Die letzte Warnwesten-Ausfahrt

  • Initiator und Organisator Ernstl Graft auf dem Toy-Run-Mobil .
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    Initiator und Organisator Ernstl Graft auf dem Toy-Run-Mobil .

  • Ernstl mit den Spenden der Bikerinnen und Biker.
Information:Die 20. Toy-Run, "The final ride", startet am 17.
 Juni bei der SCS. Die Motorradfahrer treffen sich ab 6.00 Uhr am 
Parkplatz und starten um 9.00 Uhr in Richtung des Kinderheimes "Beim 
Aquädukt".Toyrun
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    Ernstl mit den Spenden der Bikerinnen und Biker.

    Information:
    Die 20. Toy-Run, "The final ride", startet am 17. Juni bei der SCS. Die Motorradfahrer treffen sich ab 6.00 Uhr am Parkplatz und starten um 9.00 Uhr in Richtung des Kinderheimes "Beim Aquädukt".
    Toyrun

Nach zwanzig Jahren fahren die Benefiz-Biker im Juni ihre letzte Toy-Run, um Kinder noch einmal zu unterstützen

"Kannst du mir ein bisserl Werbung für die Toy-Run machen?", fragt Peter Kreisler via Mail an. "Sie findet heuer zum letzten Mal statt." Nein, Werbung mache ich keine. Aber ich erinnere gerne alle Biker daran, die andenken mitfahren zu wollen.

Die Toy-Run rief Ernstl Graft ins Leben. "Die Toy-Run ist eine gemeinsame Ausfahrt von Motorradfahrer/innen aller Marken, in deren Verlauf ein Kinderheim besucht wird, den Kindern ein paar schöne Stunden vermittelt und die Kinder beschenkt werden", heißt es laut Definition. Was die Toy-Run sicher nicht ist, ist eine flotte Motorrad-Ausfahrt. Nirgendwo ist die Warnwesten-Dichte so hoch wie hier, nirgendwo ist das Durchschnittstempo so gering wie hier. Und trotzdem wuchs die Toy-Run-Gemeinde von anfänglich nicht einmal 200 Teilnehmern auf weit über 2.000 Teilnehmer an.

Am 17. Juni starten die Biker für Kinder um 9:00 Uhr am SCS Parkplatz zum "final ride". Plüschtiere schmücken die Motorräder, über 100 Warnwesten-Träger sorgen für den reibungslosen Ablauf und pro mitfahrendem Motorrad kommen 10 Euro in den Spendentopf. 758.812,39 Euro haben die Toy-Runner bis heute für 970 Kinder und Jugendliche gesammelt und gespendet.

Die Spenden werden einem Kinderheim übergeben, das sich dazu verpflichtet, "dass der gesamte Betrag ausschließlich den Kindern zugutekommt. Die Ausgaben aus dem Spendengeld müssen mit Rechnungen belegt werden, und es darf kein Geld für die Heimerhaltung verwendet werden. Zudem verpflichten sich die Mitarbeiter des Heimes dazu, alle Vorarbeiten und die Veranstaltung in ihrer Freizeit zu erledigen."

Doch nun hat Ernstl Graft, der Stempelmacher, der stets sein Leder-Gillet trägt, genug. "Irgendwann ist jedes Event ausgelutscht", erklärt er, der nur Ernstl genannt werden möchte, unlängst in einem Interview der NÖN. "Ich glaube, es ist Mode geworden, Charity zu machen. Da geht es den Leuten nicht um die Sache, sondern um die Selbstinszenierung."

Für sein Engagement erhielt der Ernstl Ende April den "Helfer Wiens Preis". Eine Metapher dafür, dass der stete Tropfen den Stein höhlt. Und das passt auch wieder irgendwie gut zum Ernstl. Der kann nämlich bisweilen schon fast lästig werden, wenn es ums Durchsetzen dessen geht, was er sich mit der Toy-Run in den Kopf gesetzt hat. Offen gesagt hat das vor dem Benefiz-Hintergrund natürlich nie jemand, und genauso viele schafften es am Ende, ihm eine Bitte abzuschlagen.

Er hat es nicht nur geschafft, für Heim-Kinder Gutes zu tun. Es war wohl auch sein Verdienst, dass sich das Bild der "Biker" gewandelt hat. Er führte Chopper und Supersportler zusammen, um für ein gemeinsames Ziel zu kämpfen. Ernstl führte die Menschen nicht nur zusammen, er war auch der Chef eines bunt zusammengewürfelten und dadurch bisweilen ein wenig entropischen Haufens.

Darum wird es auch schwer sein, dass sich aus den Gelbjacken ein Nachfolger herauskristallisiert, der Ernstls Werk fortsetzt, sein Netzwerk weiterbedient und die Stoßrichtung vorgibt. Aber hoffen wird man ja noch dürfen.

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