Der Olympionike und seine Wasserwelt

    6. Mai 2012, 17:45
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    Christoph Sieber, Olympiasieger 2000 im Windsurfen, ist in seinem Element geblieben. Als Coach in der Segel­akademie, Präsident der Kitesurfer und Inhaber eines SUP-Centers

    Neusiedl am See - Man trifft einander naturgemäß am Wasser. In der Akademie des Österreichischen Segelverbandes (OeSV), Neusiedl am See, Hafen Ost. Dass die Akademie existiert, ist nicht nur, aber auch Christoph Sieber zu verdanken. Schließlich sorgten der Surfer und die Tornado-Segler Roman Hagara und Hans-Peter Steinacher mit zwei Goldenen dafür, dass der OeSV Österreichs erfolgreichster Verband bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney war. Das erst ermöglichte die Finanzierung des Segelzentrums.

    Hagara/Steinacher, die gegenwärtig im großen Katamaran Extreme-40 an den Gestaden der Weltmeere wettkämpfen, sollten 2004 in Athen noch einmal zu Gold segeln. Sieber trieb es woanders hin. Nach dem Triumph in Sydney verbrachte der Oberösterreicher ein knappes Jahr auf der Bühne, kündete von Motivation und Erfolg und den mentalen Hintergründen. "Ich hab Vorträge gehalten und gutes Geld verdient. Ich musste den anderen gefallen, und irgendwann habe ich mir selbst nicht mehr gefallen. Das Promi-Dasein ist nicht meines."

    Die hawaiianische Phase

    Und also zog es ihn raus aus der alten Welt. Er begab sich auf Weltreise. Nicht mit dem Schiff, sondern mit dem Flugzeug. Die Reise sollte, was zunächst so nicht geplant war, zwei Jahre lang dauern und hatte einen Mittelpunkt, der sich für einen Surfer geradezu aufdrängt: Hawaii. Von dort unternahm Sieber diverse Abstecher in die Weiten des Pazifiks. Und wurde zum Kiter, zum Surfer mit Lenkdrachen. "Ich war jeden Tag kiten, ganz ohne Wettkampfstress. Eine völlig neue Erfahrung für mich. Es war die ideale Phase, das zu lernen. In der Pension bin ich vermutlich nicht mehr so fit."

    Die hawaiianische Phase ging zu Ende. Sieber zog es zurück in die alte Welt. Er erwarb eine alte Fischer- und Jägerhütte am Schilf des Neusiedler Sees, die nur mit dem Boot oder schwimmend oder über den gefrorenen See zu erreichen ist, renovierte sie und gründete eine Familie. Sohn Sky ist heute acht Jahre alt, muss aber nicht zur Schule schwimmen. Familie Sieber ist auch in Mödling zu Hause.

    Und dann juckte wieder der Wettkampf. Christoph Sieber, der Surfer, wollte sich in einem Boot für die Olympischen Spiele 2008 in Peking qualifizieren. "Der Tornado wäre für einen Surfer ja prädestiniert", sagt er, "doch Hagara/Steinacher wären schwer zu schlagen gewesen." Also entschieden sich Sieber und Partner Clemens Kruse für den einrumpfigen und spektakulären 49er. In dem freilich waren schon die Nikos unterwegs, Nico Delle-Karth und Niko Resch, Medaillenhoffung bei den Spielen heuer in London. Sieber/Kruse schafften es immerhin in die Top 20 der Weltrangliste, doch nach Peking segelten Delle-Karth/Resch. "Eine intensive Zeit. Und es war eine große Herausforderung, im Team zu arbeiten. Als Surfer bist du ja immer allein draußen."

    Kitesurfen wird olympisch

    Seit 2010 arbeitet Sieber im Segelverband, ist für das Nachwuchsprojekt in der 420er-Jolle zuständig. "Ich reise nicht mehr so viel, sondern sitze viel im Büro, was auch deshalb fein ist, weil ich ein guter Papa und Partner sein will." Das Büro befindet sich in der Akademie am See. " Jetzt arbeite ich gerade an einem Zukunftsprojekt, an einer Segel- und Surf-Internatsschule in Neusiedl." Zudem macht Sieber den Präsidenten der Österreichischen Kitesurfing-Vereinigung (AKA) und freut sich, dass die Kiter ins Programm der Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro aufgenommen wurden. Windsurfen fliegt raus. Und vor ein paar Tagen eröffnete er am Neusiedler Strand sein SUP-Center für die rasant mehr werdenden Stand Up Paddle Boarder.

    Mitunter hält der Olympionike noch Vorträge. Über Motivation, Erfolg und mentale Stärke. Sieber, schon 1992 bei den Spielen in Barcelona Fünfter, verpasste 1996 die Spiele in Atlanta nur knapp, weshalb er dem ÖOC wegen seiner damals recht restriktiven Entsendungspolitik immer noch gram ist. Vor Sydney trainierte er, der als Surfer fürs Pumpen viel Kraft und Kondition brauchte, dreieinhalb Jahre lang in Sechs-Wochen-Blöcken in Obertauern. "Insgesamt war ich ein halbes Jahr auf dem Wasser und ein halbes Jahr in Obertauern. Ich bin auf dem Ergometer neben dem Hermann Maier gesessen und habe gestrampelt. Körperliches Training ist die beste Basis für mentale Stärke."(Benno Zelsacher, DER STANDARD 07.05.2012)

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      September 2000 in Sydney: Christoph Sieber surft zum Olympiasieg.

    • Mai 2012: Christoph Sieber vor seinem neu eröffneten Stand Up Paddle Board Center.
      foto: zelsacher

      Mai 2012: Christoph Sieber vor seinem neu eröffneten Stand Up Paddle Board Center.

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