, das Volk zu diesem Zeitpunkt zu den Urnen zu rufen."
wie die systemvasallen sich brüskieren, wenn mal das volk seine meinung kundtut:
http://www.tagesschau.de/kommentar... ar502.html
die scheindemokratie zeigt sich ganz offensichtlich unverblümt.
Von wegen die Griechen sind nicht interessiert an Problemloesungen, Herr Loulis und Herr Bernath. Diese Wahl wurde von allen Griechen, die ich kenne, als die wichtigste Wahl der griechischen Geschichte bezeichnet. Wie kann man nur denken, dass Leute, die in einer so schwierigen Situation sind wie die Griechen jetzt, demgegenueber gleichgueltig sind?! Da hat EIN Mensch seine schlechte Meinung ueber die Griechen preiszugeben und schon kommt er in die Zeitung. SCHADE!!
dann stellt sich die Frage weshalb so viele Menschen auf einmal ihre Liebe zu extremen Parteien entdecken. Glauben Sie ernsthaft, dass die Neofaschisten oder Altstalinisten den Karren aus dem Dreck ziehen können? Nein, das Wahlergebnis lässt eher auf eine gewisse Realtitätsverweigerung schließen.
es ist doch vor allem das wahlgesetz, das GR in der jetzigen situation unregierbar macht. einst sollte es die herrschaft der PASOK zementieren, jetzt hat niemand etwas davon. politik gegen die bürger zu machen und mit einer manipulation der politischen kräfteverhältnisse abzusichern, funktioniert nicht ewig. der ärger auf die beiden früheren großparteien wird durch fortgesetzte neuwahlen wohl eher noch größer als kleiner.
Ich war jetzt ganz überrascht, dass es sogar ein eigenes Wort dafür gibt: Entrismus
http://de.wikipedia.org/wiki/Entrismus
Radikalismus hat mit Extremismus oder Totalitarismus nicht zwangsläufig was zu tun! Wer seine politischen Gegner umbringt oder interniert, ist extrem, diktatorisch, aber nicht zwangsläufig radikal. Radikal bezieht sich auf die Umwälzung der Verhältnisse. Verstaatlichung wäre nicht radikal, Arbeiterselbstverwaltung schon (nur ein Beispiel)...
Ähem, es geht um den begriff "radikal", nicht um "gut und böse"!
jemand der sie in den Gulag schmeißert, die Industrie aber verstaatlichert, statt auf Arbeiterselbstverwaltung zu stellen, ist nicht "linksradikal" weil der Gulag keine radikal linke Lösung ist. Dieses Vorgehen kennzeichnet diktatorische Regime, unabhängig von der dahinterstehenden Ideologie, verstehens jetzt, was ich mein?
So, ihr zwei (-;
ich kann da ja nix dafür! Ich bastle gar nix, ich versuch nur zu erklären. Vielleicht - nochmal - hilft das weiter: http://de.wikipedia.org/wiki/Link... dikalismus
Lenin und Trotzky verurteilten den "linken Radikalismus" weil er nicht linientreu (oder besser "lenintreu") war!
Die meisten Linksradikalen, also Anarchisten, Libertäre Sozialisten, Rätekommunisten - verurteilen und verurteilten seit jeher das Leninistische Zwangssystem (sie haben ja auch darunter gelitten, wurden liquidiert oder in den Gulag gesteckt)! Ob es euch beiden jetzt passt oder nicht...
Ich kann ihnen natürlich nicht vorschreiben, welche Begriffe sie für welche Strömung verwenden wollen. nix für ungut...
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.