Angela Merkel und Francois Hollande - kein schlechtes Paar

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  • Merkel muss sich nach der Frankreichwahl an eine Zukunft mit einem neuen Ansprechpartner in Paris gewöhnen.
    foto: apa/epa/rehder

    Merkel muss sich nach der Frankreichwahl an eine Zukunft mit einem neuen Ansprechpartner in Paris gewöhnen.

Ein Wahlsieg von Francois Hollande, ein Machtwechsel mit Linksruck, käme der deutschen Kanzlerin Angela Merkel höchst ungelegen. So lauten seit Tagen im Prinzip übereinstimmend die Analysen deutscher Kommentatoren vor diesem Supersonntag.

Diese reflexhafte Angstverbreitung, die da dem ehemaligen französischen Sozialistenchef medial entgegengebracht wird, ist einigermaßen unbegründet. Mag schon sein, dass er in Frankreich Maßnahmen setzen würde, die Merkel als Christdemokratin gegen den Strich gehen. Aber auf europäischer Ebene, dort, wo die Nagelprobe im deutsch-französischen Verhältnis stattfindet, da sieht es doch ganz anders aus. Aus meiner Sicht: Merkel und Hollande werden schon in relativ kurzer Zeit ein viel besseres politisches Paar abgeben als die meisten bisher vermuteten.

Das hat zwei Gründe: Die beiden stehen sich von ihrer Persönlichkeit her wesentlich näher als Sarkozy das mit Merkel je tun konnte. Und Francois Hollande ist in Wahrheit ein viel überzeugterer "Europäer" als der Bonapartist Sarkozy das je war, wie sich jetzt im Finale des Wahlkampfes mit seinen unappetitlichen Avancen für die Rechtsextremen zeigte.

Was ist damit gemeint? Merkel, die promovierte Physikerin, und Hollande, der Ökonom und Absolvent der Elitehochschule ENA, sind beide keine Schaumschläger oder Showmacher. Sie sind solide Handwerker, beide dafür bekannt, Politik sehr rational zu betreiben, sich große Sachkenntnis anzueignen, bevor sie Entscheidungen treffen. So gesehen sind sie beide für den jeweils anderen natürlich auch gut berechenbar. Das zählt schon was. Und das ist keine schlechte Voraussetzung dafür, gemeinsam gewaltige Probleme zu lösen, die Europa als Gesamtes noch bevorstehen.

Mit Sarkozy hingegen hatte Merkel, auch wenn sie das unterdrückte, bis zuletzt ihre große Not: Der zappelige, machtgierige Präsident erwies sich stets auch als Unruhestifter, was Merkel so gar nicht mag. Hollande hingegen, wie die deutsche Kanzlerin auch eher der "langweilige Typ" in der modernen Medienwelt, ist ein Muster an Stetigkeit. In der Einschätzung, wer von den beiden Franzosen denn nun "günstiger" für die Kanzlerin sei, fehlte auch fast immer der außen- und sicherheitspolitische Drift, der die Partnerstaaten mit Sarkozys Amtsübernahme erfasste. Siehe den Militäreinsatz in Libyen. So eng, wie viele tun, waren Frankreich und Deutschland in den vergangenen Jahren nicht - gar nicht zu vergleichen etwa mit der Zeit von Helmut Kohl und Hans-Dietrich Genscher bzw. Francois Mitterrand und Jacques Chirac.

Sachpolitischer Gegencheck: Anders als Sarkozy ist Hollande ein ausgewiesener Europäer, einer, der auf starke Integration in der Union setzt, ein braver Schüler seines großen Vorbilds Jacques Delors. Um das zu unterstreichen, muss man sich auch die engste Umgebung von Hollande ansehen, seine engsten Vertrauten: Manuel Walls, den früheren Sprecher von Lionel Jospin, der seinen Wahlkampf leitete; oder Pierre Moscovici, seinen strategischen Kopf und früheren Europaminister unter Jospin. Und schließlich Jean-Marc Ayrault, engster Vertrauter Hollandes und SP-Fraktionschef in der Nationalversammlung, der unter Umständen Premierminister werden könnte: Der gelernte Deutschlehrer ist ein ausgewiesener Kenner und Freund Deutschlands. So wie der Europabeauftragte Merkels, Nikolaus Meyer-Landrut, nicht nur mit einer Französin verheiratet, sondern ein ausgezeichneter Frankreich-Kenner ist.

Daher komme ich zu einem ganz anderen Schluss als die meisten meiner Kollegen: Merkel und Hollande, die werden ganz rasch zusammenfinden, darin steckt viel Potenzial für eine Beschleunigung der Integration Europas - jenseits der Lösung der wirtschaftlichen Probleme, die so oder so kommen muss.

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