Open-Air-Trinken, Adé

Leserkommentar | Roman Müller-Balač, 10. Mai 2012, 09:13

Über den Unsinn von Verboten am Beispiel des "öffentlich-rechtlichen Trinkens"

Ursula Stenzel, die sich als Bezirkschefin der Wiener Innenstadt auf ihren Wahlplakaten "wie eine Löwin kämpfend" präsentierte, zieht nun gegen Alkoholkonsumenten auf der freien Wildbahn innerhalb ihres Zuständigkeitsbereiches zu Felde (derStandard.at hat berichtet). Wer also in Zukunft zum Trinken nicht das schützende Dach eines konzessionierten gastronomischen Betriebes aufsucht, soll - laut Stenzels Wunsch und Wille - erfahren, wie gefährlich es ist, die Löwin zu wecken.

Schnitzelsemmel zukünftig ohne Bier

Vorbei sind die Zeiten, in denen man an heißen Sommertagen sorglos mit einer kühlen Bierdose in der Hand die freie Natur oder das Sternenzelt über sich suchte. Freilich sollte man danach die Bierdose ordnungsgemäß entsorgen und nicht ebenso sorglos, wie man getrunken, die Dose liegen lassen. Das hat aber nicht unbedingt mit dem Open-Air-Trinken selbst zu tun, sondern wäre nur erziehungspolitisches Beiwerk und fällt in der Frage des geplanten Konsum-Verbotes als entkräftetes Argument beiseite. Und viel mehr andere Argumente konnte Frau Stenzel leider nicht ins Feld führen, als dass "Alkoholiker ihren Dreck liegen lassen dürfen", während man Hundebesitzer aus den städtischen Parks grausam in die Verbannung schicke. So als ob Frau Stenzel vollkommen ohnmächtig dem Schicksal jener Hundebesitzer gegenüberstünde.

Darf ich meine Schnitzelsemmel im öffentlichen Raume verspeisen, so ist es mein gutes Recht, dieselbe auch mit einem Schlucke Bier herunterzuspülen.

Die Komasaufenden von der Bildfläche verbannen

Von der "Unversehrtheit" Jugendlicher war ebenfalls die Rede. Dabei liefe es bei dem Konsumverbot aber nur darauf hinaus, die jugendlichen Trinker von der Straße und damit nur aus dem Gesichtsfeld zu verbannen, auf dass die Öffentlichkeit ihnen beim Komasaufen nicht länger zusehen muss. Es sind ja schon die knutschenden Verliebten auf den Parkbänken genug sittenwidriges Ärgernis, und erst recht, wenn dieselben dabei zur Flasche greifen.

Natürlich ist es wahr, dass sich heutzutage ungleich mehr Menschen zum Alkoholkonsum auf offener Straße oder in einem lauschigen Park versammeln als noch vor zehn Jahren. Aber freiwillig tun sie das gewiss nicht, sondern diese Entwicklung hat nur eine schlichte wie ergreifende Ursache, nämlich dass heute ungleich mehr Menschen als vor zehn Jahren das nötige Kleingeld zum Lokalbesuch fehlt. Daran kann man die rasante und tsunamiähnliche Teuerungswelle ablesen, welche unsere Stadt unterdessen heimgesucht hat und zum Bleiben entschlossen ist.

Daran haben weder Frau Stenzel Schuld noch die Straßenkonsumenten, es ist eine Zeiterscheinung.

Verbote machen das Verbotene noch reizvoller

Wird der Konsum einmal generell verboten, hätte dieses Verbot keinerlei Auswirkungen auf das Konsumverhalten der Jugendlichen, vielmehr würden "verschwörerische" Trinkertreffs in privaten Räumlichkeiten entstehen, wo erst recht die Sau herausgelassen und die Probleme auch nicht kleiner würden, sondern eher noch brisanter.

Denn jedes Verbot würde wieder nur das Verbotene reizvoller erscheinen lassen, diese Problematik ist ja auch beim Drogenkonsum zu beobachten.

Möge die Löwin in ihrer Innenstadt-Höhle nur knurren. Von friedlichen Trinkern wird die Lebensqualität der urbanen Zone nicht eingeschränkt, und Randalierer sollte man zur Verantwortung ziehen, ganz egal an welchen öffentlichen Orten sie vorher getrunken haben oder nicht. Sehr zum Wohle, Frau Stenzel! (Roman Müller-Balač, derStandard.at, 10.5.2012)

Autor

Roman Müller-Balač, geb. 1967 in Wien, lebt seit 1997 als freier Schriftsteller in Chile.

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nur keine Alkoholverbote !

denn einem österreichischen privaten Fernsehsender, der besonders auf Paparazziinformationen, Baumeistersensationen und besoffene Jugendevents angewiesen ist, ginge ja dann der Stoff aus. Daß sich dieser Sender über diese Jugendlichen lustig macht, merken diese leider nicht. Die Moral von der Geschichte: nur besoffen ist's lustig.

Traurig ist, dass nur noch Alkoholpreise und Rauchverbote die (jungen) Menschen auf die Straße treiben, nicht aber die Politik.

