Jubiläumsstart mit Charme der Kontraste

6. Mai 2012, 17:29
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Nach getaner Antonio-Salieri-Arbeit klopft Riccardo Muti beim Abgehen von der Musikvereinsbühne einem Kontrabassisten humorig aufs Instrument

Wien - Sieht man auch nicht täglich: Nach getaner Antonio-Salieri-Arbeit klopft Riccardo Muti beim Abgehen von der Musikvereinsbühne einem Kontrabassisten humorig aufs Instrument. Die Geste war indes so verständlich wie passend. Die sonntägige Zusammenkunft markierte den Beginn der Feierlichkeiten zum Jubiläum (200 Jahre Gesellschaft der Musikfreunde). Und Salieris Werke (Lob der Musik und Venite gentes - Cantate Domino, mit dem präsenten Singverein) waren in ihrer sympathischen Leichtgewichtigkeit nicht dazu angetan, Muti in besonderen Stress zu versetzen.

Muti, der übrigens am Freitag ein Vatikan-Konzert vor Papst Benedikt (anlässlich des 7. Jubiläums des Pontifikatbeginns) dirigieren wird, ist natürlich nie einer, der Musizieren leicht nimmt. Auch in Haydns Trompetenkonzert Es-Dur, Hob.VIIe:1 - mit dem wunderbaren, das Lyrische wie das Effektvolle tadellos umsetzenden Hans Peter Schuh - animierte er die Philharmoniker zu prägnanten Statements.

Bei Schuberts Symphonie C-Dur, D 944 hingegen wollte es ein wenig dauern, bis man sich quasi auf die Temperatur des Werkes eingestellt hatte. Im 1. Satz dröhnte das Dramatische etwas vordergründig, und das Verinnerlichte umgab etwas Beiläufiges. Ab dem 2. Satz jedoch kam so etwas wie innere Musizierenergie hinzu, was Mutis kontrastreiche Ideen schließlich vom Nimbus des plakativen Buchstabierens zu befreien begann. Von Takt zu Takt geriet alles glaubwürdiger, erlangte der Klang des Orchesters jene Fülle, die nicht nur betört, vielmehr auch Intensität generiert. So wirkte der Applaus (samt obligaten Bravos für den nun ernst wirkenden Dirigenten) verdient. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 7.5.2012)

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