Neuer Anlauf für ein Sparpaket

7. Mai 2012, 09:52
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Diese Woche wird über ein modi­fiziertes Sparpaket abgestimmt, der AUA-Betriebsrat wird es heute den Kollegen vorlegen

Wien - Die heutige Betriebsversammlung des AUA-Bordpersonals um neun Uhr im "Saal Europa" wird noch einmal spannend werden. Denn die Mitarbeiter wurden am Sonntag darüber informiert, dass der Betriebsrat ein neues Verhandlungspaket geschnürt habe. Wie der Standard erfuhr, soll das Ergebnis den Mitarbeitern heute, Montag, präsentiert werden.

Damit lebt die Chance einer Verhandlungslösung wieder auf. Nachdem diese nicht zustande gekommen war, hat die AUA ja den Betriebsübergang auf die für das Unternehmen kostengünstigere Regionalfluglinie Tyrolean eingeleitet. Um diese Maßnahme zu verhindern, ringen die Belegschaftsvertreter um Einsparungen, für die sie aber den Segen der Kollegen brauchen. Konkret geht es - je nach Kollektivvertrag - um eine Zustimmung von 50 bis 75 Prozent der Mitarbeiter. Offenbar steigt die Bereitschaft nun, einer Lösung zuzustimmen, zumal viele Mitarbeiter weiter bei der AUA fliegen wollen, wie es aus dem Unternehmen heißt.

Die nach dem alten Kollektivvertrag beschäftigten Piloten waren zuletzt bereit, bis auf 50 Prozent ihres Gehalts zu verzichten. Und das AUA-Management konnte mit dem Finanzministerium die Frage der Besteuerung der Abfertigungen klären. Fraglich ist, wie sich Wolfgang Hable verhalten wird. Der AUA-Pilot und Gewerkschafter gilt als Hardliner und soll sich intensiv gegen eine Verhandlungslösung stemmen.

Am Sonntagnachmittag erhielten die Mitarbeiter vom Betriebsrat folgende Information: "Wir haben ein modifiziertes Verhandlungspaket erstellt, das wir euch am Montag vorstellen werden. Wir werden den von euch favorisierten Weg im Rahmen der Betriebsversammlung umgehend mittels Abstimmung legitimieren lassen." Ob gleich am Montag auch darüber abgestimmt wird, war zunächst offen. Möglicherweise wird die Entscheidung erst in den nächsten Tagen fallen.

Auch dem AUA-Management ist eine Verhandlungslösung immer noch lieber sein als der rechtlich ungewisse Betriebsübergang auf Tyrolean. "Falls die Belegschaft das verhandelte Paket über eine Abstimmung akzeptieren will, wäre die Firma bereit zu prüfen, ob der Betriebsübergang doch noch verhindern werden könnte", sagte ihr Sprecher Peter Thier.

"Verlockende Summen"

Der Betriebsrat macht jedenfalls kräftig Werbung für das Paket: "Es steht außer Streit - wir sind bereit, massive Zugeständnisse zu machen, um das Unternehmen aus seiner Schieflage zu befreien. Als Personalvertretung haben wir sowohl die Verantwortung als auch die Pflicht, an einer für alle tragbaren und zukunftsorientierten Lösung mitzuwirken."

Und weiter heißt es: "Unser Ablaufplan für die nächsten Tage wird sich sowohl an den Sparerfordernissen orientieren als auch an unser aller Lebens- und Arbeitsbedingungen." Der Übergang auf die Tyrolean und damit verbundene Abschlagszahlungen mögen zwar "mit individuell errechneten Summen verlockend klingen, das gebotene Arbeitsumfeld hätte schlichtweg einen Totalverlust an Lebensqualität und Firmenkultur mit sich gebracht".  (Claudia Ruff, DER STANDARD; 7.5.2012)

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    Der Betriebsrat will die Mitarbeiter auf Sparkurs bringen, ob diese folgen, ist vorerst offen.

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