Globaler Temperaturanstieg kaum noch zu stoppen

7. Mai 2012, 17:28
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Neuester Bericht des Club of Rome empfiehlt indirekt Vorkehrungen gegen die Katastrophe

Wien/Rotterdam - Wovor Experten des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) bereits 2007 gewarnt haben, bekommt nun neues Gewicht. Jetzt ist es der Club of Rome, der in seinem neuesten Report 2052 - eine globale Vorschau auf die nächsten 40 Jahre den globalen Temperaturanstieg als eines der brennendsten Probleme der nächsten Jahre benennt. Weil sich so rasch keine Trendumkehr abzeichnet, raten die Autoren indirekt, Vorkehrungen für den Ernstfall zu treffen.

Der am Montagnachmittag in Rotterdam vorgestellte Bericht erscheint 40 Jahre nach Publikation des ersten großen Reports des Club of Rome, in dem dieser unter dem Titel Die Grenzen des Wachstums den Glauben an einen stetigen Wirtschaftsaufschwung stark dämpfte. Zusammen mit der Ölkrise kurz danach verdeutlichte der Bericht die Endlichkeit der Rohstoffe.

Damals waren die Auswirkungen des Treibhauseffekts noch nicht bekannt. Heute weiß man, dass die Atmosphäre nicht unendlich viele Treibhausgase aufnehmen kann, ohne dass dies Auswirkungen auf das Klima hätte.

Alle Anstrengungen, die bisher zur Limitierung des mittleren Temperaturanstiegs bei zwei Grad Celsius getroffen wurden, hätten zu kurz gegriffen. Die Folge sei ein deutlicherer globaler Temperaturanstieg. Der Ausstoß von Treibhausgasen dürfte zumindest bis zum Jahr 2030 steigen, meinte etwa Jorgen Randers, Mitautor von Grenzen des Wachstums, bei der Präsentation des neuesten Berichts. Das sei um 15 Jahre zu spät, um den noch als halbwegs zumutbar angesehenen Temperaturanstieg bei zwei Grad zu begrenzen.

Steigender Meeresspiegel

Der Meeresspiegel werde um einen halben Meter höher sein, auch mehr Dürren, Fluten und verheerende Wirbelstürme werde es geben. "Und im Jahr 2051 wird die Welt mit Schrecken auf weitere Änderungen in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts blicken", sagte Randers. "Der sich selbst verstärkende Klimawandel wird die Sorge Nummer eins sein."

Durch Entweichen des Treibhausgases Methan aus der auftauenden Tundra werde die Erde weiter aufgeheizt. Folge davon: Noch mehr Permafrostboden wird in der Tundra auftauen.

Bis 2052 werde es weniger Armut in den Entwicklungsländern geben, dafür mehr Armut und Ungleichheit in den Industriestaaten (siehe Wissen). In der Berechnung des Bruttoinlandsprodukts fehlten Vermögenswerte der Umwelt wie Wasserressourcen, Bodenfruchtbarkeit, Lebensqualität und stabiles Klima. Daraus leitet sich für den Club of Rome die Forderung ab, dass sich die Gewinnberechnung ändern müsse.

Der Club of Rome wurde 1968 von Fiat-Manager Aurelio Peccei und OECD-Generaldirektor Alexander King in Rom ins Leben gerufen. Die Mitarbeit ist ehrenamtlich. (stro, DER STANDARD, 8.5.2012)

Wissen: Experten blicken in das Jahr 2052

  • Die Weltbevölkerung wird kurz nach 2040 bei 8,1 Milliarden Menschen ihren Höchststand erreichen und dann zurückgehen.
  • Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird bis 2052 langsamer als erwartet steigen. Um 2050 wird das weltweite BIP 2,2-mal größer sein als heute.
  • Der Produktivitätszuwachs wird geringer ausfallen als früher, weil viele Ökonomien ihr Entwicklungspotenzial bereits ausgeschöpft haben.
  • Die globale Klimaerwärmung bleibt Sorge Nummer eins.
  • Verlierer werden die aktuellen globalen Eliten sein, insbesondere die USA. Der Gewinner heißt China.
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