Szekeres neuer Wiener Ärztekammer-Präsident

7. Mai 2012, 16:54
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SPÖ-naher Ärztevertreter bei der Vollversammlung am Montagnachmittag gewählt

Wien - Der neue Präsident der Wiener Ärztekammer heißt Thomas Szekeres (50). Der Spitzenkandidat der sozialdemokratischen Ärzte und AKH-Betriebsratsobmann ist am Montagnachmittag von der Vollversammlung der Kammer gewählt worden. Er folgt auf Walter Dorner, der bereits Anfang des Jahres seinen Rückzug verkündet hat.

Szekeres konnte mit seiner Liste bei der Wahl im März deutlich zulegen - von neun auf 16 Mandate. Stärkste Fraktion war die VP-nahe Liste "Vereinigung österreichischer Ärztinnen und Ärzte - Liste Steinhart - Dorner". Deren Spitzenkandidat Johannes Steinhart schaffte in der Vollversammlung nicht die notwendige Mehrheit, um die Nachfolge Dorners anzutreten. 

Erstmals angestellter Arzt und SP-Vertreter Präsident

Thomas Szekeres wurde in der Vollversammlung mit 52 von insgesamt 90 Stimmen gewählt. Laut einer Ärztekammer-Aussendung ist damit erstmals ein angestellter Arzt Präsident der Wiener Kammer - und, wie auf Nachfrage bestätigt wurde, bekleidet mit Szekeres erstmals auch ein Sozialdemokrat dieses Amt.

"Gesundheitspolitisch möchte ich Kontinuität bewahren", versprach der neue Präsident in der Aussendung. Sein Anspruch sei es, stärker als bisher in die Gesundheitsreform involviert zu sein, "auf Augenhöhe mitzubestimmen". Denn es seien schließlich die Ärztinnen und Ärzte die verantwortlichen Träger des Gesundheitssystems, so Szekeres.

"Aufwertung des Allgemeinmediziners"

Der Neo-Kammerchef will sich weiters "vehement" für eine bessere Vernetzung des intra- und extramuralen Bereichs sowie für eine bessere Ausbildung der Jungärzte und deutliche Entlastung der Krankenhausärzte einsetzen: "Zudem brauchen wir eine flächendeckende fachärztliche Versorgung in Wien und endlich die Aufwertung des Allgemeinmediziners."

Auch die Kammerumlage will der neue Präsident deutlich senken. Eine "nachhaltige innere Kammerreform" sowie mehr Services und Dienstleistungen für die Mitglieder seien ebenfalls geplant, hieß es.

Dass in der traditionell VP-dominierten Wiener Ärztekammer ein roter Präsident das Ruder übernimmt, galt bis vor kurzem noch eher als ausgeschlossen. Daran, dass Johannes Steinhart als Wunsch-Nachfolger von Walter Dorner auch tatsächlich das Erbe antreten wird, gab es kaum Zweifel - auch wenn Szekeres bereits im Wahlkampf den Anspruch auf das Präsidentenamt anmeldete.

Die SP-Fraktion hatte kurz zuvor die Zusammenarbeit mit der VP-nahen Ärztevereinigung aufgekündigt. Im Vorfeld der heutigen Vollversammlung war es dem neuen Präsidenten gelungen, eine Mehrheit hinter sich zu vereinen - unter anderem mit Unterstützung der Grünen Ärzte sowie mit Hilfe der drittstärksten Liste, der "Wahlgemeinschaft".

Glückwünsche aus dem Rathaus

Aus dem Wiener Rathaus erfolgten am Montag jedenfalls bereits die ersten Glückwünsche: "Thomas Szekeres ist ein Garant für weiterhin gedeihliche Zusammenarbeit zwischen der Stadt Wien und der Wiener Ärztekammer", freute sich SP-Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely in einer Aussendung: "Es ist mittlerweile zur Tradition geworden, dass die Stadt und die Ärztekammer Seite an Seite für Verbesserungen und umfassende Reformen im Gesundheitswesen eintreten."

Die Kooperation, so prophezeite sie, werde "nicht komplizierter" werden, wenn auf beiden Seiten Sozialdemokraten werken, mutmaßte Wehsely. Auch Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny gratulierte - in seiner Funktion als Präsident des Bundes Sozialdemokratischer AkademikerInnen: "Es ist ein erfreuliches Zeichen, dass sich Thomas Szekeres nach dem fulminanten Wahlerfolg seiner Liste nun auch als Präsident durchsetzen konnte."(APA, 7.5.2012)

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