Modelle für die Vermarktung von Online-Plattformen fehlen

7. Mai 2012, 14:22
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Verleger lehnen beim "European Newspaper Congress" Paywalls ab und setzen auf vernünftige App-Preise

Seit Jahren sucht die Medienbranche nach Best-Practice-Modellen, wie im Netz mit Zeitungsinhalten Geld zu verdienen ist - gefunden wurden sie aber noch nicht, ist George Nimeh, Leiter des Online-"Kuriers" überzeugt: "Es gibt eine Menge Erfahrung, aber noch nicht das optimale Modell", so Nimeh bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen des European Newspaper Congress in Wien. Florian Bauer von der Vocatus Marktforschung rief die Verlage dazu auf, sich bei der Etablierung von Zahlmodellen im Internet stärker als bisher am Kunden zu orientieren und nicht so sehr in Reichweite zu denken.

Wenn die Verlage wollen, dass Leser für Inhalte im Internet bezahlen, dann ist es ihre erste Pflicht, den Lesern zu erklären, wofür sie zahlen. "Man muss die Produkt- und Qualitätsunterschiede erklären, damit eine Wertschätzung entstehen kann", so Bauer. Beim E-Publishing gebe es bisher noch keine fest gefügten Gewohnheiten, wie bei Print - auch keine Kauf-, Bezahl- oder Nutzungsgewohnheiten. Um eine Preisbereitschaft zu entwickeln, komme den Verlagen eine aktivere Rolle zu, als sie vielleicht vermuten, glaubt Bauer.

Zum Desaster werde E-Publishing, wenn der Verlag versucht, Print-Gewohnheiten auf die App zu übertragen und nach dem Motto "Reichweite only" zu denken. Um Reichweite zu erzielen, würden Verlage Inhalte oft gratis oder fast gratis hergeben, das sei insofern falsch, als dann keine Wertschätzung für das Produkt entstehen kann und es voraussichtlich auf dem App-Friedhof landet, wodurch wiederum kein Anzeigengeschäft möglich ist. Auch Nimeh ist überzeugt davon, dass der "vernünftige Preis" für die App für den Erfolg ausschlaggebend sei.

Dass man kurzfristig alle Zeitungsinhalte im Netz mit einer Paywall kostenpflichtig anbieten wird, halten Zeitungsmacher für unrealistisch. "Alle Paywall-Modelle funktionieren eigentlich nicht. Im freien Netz Content komplett abschließen zu wollen, halte ich für unmöglich", sagte Johannes Vogel, Leiter der "Süddeutsche Zeitung" Digitale Medien. Auch Peter Wälty, Chefredakteur vom "tageszeiger.ch", glaubt, solange es große, seriöse Presseangebote wie die "FAZ", "Spiegel" etc. kostenlos im Netz gibt, brauche man gar nicht darüber nachdenken, selbst eine Paywall aufzuziehen.

Grundsätzlich gelte es, im Kleinen zu experimentieren, wie im Netz Geld verdient werden kann und nicht auf die große Lösung aller Probleme zu hoffen, meinte Jochen Wegner, Berater für digitale Strategien. Modelle entwickeln müsse man vor allem auch für die Vermarktung der Online-Plattformen, waren sich die Diskutanten einig. (APA, red, 7.5.2012)

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