Ein Kommen und Gehen aus Osteuropa

7. Mai 2012, 17:30
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Arbeitskräfte aus Osteuropa sind auf wenige Branchen und Regionen konzentriert - dort kann es zu Verdrängungswettkämpfen kommen, zeigen Studien

Arbeitskräfte aus Osteuropa sind auf wenige Branchen und Regionen konzentriert - dort kann es zu Verdrängungswettkämpfen kommen, zeigen Studien. Die Arbeitslosigkeit ist kaum, im Burgenland aber etwas stärker, gestiegen.

 

Wien - Viele Zuwanderer, die nach der Arbeitsmarktöffnung am 1. Mai 2011 nach Österreich kamen, bleiben nur wenige Monate, zeigt eine am Montag präsentierte Wifo-Studie. In den ersten acht Monaten wurden demnach 58.000 Bürger aus den EU-8-Staaten (Ungarn, Tschechien, Slowenien, Polen, Slowakei, Estland, Lettland, Litauen) erstmals in Österreich angemeldet. Fast 25.000 wurden aber relativ rasch wieder abgemeldet, am Jahresende waren daher nur knapp 30.000 Zuwanderer am Arbeitsmarkt aktiv. Laut anderen Statistiken waren es zuletzt rund 26. 000 - hier gibt es verschiedene Berechnungsmethoden.

2000 bis 3000 Personen dürften ihre früher illegalen Jobs legalisiert haben. Fast 8500 Osteuropäer, die bereits in Österreich waren, gaben ihre selbstständige Beschäftigung auf.

Die große Mobilität der ausländischen Arbeitskräfte spiegelt sich auch in anderen Analysen wider. Mehr als die Hälfte der neuen Beschäftigten ist in Ostösterreich und in nur drei Sektoren tätig - Gastronomie (z. B. Küchenhilfen, Reinigungskräfte), Bau und Leiharbeit. Es handelt sich oft um wenigqualifizierte Arbeitskräfte. Im Osten gehört auch das Pendeln zur Tagesordnung (siehe Grafik).

Diese starke Konzentration führt laut Wifo dazu, "dass in diesen Teilbereichen des Arbeitsmarktes Verdrängungsprozesse zwischen neu zuwandernden Arbeitskräften einerseits und inländischen oder alteingesessenen ausländischen Arbeitskräften andrerseits nicht ausgeschlossen werden können". Als Beispiel führte AMS-Vorstand Johannes Kopf an: "Der junge, flexible Ungar verdrängt den alten Ungarn." In Summe seien diese Effekte aber vernachlässigbar.

Auch Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) sprach von einem " punktuellen Thema". Vor allem seine burgenländischen Parteikollegen hatten zuletzt beklagt, dass verstärkt ausländische statt inländische Arbeitskräfte beschäftigt werden. Es gebe zwar solche Fälle, sagt Hundstorfer, "die muss man aber schon mit der Lupe suchen". Die burgenländische Aufregung führt er unter anderem auf die anstehenden Gemeinderatswahlen zurück.

Wobei das Burgenland auch in einer anderen Statistik eine Sonderstellung einnimmt. Österreichweit stieg die Arbeitslosigkeit wegen der Arbeitsmarktöffnung nur um 0,08 Prozent. Im Burgenland um 0,2 Prozent. Das Wifo regt nun an, dass das AMS über Vermittlungsaktivitäten andere Sektoren und Regionen für Zuwanderer aus den EU-8-Ländern " attraktiver" machen soll.

Scheinselbstständige

ÖGB-Präsident Erich Foglar und Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel zeigten sich zwar mit dem ersten Jahr nach der Arbeitsmarktöffnung grundsätzlich zufrieden - so stiegen etwa die Einnahmen aus Sozialabgaben um 340 Millionen Euro. Sie fordern aber mehr Personal für Kontrollen von Unterentlohnung. Tumpel beklagte auch, dass zu leichtfertig Gewerbescheine - etwa am Bau - vergeben werden. "In Wahrheit sind das dann Leute, die bei den Gipsplatten die Fugen zuspachteln" - also klassische Scheinselbstständige. "Dem muss man einen Riegel vorschieben." (Günther Oswald, DER STANDARD, 8.5.2012)

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    grafik: apa
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