Tropisches Klimaarchiv zeigt überraschende Konstanz

7. Mai 2012, 12:05
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Forscher untersuchten Stalagmiten aus Höhlen von Borneo

Zürich - Ein internationales Forscherteam unter der Führung der ETH Zürich hat erstmals Niederschlagsdaten aus den Tropen ermittelt, die bis zu 570.000 Jahre zurückreichen. Die Wissenschafter untersuchten dabei Stalagmiten aus Höhlen auf der Insel Borneo - es sollen die bislang ältesten auf diese Weise gewonnenen Klimadaten sein. Diese Tropfstein-Formationen eignen sich deshalb als "Klimaarchive", weil sie über lange Zeiträume chemische Veränderungen im Tropfwasser festhielten.

Bisher stammten Klimadaten für weit zurückliegende Zeiträume zum überwiegenden Teil aus dem Polargebiet. So lieferten beispielsweise Eisbohrkerne Informationen über die Zusammensetzung der Atmosphäre und die Temperatur der Antarktis. Und Meeressedimente zeigten, wie sich die globalen Landeismengen im Laufe der Jahrtausende verändert haben.

Was hingegen bisher fehlte, waren verlässliche Daten aus den Tropen - vor allem zur Veränderung des dortigen Niederschlages, wie die ETH ausführt. Und dies, obwohl insbesondere der West-Pazifik als Quelle von Feuchtigkeit und Wärme ein entscheidender Faktor im globalen Klimasystem sei.

Warmzeit ist nicht gleich Warmzeit

Die Daten aus den Tropen geben laut Nele Meckler vom Geologischen Institut der ETH Zürich Aufschluss über einen Zeitraum, in dem es eine spannende Klimaveränderung gegeben hatte, die sich über den ständigen Wechsel von Warm- und Kaltzeiten innerhalb des gegenwärtigen Eiszeitalters legte. Vor rund 430.000 Jahren habe es nämlich markante Veränderungen bei den Warmzeiten gegeben. Zuvor waren die Warmzeiten nur "lauwarm": Die Temperatur der Antarktis war kühler, es gab mehr Eis an Land und die CO2- Konzentration in der Atmosphäre war niedriger. Die folgenden Warmzeiten waren wärmer und der CO2-Gehalt in der Atmosphäre höher.

Der Grund für diese Veränderung ist laut Meckler noch unbekannt. Die Forscher seien bisher davon ausgegangen, dass diese Veränderungen das Klima weltweit beeinflusst haben. Mit ihrer Studie konnten Meckler und ihr Forschungsteam nun aber zeigen, dass sich der Niederschlag in den zentralen Tropen in den Warmzeiten vor und nach dem Klimawandel nicht stark verändert hat. Für Meckler ist dies überraschend.

Einmal mehr ein komplexes Bild

Die kühleren warmzeitlichen Temperaturen in der Antarktis und der niedrigere CO2-Gehalt in der Atmosphäre schienen keinen großen Einfluss auf den Niederschlag im tropischen Westpazifik gehabt zu haben. Dieser sei während aller Warmzeiten der letzten 570.000 Jahre gleich hoch gewesen.

Meckler betont jedoch, dass der tropische Niederschlag durchaus von Veränderungen beeinflusst werde. So untersuchten die Forschenden auch die Übergänge von Eis- zu Warmzeiten. Die erhobenen Niederschlagsdaten gaben Hinweise darauf, dass sich schnelle und kurzfristige Klimaveränderungen in den nördlichen Breiten auch stark in den Tropen manifestierten.

Die Wissenschafter vermuten, dass es sich dabei um eine Reaktion auf Veränderungen der Ozeanzirkulation oder um verhältnismäßig schnelle polare Klimaveränderungen handelt. Mit Modellen müsse nun untersucht werden, wie und wann sich in den hohen Breitengraden gemessene Klimaveränderungen in den Tropen auswirkten. (APA/red, derStandard.at, 7.5.2012)

  • Ein Höhlenforscher bewundert die "Night 
Watchmen"-Stalagmiten in der Whiterock-Höhle im malaysischen Gunung Mulu
 Nationalpark auf Borneo.
    foto: robbie shone www.shonephotography.com

    Ein Höhlenforscher bewundert die "Night Watchmen"-Stalagmiten in der Whiterock-Höhle im malaysischen Gunung Mulu Nationalpark auf Borneo.

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