Wie wärs mit einem...

Alkoholverbot für PolitikerInnen - drinnen und draußen? Dann kann man über andere Dinge reden. Vorher nicht.

Ich finde das ja etwas seltsam: Die Standard-Meute schreit empört auf wenn das Trinken von Alkohol in der Öffentlichkeit verboten werden soll. Schnell wird die individuelle Freiheit als Argument bemüht und darauf hingewiesen, dass solche Verbote ohnehin nichts bringen.
Wenn aber der Rauchen in der Öffentlichkeit verboten wird, dann bricht dieselbe Meute in Jubel aus. Freiheit und Sinnlosigkeit des Verbots spielen dann plötzlich keine Rolle mehr.

typisch standard redaktion

Wer rauchen

und trinken vergleicht, hat nichts verstanden.

Schon mal probiert passiv betrunken zu werden?

Ja.....schnorren ist aber anstrengend....wenn man viel verträgt....

"lebt seit 1997 als freier Schriftsteller in Chile"

Da schreibt halt ein betroffener ..

mozart hat ein wunderschönes Lied für unsere liebsten Politiker geschrieben!

http://www.youtube.com/watch?fea... w-ZfbDSQ#!

vielen dank, ausgezeichneter kommentar!

"Adé"

Ist das der Deppenakut? Etwas für Leute, denen der Deppenapostroph zu proletenhaft ist, die aber doch gern den frankophilen Deppen heraushängen lassen wollen?

Kulturfrage

Gegen die Wurstsemmel mit Bier und gepflegte Unterhaltung richtet sich's sicher nicht, aber wenn man Zeuge diverser Saufgelage (tags und nachts) und der hinterlassenen Müllhaufen wird, versteht man schon, dass diese "Kultur" als störend empfunden werden kann. Auch iZm der Lärmentwicklung als Anrainer!
In dem Zusammenhang die monetäre Ausstattung vorzuschieben, ist billig! Der Autor negiert die Unkultur, dass -manche-Jugendliche scheinbar kampftrinken als besondere Leistung betrachten. Gab's zwar früher auch, war aber in halbwegs intelligenten Kreisen nicht so akzeptiert!

Früher???

Diejenigen 68er, welche sich noch ans legendäre Archi-Gschnas in Graz erinnern können belächeln das sogenannte Koma-Saufen der Kids heute! Der Unterschied war nur die Frequenz, nicht jedes Wochenende, die Mistkübel und Autorückspiegel blieben heil.....

war auch 78 noch der hammer...

und im stadtpark am burggraben haben wir öffentlich getrunken UND geraucht...

schöner rückblick auf meine verbrecherlaufbahn, danke für die erinnerung!

Damals war Graz relevant, heute ist es irrelevant.

Dann trink ich halt zu Hause? Nur weil man etwas unsichtbar macht heißt das nicht, dass es nicht da ist. Und "jugendliche Kampftrinker" braucht man im Ersten wohl kaum fürchten..

das ist unsinn.

zumindest in graz sind die chemikerfestln legendär, was das betrifft.

völliger unsinn...

1. waren früher die intelligenten kreise viel kleiner, heute studieren deutlich mehr, vor allem frauen!

2. die wissensabfrage auf den schulen ist stätig gestiegen, sie können also davon ausgehen, dass die schüler heute deutlich mehr wissen als früher...alleine was an IT wissen heute standard ist...dafür lernt ein 50 jähriger 30 jahre und kanns noch immer nicht...

ach ja und es so darzustellen als gäbe es mehr jugendliche alkis als 50 jährige baustellen/prolo alkis, das halte ich für ein gerücht...

also ihre generation ist sicher bewsoffener als die heutige, alleine weil die heutige ein viel breiteres drogenspektrum hat.

aber das sind alles dinge die sie ausblenden, damit sie ihre "früher war alles besser" leier bringen können ,)

sehe das nicht so, dass das der autor negiert - es ist nur nicht thema des verbots. weil: die unkultur des kampftrinkens wird durch verlagerung in die eigenen vier wände auch nicht gebremst (im gegenteil, gerade fernsehen mit sauf-vorbildfunktion - ATVs saturday night life - macht das vor).

und müll machen auch nichttrinker, hundebesitzer, raucher,... darum kann mittlerweile schon das wergwerfens eines zigarettenstummels bestraft werden. sprich: gegen den müll gibt's bereits eine handhabe.

und der "unversehrtheit" der jugendlichen wär mit einem generellen alkoholverbot auch mehr gedient.

stenzl geht's um öffentlichen schein - sie mag wohl keine hippies mehr im burggarten und niemanden, der sich sein trankl nicht im lokal leisten kann.

ist schon lustig, dass man dafür 3 mal rot kriegt, aber von den strichlern offenbar keiner argumente für eine gegenantwort findet! fühlt ihr euch so betroffen?

bitteschön, das vierte.
du spiesser!

tolles argument, entspricht exakt dem, was ich meinte, prost

...und sie meinen ihre Geschichtsverfälschung durch Leugnung der Akzeptanz des Komatrinkens in der Vergangenheit sei ein Argument?

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