Gefährlicher Käse

Kolumne6. Mai 2012, 18:26
62 Postings

Trotz Skandalen in der industriellen Produktion steht die EU weiter dahinter

Der Skandal um den steirischen Listerien-Quargel (Prolactal) geht in die nächste Runde. Nach mehr als zwei Jahren gibt es seit vergangener Woche ein medizinisches Gutachten, wonach der Giftkäse "zumindest mitverantwortlich" für den Tod von sieben Menschen war.

Wie ein Produkt aus holländischer Milch, die in Deutschland zu Topfen wurde, sich in Hartberg ganz legal in "Steirischen Bauernquargel" verwandeln kann, galt bislang als Skurrilität am Rande. Dabei könnte es sich als Kern des Problems erweisen.

Während nämlich die EU drauf und dran ist, die Produktion von traditionellem Rohmilchkäse just aus hygienischen Gründen zu verbieten, finden die regelmäßig losbrechenden Käseskandale (zuletzt im Oktober in Tirol) aber in der industriellen Fabrikation statt, wo ausschließlich pasteurisierte - also angeblich hygienische - Milch verarbeitet wird.

Wir halten fest: Hier handwerkliche Arbeit nach Methoden, die über Jahrhunderte erprobt sind und aus einem fragilen Produkt dank großer Hingabe und Aufmerksamkeit eine Delikatesse reifen lassen. Da industrielle Produktion aus Milch unklaren Ursprungs, die mit allerhand Tricks (der offenkundig nicht immer sauberen Art) zu etwas wird, das im besten Fall entfernt an Käse erinnert - sich auf dem Etikett aber dennoch als "bäuerlich" bezeichnen darf. Und die EU will nur noch Letzteres erlauben. Das muss uns Sorgen machen. (Severin Corti, DER STANDARD, Printausgabe, 7.5.2011)

Share if you care.