Entspannteres Fahren durch Sprachkurs

7. Mai 2012, 17:46
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Innsbrucker Busfahrer lernen im Deutschkurs Kommunikation mit dem schwierigen Fahrgast

Innsbruck - "Ich möchte mit den Fahrgästen gutes Deutsch sprechen", sagt Esref Coskun, Österreicher mit türkischen Wurzeln. Er ist einer von 17 Busfahrern und einer Fahrerin der Innsbrucker Verkehrsbetriebe (IVB), die noch bis Juni einmal wöchentlich einen Deutschkurs besuchen. Am Donnerstag von 17 bis 19 Uhr treffen sich die Fahrer in der Pädagogischen Hochschule Tirol (PHT). Die PHT liegt idealerweise genau neben dem Gebäude der Innsbrucker Verkehrsbetriebe. So sei auch die Kursplanung extrem unkompliziert gewesen, erzählt IVB-Chef Martin Baltes. Man sei einfach zu den Nachbarn gegangen, habe die Idee besprochen und umgesetzt.

Der 39-jährige Coskun ist seit neun Jahren Fahrer. Am liebsten fährt er den "J"-Wagen nach Igls. Die Runde sei schön, die Leute nett. Doch Coskun fährt nicht immer die Linie in den Nobelstadtteil Igls. Manchmal verschlägt ihn der Dienstplan auch zum "O" ins Olympische Dorf, mit seinen Hochhäusern, statt Villen, mit Spielplätzen in engen Höfen, statt Wanderwegen im Wald. Auf dieser Linie werde es manchmal ungemütlich, Jugendliche seien manchmal aggressiv oder betrunken. Oder beides. Und genau deshalb will Coskun gut Deutsch sprechen, denn: "Als Fahrer bist du nur locker, wenn du alles verstehst. Dann gibt es auch keine Probleme mit den Fahrgästen, egal, wie sie gelaunt sind."

Kleingruppen

Organisiert wird der Kurs "Deutsch als Zweit-/Fremdsprache" von den IVB, der Pädagogischen Hochschule Tirol und dem Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF). Die Kleingruppen sind je nach Vorkenntnissen in drei Gruppen eingeteilt. Der Kurs ist für die IVB-Mitarbeiter kostenlos. Besucht wird er allerdings in der Freizeit, nicht im Dienst. Entwickelt wurde der Kurs von Studierenden und Lehrenden der PHT und des Integrationszentrums (IZ) gemeinsam. "Es geht um den höflichen Umgang mit Fahrgästen in Ausnahmesituationen genauso wie die Kommunikation bei Unfällen oder das korrekte Schildern von technischen Gebrechen", erklärt Nikolaus Meze vom IZ. So wurden von IVB-Teamleiter Temel Fuat zusätzlich auch Listen mit den wichtigsten Fachvokabeln, die auf der täglichen Fahrt benötigt werden, zusammengestellt. Etwa "Notbremsung" oder " Reversieren".

Unterrichtet werden die Kleingruppen von Studierenden der PHT unter Supervision von Dozentinnen und einer erfahrenen Deutschtrainerin des IZ. Die Studierenden können sich den Kurs als Pflichtpraktikum anrechnen lassen. "Gestärkt wird dadurch auch die Kompetenz im Bereich der Lehre für Personen mit Migrationshintergrund", sagt Georg Thaler, Vizerektor der PHT.

Nicht nur die Busfahrer sollen ihr Deutsch verbessern, Thaler will zudem einen Türkisch-Kurs für seine Studierenden anbieten: "Damit die Kommunikation noch besser funktioniert." Esref Coskun findet, dass er sich sprachlich bereits stark verbessert hat. Für Nikolaus Meze vom IZ erhöhen die Fahrer aber nicht nur ihre beruflichen, sondern auch ihre interkulturellen Kompetenzen, etwa bei diskriminierenden Aussagen. Und auch für Touristen ist Coskun gerüstet. Im Bus liegt immer ein Deutsch-Englisch-Wörterbuch. (Verena Langegger, DER STANDARD, 8.5.2012)

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