Ein asexueller Blutsauger im Strudel der Zeiten

7. Mai 2012, 18:30
  • Durstiger Beobachter beim Liebesspiel: Vampir Johnny Depp kommt in Tim 
Burtons "Dark Shadows" mit zweihundertjähriger Verspätung in der 
Gegenwart der 1970er-Jahre an.
    foto: warner

    Durstiger Beobachter beim Liebesspiel: Vampir Johnny Depp kommt in Tim Burtons "Dark Shadows" mit zweihundertjähriger Verspätung in der Gegenwart der 1970er-Jahre an.

Dass sich US-Regisseur Tim Burton einmal dem Vampirmythos widmet, war nur eine Frage der Zeit - In der Komödie "Dark Shadows" vermag Johnny Depp der Figur jedoch nur wenig Leben einzuhauchen

Wien - Am nächtlichen Lagerfeuer finden Hippies und Vampir zueinander. Man schreibt das Jahr 1972 und ist sich einig, dass der Krieg in Vietnam deshalb der letzte sein muss, weil er an Grausamkeit nicht mehr überboten werden kann. Fast wähnt man die Aussteiger und den Außenseiter als Seelenverwandte, doch während die Hippies sich in eine bessere Zukunft kiffen, erweist sich der Vampir als radikaler Realist, für den nur die Gegenwart zählt.

Dieses Kräfteverhältnis zwischen dem Fantastischen und dem Realen war schon immer ein zentrales Motiv in den Filmen von Tim Burton - von der frühen Horrorkomödie "Frankenweenie", die uns die Folgen einer Reanimation eines toten Hundes vorführte, bis zur gescholtenen Lewis-Carroll-Adaption "Alice in Wonderland", bei der von der Wirklichkeit nur die gehobene Gesellschaft Englands an der Erdoberfläche übrig blieb. Dass Burton mit "Dark Shadows" nun über viele Umwege beim Mythos des Vampirs angelangt ist, war also nur eine Frage der Zeit.

Wobei die Zeit, dem Vampirmotiv entsprechend, selbst Thema ist: In einer vorzüglichen Ouvertüre sieht man, wie im Jahr 1752 ein englischer Junge mit seinen Eltern in Amerika ein neues Leben beginnt. Handstreichartig inszeniert Burton die verhängnisvolle Urszene, in welcher der mittlerweile zum Mann herangereifte Stammhalter Barnabas die Liebe einer schönen Frau namens Angelique nicht erwidern kann - und von der bösen Hexe prompt mit einem Fluch belegt wird: Als Vampir muss er fast zweihundert Jahre auf seine Ausgrabung warten.

War das Erscheinungsbild Johnny Depps bereits als rotschöpfiger Hutmacher in "Alice" bizarr, so bietet die Figur des Blutsaugers nun Gelegenheit, dies noch zu übertreffen. Überraschend erweisen sich die in die Stirn geklebten Strähnen, die schwarzen Augenränder und der rote Kussmund für "Dark Shadows" jedoch als erstes Handicap. Denn in Kombination mit Depps harmlosem Spiel wird dem Vampir alles notwendig Libidinöse entzogen, funktioniert er weder als Melancholiker noch als Monstrum. Einen asexuelleren Blutsauger als diesen hat man im Kino nicht gesehen. Beim Gedanken an Gary Oldman in Coppolas "Dracula" müsste Depp unter der weißen Schminke erblassen.

So bleibt der Kampf, den Barnabas auch in der Gegenwart gegen die Hexe (Eva Green) zu führen hat, auf äußerliche Schlagabtausche reduziert. Während seine Nachkommen mit ihrem neuen, alten Familienmitglied wieder Wohlstand erlangen, setzt das verführerische Böse als moderne Geschäftsfrau die Fehde fort.

Schwächelndes Drehbuch

Als große Schwäche erweist sich vor allem das von Seth Graham-Smith verfasste Drehbuch, dem die TV-Serie aus den frühen 1990er-Jahren zugrunde liegt. "Dark Shadows" kommt über eine schablonenhafte Zeichnung der teilweise an die Addams Family erinnernden Familienmitglieder - von Michelle Pfeiffer als resolutes Oberhaupt bis zu Jackie Earle Haley als Hausmeister -, nicht hinaus. Das Aufeinanderprallen der Generationen generiert wenig Komik, mit Barnabas' altmodischem Blick die moderne Welt zu entdecken ist nur ein kurzfristiges Vergnügen.

Bereits seit geraumer Zeit hat Burton sich sein eigenes, hermetisch abgeriegeltes Universum errichtet, das sich selbst und seinem Publikum genügt. Ein solcher Mikrokosmos mag sich als Szenerie für ein Herrschaftshaus samt pittoreskem Küstenstädtchen anbieten, verhindert aber jene sozialkritische Durchlässigkeit, die Arbeiten wie "Beetlejuice" oder "Mars Attacks!" auszeichnete und die auch dem Subgenre des Vampirfilms inhärent ist. Aber wie meinte der Romantiker Novalis: "Hätten wir auch eine Fantastik, wie eine Logik, so wäre die Erfindungskunst erfunden." (Michael Pekler, DER STANDARD, 8.5.2012)

Ab Freitag

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Mal was anderes. Es nervt, wie Zombies sexualisiert werden.

