Nur die Liebe zählt

6. Mai 2012, 19:46
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Hier gibt es keine Brüller, nur feingezeichnete Figuren von unaufdringlicher Skurrilität

"Nee, das muss ich nich' mehr haben, das brauch ich alles nich' mehr", murmelt Herbert Krugschenk (Armin Rohde), gerade aus der Arbeit gekommen. Angetraute Marta (Gisela Schneeberger), steht in der Küche. Es gibt Kuchen, Sohn Sigi (Detlev Buck) ist auf Besuch.

Die Krugschenks sind eine intakte Mittelschichtsfamilie. Wie Der Heiratsschwindler und seine Frau zeigt, lässt sich das jedoch problemlos mit krimineller Lebensführung vereinbaren. Papa Herbert: professioneller Heiratsschwindler. Sohn Sigi: gewohnheitsmäßiger Räuber. Vom Knast-Portier verabschiedet er sich mit "Bis dann".

Kino- und TV-Regisseur Manfred Stelzer gilt als Mann fürs Alltägliche. Auch in diesem ZDF-Fernsehfilm verzichtet er auf Effekthascherei oder große Dramen. Hier gibt es keine Brüller, nur feingezeichnete Figuren von unaufdringlicher Skurrilität, die einen leise schmunzeln lassen. Armin Rohdes Heiratsschwindler ist kein glamouröser Dandy-Betrüger, sondern ein älterer Herr mit Bauchansatz, der seine "Kundschaft" auf Beerdigungen angelt. Als Managerin fungiert Ehefrau Marta: "Nimm das rosa Hemd, du musst heute Zuversicht ausstrahlen!" Eifersucht ist kein Thema: "Da geht keine Gefahr aus von dieser Frau. (Pause) Sexuell", lautet Krugschenks Abschied, bevor er mit fremden Frauen zum Italiener und in die Oper geht.

Worum es dem Film am Ende geht, zeigt eine der besten Szenen: Parade-Schnösel Sky du Mont, ein Mann mit Fähigkeit zur Selbstironie, klagt als Krugschenks Kollege waidwund, wie einsam er wäre, wie sehr er den Kollegen um seine Familie beneide. Ob kriminell oder nicht, Job frisst manchmal Privatleben. Dabei zählt doch nur die Liebe. ZDF, 20.15. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 7.5.2012)

  • Armin Rohde.
    foto: zdf

    Armin Rohde.

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