Alpine kehrt Ostteuropa langsam den Rücken

7. Mai 2012, 14:20
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Der Baukonzern will sich künftig auf die Kernmärkte Österreich, Deutschland, Tschechien und Slowakei konzentrieren

Wien - Der in Salzburg beheimatete Baukonzern Alpine, der mittlerweile zu 100 Prozent zur spanischen FCC-Gruppe gehört, hat 2011 einen Gewinneinbruch erlitten und will sich nun stufenweise aus einzelnen Märkten in Ost- und Südosteuropa zurückziehen. Inwieweit sich das auf den Personalstand auswirkt, wird "derzeit evaluiert und in den kommenden Monaten entschieden", sagte der neue CEO und ehemalige Porr-Vorstand, Johannes Dotter, am Montag in einer Pressekonferenz. Die Alpine Holding GmbH will sich künftig auf die Kernmärkte Österreich, Deutschland, Tschechien und Slowakei konzentrieren. Dort sind über 80 Prozent der Mitarbeiter beschäftigt.

In Griechenland und Albanien ist der Baukonzern dabei, "Projekte abzuarbeiten". Für ein weiteres Engagement fehle in diesen Ländern die realistische Perspektive auf eine nachhaltige Marktbearbeitung. In Bulgarien wickelt das Unternehmen ein Straßenbauprojekt ab, das noch zwei Jahre läuft. Die weitere Entwicklung des Umfeldes wird genau beobachtet. In Ungarn ist die Alpine den Angaben zufolge "fast nicht tätig".

Selektives Vorgehen

"Wir werden im CEE- und SEE-Bereich sehr selektiv vorgehen", kündigte Dotter an. Chancen für die Alpine sieht er in Mittel- und Osteuropa im Ausbau der Transeuropäischen Verkehrsnetze, die von der EU kofinanziert werden.

Sein Know-how für Großprojekte will der Baukonzern weiterhin weltweit anbieten, verwies Dotter auf Exportprodukte wie etwa die EM-Stadien in Polen, die U-Bahn in Singapur, das Wasserkraftwerk in Bulgarien und die "Baku Crystal Hall" für den Eurovision Song Contest in Aserbaidschan. "Im internationalen Bereich geht die Alpine dorthin, wo es die Risikobewertung zulässt."

In Zukunft will die Alpine Holding GmbH vor allem im Energiebereich punkten. "In der Verbindung von Bau und Energie sind wir sicher einen großen Schritt voraus - das ist ein Thema, auf das wir uns konzentrieren sollten", betonte Dotter. Die Konzernstrukturen werden gestrafft. In Österreich sind vorerst keine weiteren Jobs gefährdet.

Infolge des massiven Wachstums in der Vergangenheit müsse die Alpine ihre Strukturen nun "schlank und effizient" machen. Dotter geht "jetzt einmal davon aus, dass in den Kernmärkten kein Mitarbeiterabbau notwendig ist". Der Personalstand sank hierzulande bereits im Vorjahr von rund 7.670 auf 7.500 Arbeitnehmer - weltweit stieg er von 15.057 auf 15.294. Die gesamte Bauleistung der Alpine erhöhte sich im abgelaufenen Geschäftsjahr auf ihren bisherigen Höchstwert von 3,62 Mrd. Euro (2010: 3,20 Mrd. Euro). In Österreich erzielt die Alpine fast die Hälfte ihrer Bauleistung (2011: 1,55 Mrd. Euro).

Im abgelaufenen Geschäftsjahr sank bei der Alpine das Ergebnis nach Steuern gegenüber dem Jahr davor von 17,2 auf 10,4 Mio. Euro. Der operative Gewinn (EBIT) ging nur leicht von 47,9 auf 47,9 Mio. Euro zurück. (APA, 7.5.2012)

  • Sein Know-how für Großprojekte will der Baukonzern Alpine weiterhin weltweit anbieten.
    foto: alpine

    Sein Know-how für Großprojekte will der Baukonzern Alpine weiterhin weltweit anbieten.

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