Armut im Westen, dramatische Schäden für die Erde

7. Mai 2012, 23:25
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Der vom Norweger Jörgen Randers präsentierte Bericht malt düsteres Zukunftsbild der Menschheit

Vor 40 Jahren hat der Club of Rome den legendären Bericht "Die Grenzen des Wachstums", zusammengestellt vom US-Ökonomen Dennis L. Meadows, präsentiert. Nicht alles ist eingetroffen, doch in der Tendenz lagen die Prognosen, ausgehend von den zentralen Faktoren Industrialisierung, Bevölkerungswachstum, Ernährungslage, Rohstoffressourcen und Zerstörung von Lebensraum, richtig. Die damalige Kernaussage, nämlich dass bei unverändert voranschreitender Entwicklung "die absoluten Wachstumsgrenzen auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht" würden, gilt heute mehr denn je. Am Montag hat der Norweger Jörgen Randers, der bereits am ersten Bericht mitschrieb, nun der Folgebericht "2052" präsentiert.

Der nunmehr 66-jährige Randers warnt in dem Papier erneut vor dem Überschreiten vieler Grenzen der Natur. Ein Faktor, der im ursprünglichen Bericht noch keine Berücksichtigung fand, wird diesmal umso stärker betont: Die Erderwärmung werde in den kommenden 40 Jahren für viel Leid verantwortlich sein. Danach soll es aber erst so richtig schlimm werden.

Die Kritik am ungebremsten Wirtschaftswachstum dagegen gleicht jener im Vorgänger-Report: Die Wirtschaft schädige mit ihrem steten Wachstum das derzeitige Klima und die Naturschätze. Sie erwirtschafte oftmals schon jetzt gar keinen Gewinn mehr, wenn der wahre Preis für die Umweltzerstörung in Rechnung gestellt würde. Dafür sieht der Bericht einen Rückgang beim Anstieg der Bevölkerungszahl.

40-jähriges Jubiläum

Der Report erscheint zum 40-jährigen Jubiläum des ersten großen Berichts des Club of Rome, mit dem er damals den Glauben an einen stetigen Wirtschaftsaufschwung stark dämpfte. Zusammen mit der Ölkrise kurz danach machte er die Endlichkeit der Rohstoffe deutlich. Damals waren die Auswirkungen des Treibhauseffekts noch nicht bekannt, doch heute ist klar: Die Atmosphäre kann nicht unendlich viele Treibhausgase aufnehmen, ohne dass das Klima aus den Fugen gerät.

In dem neuen Bericht mit dem Titel "2052: Eine globale Vorhersage für die nächsten 40 Jahre" präsentiert Randers auch 35 Ausblicke von international führenden Experten. Diese und weltweite Statistiken flossen in seine Zukunftsmodelle ein.

Dürren, Fluten, Wirbelstürme

Der Ausstoß von Treibhausgasen wird demnach noch bis 2030 steigen und damit Randers zufolge 15 Jahre zu spät zurückgehen. Daher werde sich die Erdtemperatur nach 2052 auch um mehr als zwei Grad erwärmen. Die Marke galt als gerade noch erträglich. "Der Meeresspiegel wird um 0,5 Meter höher sein", erwartet er.

Es werde mehr Dürren, Fluten und verheerende Wirbelstürme geben. "Und im Jahr 2052 wird die Welt mit Schrecken auf weitere Änderungen in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts blicken", fährt Randers fort. "Der sich selbst verstärkende Klimawandel wird die Sorge Nummer eins sein." Das Treibhausgas Methan werde aus der auftauenden Tundra entweichen und die Erde weiter aufheizen, worauf noch mehr Permafrostboden in der Tundra auftaue.

Geringeres Bevölkerungswachstum

Die Bevölkerung wird Randers zufolge nicht so stark wachsen wie gedacht. Sie wird bis Anfang der 2040er Jahre 8,1 Milliarden Menschen erreichen und dann abnehmen. Grund: Die Menschen lebten zunehmend in Städten, und Frauen erhielten mehr Bildung. Mit der Verbreitung von Bildung und Verhütungsmethoden werde bald jedes Paar über seine Kinderzahl entscheiden können. In den Megastädten bedeute ein Kind, einen Mund mehr zu füttern, statt eine Hilfe mehr auf dem Acker.

Bis 2052 werde es weniger Armut in den Entwicklungsländern, jedoch mehr Armut und Ungleichheit in den Industriestaaten und überall mehr Umweltzerstörung geben, schreibt der argentinische Investmentmanager Carlos Joly in seinem Ausblick für den Report "2052". Zugespitzt gesagt sei der Grund für den Niedergang im Westen der "Triumph des Finanzkapitalismus". In der Berechnung des Bruttoinlandsproduktes fehlten Vermögenswerte der Umwelt wie Wasserressourcen, Bodenfruchtbarkeit, Lebensqualität und stabiles Klima. Kurz: Die Gewinnberechnung müsse sich ändern.

Kritik am "fast religiösen Glauben" an freie Märkte

Der Wirtschaftsexperte Chandran Nair aus Malaysia kritisiert den "fast religiösen Glauben" des Westens an freie Märkte und warnt davor, Asien als Motor für das eigene Wachstum zu sehen und zu wirtschaften wie bisher. Stattdessen müsse der Konsum auf ein Maß gebracht werden, das die Erde nicht ausbeute.

Der jungen Generation werde der Geduldsfaden reißen, weil sie nicht länger die Umweltlasten der alten tragen wolle, schreibt das österreichische Club-of-Rome-Mitglied Karl Wagner in dem Bericht. Er sagt eine Revolution in den 2020er Jahren voraus - vergleichbar mit der von 1848 gegen das feudale Herrschaftssystem. So werde die Kultur des Konsums umschwenken auf nachhaltigeres Wirtschaften.

Randers glaubt dagegen nicht mehr an rechtzeitige Besserung: Die Menschheit werde sich nicht schnell genug ändern. Auch die komplexen und zeitraubenden Entscheidungsprozesse in Demokratien würden das verhindern. Es nütze jedoch nichts, zu verzweifeln. Dass er selbst die Hoffnung nicht aufgegeben hat, zeigt sein Schlussstatement: "Bitte helft, meine Vorhersage falsch werden zu lassen. Zusammen können wir eine viel bessere Welt schaffen." (APA/red, derStandard.at, 8.5.2012)

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    Bis 2052 werden Dürren, Fluten und Wirbelstürme für zahlreiche Opfer und Milliardenschäden sorgen. Ab der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts soll es aber laut dem Bericht des Club of Rome noch um einiges schlimmer werden.

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