Sex lohnt sich in "Krisensituation"

7. Mai 2012, 16:16
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Forscher wiesen anhand von Rädertierchen nach, dass unter veränderten Umweltbedingungen vermehrt in geschlechtliche Fortpflanzung investiert wird

So gut wie alle Organismen pflanzen sich sexuell fort. Evolutionsbiologisch lässt sich aber kaum erklären, warum das so ist, denn die geschlechtliche Fortpflanzung bringt gegenüber ungeschlechtlicher Fortpflanzung wie Klonen oder Teilung scheinbar keine Vorteile. Wissenschafter der Universität zu Köln und der University of Toronto konnten nun mithilfe von Rädertierchen eine bereits bestehende These bestätigen: Sie konnten nachweisen, dass das unter bestimmten Bedingungen doch der Fall ist. Denn wenn sich Lebewesen an veränderte Umweltbedingungen anpassen müssen, erhöht sich die geschlechtliche Fortpflanzung, denn es werden so Nachkommen produziert, die an die veränderten Bedingungen besonders gut angepasst sind.

Rädertierchen haben eine Besonderheit: Sie sind in der Lage, zwischen geschlechtlicher und ungeschlechtlicher Fortpflanzung zu wechseln. Dies tun sie offenbar häufiger, wenn sich ihre Umweltbedingungen ändern. Anhand einer veränderten Futtergabe konnten die Wissenschafter zeigen, dass eine Population unter veränderten Umweltbedingungen vermehrt in geschlechtliche Fortpflanzung investiert und durch das Mischen von Genen neue Genotypen produziert, die besonders gut an die Bedingungen angepasst sind. Unter gleichbleibenden Umweltbedingungen nimmt die Sexrate wieder ab und die ungeschlechtliche Fortpflanzung, bei der der Genpool der Mutter eins zu eins übertragen wird, nimmt wieder zu und produziert dann wieder die fittesten Nachkommen.

Damit ist eine der ältesten Hypothesen der Evolutionsbiologie bestätigt: Sex lohnt sich, weil auf diese Weise genetische Variationen erzeugt werden, die nötig sind, sobald sich Populationen an neue Umweltbedingungen anpassen müssen. (red, derstandard.at, 7.5.2012)

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