7 von 10

ist recht unterhaltsam. was mir aber irgendwie gefehlt hat war der wortwitz. schauspielerischeleistung von johnny ist aber super. maske und das set sowieso.

warum drehen burton & depp alle paar jahre den selben film nochmal?

wenn Sie zwischen "edward mit den scheerenhänden" "ed wood" und "sleepy hollow", um nur ein paar zu nennen, keinen substantiellen unterschied erkennen müssen Sie blind und taub sein.

Glaub,

es lässt sich recht gut davon leben und so, zumindest für Depp, Burton, Bonham-Carter & Co.

Leben einhauen

In der Besprechung ist zu lesen, dass es Johnny Depp kaum gelungen ist, dem Vampir Leben einzuhauen. Was soll dieser unsinnige Satz? Es war ja gar nicht Tim Burtons bzw. Depps Absicht, überhaupt einem Vampir Leben einzuhauchen (!!!). Manchmal muss man sich fragen, ob die Filmkritiker nicht lieber einen anderen Beruf ergreifen soillten...

Offenbar sehen Filmkritiker nach Twilight und Co Vampire nicht mehr als untot an? :'D Ursprünglich waren Vampire und Zombies eigentlich das selbe. Dann kamen so schlaue Autoren daher und haben das irgendwie geändert. Aber mir ist die Definition doch lieber, dass Vampire ebenfalls untot sind. Von daher muss es eigentlich ein positiver Aspekt sein, dass Depp der Hauptfigur "kein Leben" einzuhauchen vermochte. - Welches Leben denn? :)

Ich verstehe nicht weswegen mein Posting

in welchem ich nur sagte daß Jonathan Frid der Darsteller des Barnabas in der Fernsehserie am 12. 4. verstarb, verschwand.
Ausserdem meinte ich daß er wohl attraktiver für Frauen gewesen sein könnte als der durch seine Schminke entstellte jetzige Darsteller.
Dessen Name ist wohl auch für das verschwundene Posting verantwortlich. Das ist wieder mal so ein Beispiel daß man einen Namen nicht schreiben kann weil ein Programm das nicht erkennen kann!

erfrischend untot

schad nur, dass keith richards nicht auch diesmal johnnys vater spielt. würde auch ohne visagistin herrlich in diese familie reinpassen.

und wenn schon johnny gezwungen ist, asexuell zu spielen, michelle & eva sind sicher sehr erfrischend untot.

wer braucht schlechte Vampirfilme ?

Im übertragenen Sinne durchstreifen doch tausende Vampire die Städte der Postmoderne. Manche auf der Suche nach Frischfleisch, andere nach Erlösung. Hach wie romantisch, hach wie abenteuerlich ! Also liebe Damen, runter von der Couch und Augen auf. Frei nach Tom Waits; a good vampire is hard to find ;)

kann der hr. burton vielleicht einmal einen film ohne j. depp drehen. das wird langsam langweilig.

Ein Asexueller Vampier !

Endlich ein Kontrast zu den übersexualisierten Biss- sicken Filmen :-)
Kombiniert mit dem morbiden Burton- Charme zumindest für mich ein "must see" !

urpsrünglich lief "dark shadows" von 1966-71... 91 gab's nur ein re-imagining.

tim burtons secret - the weaver fo shadowy fantasms

http://www.collegehumor.com/video/594... et-formula

ausserdem werden die bemalungen des depp schön langsam fad....

weniger ist mehr

bei dead man reichte tierblut auf beiden wangen und hatte wirkung. depps jüngere filme sind meterware,
keiner bereut dies mehr als ich, hoffe gilliam kann seinen
don quichote vollenden...

[...] sein eigenes, hermetisch abgeriegeltes Universum errichtet, das sich selbst und seinem Publikum genügt [...]
Liest sich fast nach Kritik an. Ich denke mir: Gut für Burton und sein Publikum.

Ich werde mir den Film sicher ansehen. Ich liiiiiiiiebe Johny Depp in allen Burton Filmen (und auch sonst)! :-)

genau. wer anderer als j. depp, t. burton und deren publikum wird deren werke auch nicht sehen wollen.

ich werd's mir ansehen, wer's nicht sehen will, soll nicht hingehen.

Naja, eine Chance kriegt der Tim Burton heuer ja noch mit am Vampirfilm.

Zwar "nur" als Produzent, aber immerhin:

http://www.youtube.com/watch?v=3lX-D_LyQQ0

Ich hab den Verdacht, der wird lustiger. ;-)

Wow, Abraham Lincoln

statt Abraham Van Helsing!!

das buch hat ja ganz gute kritiken.

sowas auf die art gibts übrigens auch mit sissy.

http://tinyurl.com/ce3f84e

lol, kommt vielversprechend rüber. Die Idee ist ja mal der Hammer :)

danke für den Link

"In der Komödie "Dark Shadows" vermag Johnny Depp der Figur jedoch nur wenig Leben einzuhauchen"

.
ich könnte mir vorstellen, "der figur leben einzuhauchen" war auch nicht die primäre intention - weder des regisseurs noch des schauspielers ;o)

ich kann mir gut vorstellen, dass nach den supersexy-vampiren, die die bildschirme der letzten zeit bevölkern, das gegenteil davon erfrischend auf mich wirkt...

sozialkritische Durchlässigkeit, die Arbeiten wie Beetlejuice oder Mars Attacks! auszeichnete

Was ein Schwachsinn, das waren Unterhaltungsfilme und sonst gar nichts.

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