So bleibt das Parkett richtig nett

7. Mai 2012, 16:42
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Hier ein Kratzer, dort eine Delle: Holzfußböden "leben" mit uns mit und sollten deshalb regelmäßig und richtig gepflegt werden

Ein Holzboden muss viel aushalten, schließlich wirken allein schon feine und grobe Schmutzpartikel an den Schuhsohlen ähnlich wie Schmirgelpapier. Außerdem wird jede Schutzschicht - egal ob aus Lack, Öl oder Wachs - mit der Zeit immer "durchlässiger", so dass Feuchtigkeit, Schmutz und kleine Steinchen das Holz direkt belasten. Es gibt natürlich die Möglichkeit, das Parkett von Grund auf zu renovieren, was aber den Nachteil hat, dass beim Abschleifen "die natürliche Patina des Bodens weggenommen und die Nutzschicht reduziert wird", erklärt Thomas Reiner, Restaurator für historisch wertvolle Parkettböden.

Solch ein "invasiver" Eingriff kann bei der richtigen Reinigung und Pflege allerdings leicht vermieden werden. "Das ist wie bei Autos - wenn man sie entsprechend behandelt und pflegt, dann halten sie extrem lange", so die Überzeugung des Restaurators.

Weniger ist mehr

Der Handel bietet eine schier unüberschaubare Palette an Reinigungs- und Pflegemitteln. So scheint es auch nicht verwunderlich, dass laut Reiner die größten Fehler genau da passieren: "Sehr häufig liegt es einfach im Einsatz der falschen Mittel."

Polituren, Scheuermittel und Mikrofasertücher beeinträchtigen die Oberfläche des Bodens und können getrost weggelassen werden. "Im Prinzip reichen regelmäßiges Staubsaugen und feuchtes Wischen absolut aus", ist sich der Experte sicher.

Bei der Trockenreinigung kann eine ausrangierte Feinstrumpfhose über dem Schrubber für höhere Effizienz sorgen, da so der Staub zusätzlich magnetisch angezogen wird. Beim Saugen ist hingegen die Verwendung einer Parkettdüse beziehungsweise -bürste ratsam, um keine Kratzer im Lack oder Holz entstehen zu lassen.

Wasser, Wachs und sonst nichts

Auf die Trockenreinigung folgt üblicherweise der Einsatz von Wasser. Gewischt werden sollte allerdings nie nass, sondern immer nur "nebelfeucht", da ansonsten die Gefahr besteht, dass das Holz aufquillt. "Eine Nachbehandlung mit Wachs hat sich ebenfalls bewährt, denn so erhält das Parkett eine schöne Oberfläche", ergänzt Reiner.

Gegen die Verwendung von milden Holzbodenseifen hat der Experte zwar nichts einzuwenden, diese machen für ihn allerdings erst bei einem stärkeren Verschmutzungsgrad Sinn. Vorsicht ist hier bei versiegelten Böden geboten, da Lack eine andere Struktur bildet als Öl oder Wachs. "Selbst wenn sich der Schmutz in der Lackschicht befindet, liegt er an der Oberfläche. In diesem Fall muss einfach nur etwas fester gebürstet werden", meint der Experte.

Wer auch hier nicht auf Chemie verzichten will, dem bietet der Handel spezielle Lackseifen, die die Oberfläche nicht "stumpf" werden lassen und weitgehend schonend sind. Denn wie gesagt: Ein Holzboden muss auch so schon sehr viel aushalten.

Lack, Öl oder Wachs?

Die Wahl der Oberfläche ist im Prinzip Geschmackssache. "Früher wurden Holzböden nur gewachst", erläutert Reiner. Seiner Ansicht nach ist geöltes oder gewachstes Parkett auch für die gegenwärtigen Bedürfnisse am besten geeignet, "da solche Oberflächen jederzeit regeneriert und ausgebessert werden können". Lackierte Holzböden taugen hingegen schlecht oder gar nicht für eine "partielle Renovierung".

Schließlich bildet der Lack im Idealfall eine geschlossene, homogene Schutzschicht und sorgt so für ein ansprechendes optisches Erscheinungsbild. "Bei starken Beschädigungen müssen solche Böden vollständig abgeschliffen und neu lackiert werden", gibt der Restaurator zu bedenken.

Kampf gegen Dellen und Kratzer

"Bei Dellen und Kratzern im Holz passiert nichts anderes als dass die Zellstruktur gepresst wird. Ganz ausbessern lassen sich solche Schäden zwar nicht, aber die Erfolgsrate liegt sicher bei 80 Prozent", erklärt der Fachmann.

Kleinere Rillen können relativ problemlos mit Wachs ausgefüllt werden. Bei größeren Dellen und Kratzern gestaltet sich die Sache etwas aufwändiger. In solchen Fällen empfiehlt der Experte Löschpapier und Bügeleisen zur Hand zu nehmen. "Zuerst sollte ein wenig Wasser auf die Delle gegeben und anschließend mit Löschpapier und Bügeleisen abgedämpft werden. So zieht das Wasser in die Zellstruktur des Holzes, das auf diese Weise wieder etwas auseinander geht", verrät Reiner und ergänzt: "Wer sich für einen Holzboden entscheidet, benötigt aber letztendlich auch eine gewisse Kulanz gegenüber kleinen Kratzern und Dellen". Schließlich gehören kleine Narben zum Leben - auch zu dem eines Holzfußbodens. (Günther Brandstetter, derStandard.at, 7.5.2012)

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    Nie nass wischen, sondern immer nur "nebelfeucht" - sonst quillt das Holz auf.

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