Streichinstrumentehändler Machold bleibt in U-Haft

  • Wertvolle Geigen - damit lässt sich Geld machen.
    foto: reuter/mcdermid

    Wertvolle Geigen - damit lässt sich Geld machen.

Enthaftungsantrag abgewiesen

Wien - Geigenhändler Dietmar Machold, gegen den die Justiz wegen Verdachts auf Betrug und Krida ermittelt, bleibt in Untersuchungshaft. Das Gericht hat seinen Enthaftungsantrag abgelehnt; die Staatsanwaltschaft wartet derzeit auf ein Gutachten von Buchprüfer Gerd Konezny; danach soll die Anklage folgen.

Der Geigenhändler, der zum Teil geständig ist und für den die Unschuldsvermutung gilt, war 2011 in der Schweiz festgenommen und später ausgeliefert worden. Er soll wertvollste Geigen mit fremdem Geld an- und weiterverkauft haben, seine Gesellschaften sind pleite, viele Instrumente werden noch gesucht - vor allem von den finanzierenden Banken und von Geigensammlerin Oesterreichische Nationalbank.

In seinem Enthaftungsantrag beschreibt Machold, warum er, als die Sache Anfang 2011 heiß wurde, in die Schweiz ging: "Der Beschuldigte sah sich im Februar 2011 mit zunehmenden Eheproblemen konfrontiert. Ihm war angesichts des Insolvenzverfahrens bereits klar, dass ... er seinen Wohnsitz in Niederösterreich (Schloss Eichbüchl, Anm.) verlieren würde. Es lag daher nahe, dass er ... in der Schweiz verbleiben würde, wo er eine Wohnmöglichkeit vorfand."

Viel Bares

Wie er seine Geschäfte gemacht hat, erschließt sich aus einem Brief, den Machold jüngst an den Buchsachverständigen geschrieben hat und der u. a. nach 550.000 Euro sucht. Machold: "Ich hielt immer einen großen Betrag in bar in Eichbüchl, um bankunabhängig Zahlungen leisten zu können; sehr vereinzelt (für, Anm.) Ankäufe, aber vor allem Provisionen." Manchmal wurden mit dem Baren auch Löcher gestopft, der Kaufmann überwies sie "auf Bankkonten, wo die Beträge benötigt wurden".

Die Provisionen betrugen laut dem Exhändler "15 bis 20 Prozent vom Verkaufspreis"; er zahlte sie vor allem an seinen Zwischenhändler, einen international bekannten, ausländischen Dirigenten. "Diese Provisionen wurden meist durch Schecks, diese gelegentlich vordatiert über einen längeren Zeitraum und in kleinere Beträge gesplittet, aber auch, wie gewünscht, in bar bezahlt."

Manchmal freilich fertigte er den Dirigenten auch mit Naturalien ab: "Einen Teil der Provisionen erhielt er auch durch Übereignung kleinerer Geigen und einiger Autos." Und, so Machold, der einst nebenbei auch mit Autos gehandelt hat, klipp und klar: "Ohne Provisionen läuft im Geigenhandel nichts." (Renate Graber, DER STANDARD, 7.5.2012)

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