Urteil bei gefolterter Frau: "Zu milde"

7. Mai 2012, 10:45
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Frauenrechtsorganisation hält zehn Jahre Haft für zu wenig und will Opfer helfen, Rechtsmittel gegen Schiedsspruch einzulegen

Kabul - Die Misshandlung der 15 Jahre alten Sahar Gul gilt als einer der schlimmsten Fälle von Gewalt gegen Frauen in Afghanistan. Ein Gericht hat drei der TäterInnen, die Schwiegereltern und Schwägerin des Mädchens, zu jeweils zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Wie ein Gerichtssprecher am Samstag der Nachrichtenagentur AFP sagte, erging das Urteil bereits am Dienstag.

Die zwangsverheiratete Sahar Gul war im Dezember mit schwersten Verletzungen im Haus ihrer Schwiegereltern gefunden worden. Ihr Fall hatte in Afghanistan und weltweit für Entsetzen gesorgt, wie dieStandard.at berichtete.

Ehemann und Schwager weiter flüchtig

Die junge Frau hatte zusammen mit ihrem Ehemann im Haus seiner Eltern in der nordöstlichen Provinz Baghlan gelebt. Sie war nach eigenen Angaben vor allem von ihrer Schwiegermutter auf grausame Weise misshandelt worden, weil sie sich nicht zur Prostitution zwingen ließ. Die Frau sperrte sie ein halbes Jahr lang in der Toilette ein, fügte ihr Verbrennungen mit Zigaretten zu, riss ihr die Fingernägel aus und ließ sie hungern. Guls Ehemann und ihr Schwager, die ebenfalls an der monatelangen Misshandlung beteiligt gewesen sein sollen, sind flüchtig.

Urteil zu milde

Die Organisation Frauen für afghanische Frauen kritisierte das Urteil als zu milde. "Wie kann jemand, der ein Mädchen fast zu Tode gefoltert hat, nur zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt werden", sagte die Aktivistin Huma Safi. Sie will Gul nun dabei helfen, Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen. Bei der Gerichtsverhandlung habe die 15-Jährige zunächst "Angst gehabt und gezittert", als sie ihre Verwandten gesehen habe, berichtete Safi. Später habe sie sich aber beruhigt und "die Todesstrafe für ihre Schwiegereltern gefordert". (APA, 7.5.2012)

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    Als Symbol für den Kampf gegen Gewalt an Frauen wurde am Internationalen Frauentag in Kabul das erste Internetcafé für Frauen eröffnet. Es trägt den Namen von Sahar Gul.

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