Stromknappheit in Japan weniger schlimm als befürchtet

6. Mai 2012, 20:08
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Regierung bereitet sich auf kontrollierte Stromabschaltungen und Verbrauchsbeschränkungen vor

Tokio - Trotz der dramatischen Auswirkungen des GAUs von Fukushima ist die Stromknappheit in Japan weniger schlimm als befürchtet. Experten führen dies auf den Erfolg einer Kampagne zum Energiesparen, auf gezielte zeitweise Stromabschaltungen und eine geringere Industrieproduktion zurück.

Eine besondere Bedeutung erhalten nach dem GAU Gaskraftwerke. Japan, ohnehin schon der weltweit größte Importeur von Flüssigerdgas (LNG), verzeichnete in 2011 Rekordeinfuhren - was dazu beitrug, dass das Land erstmals seit 30 Jahren ein Handelsbilanzdefizit hatte.

Klimaziele 2020 ohne Atomstrom

Die erhöhten Rohstoffeinfuhren verursachen den Betreiberkonzernen gewaltige Zusatzkosten, wodurch fast alle in die roten Zahlen rutschten. Kritiker des erzwungenen Atomstromausfalls weisen auch auf den drohenden CO2-Anstieg in Folge der verstärkten Verbrennung von Öl, Gas und Kohle hin.

Doch Umweltschützer halten dagegen: Japan könne seine Klimaschutzziele bis 2020 auch ohne Atomstrom erreichen, und zwar durch den zügigen Ausbau der erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und intelligente Netze.

Vertrauen in Nuklearenergie erschüttert

Einiges deutet darauf hin, dass es nach der Fukushima-Krise ein "weiter so" nicht mehr geben wird. Allerdings sollte nach Einschätzung von Beobachtern die Macht der Atomlobby und auch die Interessenverwicklung zwischen Wirtschaft, Politik und Medien nicht unterschätzt werden. Kritiker beklagen, dass gut ein Jahr nach dem GAU in Fukushima vielerorts weiter Strom verschwendet wird wie eh und je.

Andererseits hat die Katastrophe von Fukushima das jahrzehntelange Vertrauen der Bürger in die Sicherheit der AKW schwer erschüttert. In Umfragen spricht sich die Mehrheit der Bevölkerung jetzt gegen ein Wiederanfahren der Atomkraftwerke aus. Die Regierung hat sich bisher vergeblich darum bemüht, zwei Reaktoren im AKW Oi in der Provinz Fukui nach bestandenem Stresstest wieder hochzufahren.

Klimaanlagen als Belastung

In den schwülheißen Sommermonaten laufen vor allem die Klimaanlagen im ganzen Land auf Hochtouren. Die Regierung bereitet sich daher schon auf kontrollierte Stromabschaltungen und Verbrauchsbeschränkungen vor, während Industriekonzerne wie Komatsu und Toray eigene Generatoren aufstellen, um die absehbare Versorgungslücke zu schließen. Wann und ob die Atomreaktoren wieder angefahren werden, ist noch völlig unklar.

Bis zum GAU in Fukushima deckten die Anlagen rund 30 Prozent des Strombedarfs ab. Sie werden in Japan alle 13 Monate für eine Wartung heruntergefahren. Ans Netz kommen die Reaktoren erst wieder, wenn die lokalen Regierungen zugestimmt haben. Seit dem GAU in Fukushima ist dies jedoch wegen der inzwischen beträchtlichen Sorgen der Bevölkerung über die Sicherheit der Atomkraftwerke nicht mehr geschehen.

Die Regierung arbeitet nun daran, ein neues Energiekonzept zu erarbeiten. In den Blick rückt die dezentrale Energiegewinnung durch erneuerbare Energieträger wie Sonne, Wind, Wasser oder Biogas. (APA, 6.5.2012)

  • Im Fluss Sumida in der Innenstadt von Tokio wurden anlässlich des Hotaru Festivals 100.000 LED-Lichter im Wasser platziert.
    foto: epa/tomoyuki kaya

    Im Fluss Sumida in der Innenstadt von Tokio wurden anlässlich des Hotaru Festivals 100.000 LED-Lichter im Wasser platziert.

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