"Das Trojanische Pferd" als Szenensteinbruch

5. Mai 2012, 17:53
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Burg-Chef Matthias Hartmann betreibt szenische Friedensforschung im Kasino am Schwarzenbergplatz

Wien - Mit seiner Theaterarbeit "Das Trojanische Pferd" betreibt Burg-Chef Matthias Hartmann szenische Friedensforschung im Kasino am Schwarzenbergplatz. 17 Burgtheaterschauspieler erkunden jenen Moment trügerischer Ruhe, als sich die Griechen aus dem Staub gemacht hatten. Ihre Hinterlassenschaft: ein aus Holz gezimmertes Pferd, das hier aus Kreideklötzchen gebaut ist (Bühne: Jan Lauwers).

Bevor Troja in Flammen aufgeht, versammeln Hartmann und Dramaturgin Amely Joana Haag ein wildes Aufgebot an apokryphen Zeugenberichten und interpretierenden Stimmen. Göttinnen in fließenden Gewändern buhlen um die Apfelgunst des Paris (Lucas Gregorowicz), nicht immer wird klar, welcher Beweisführung die gestisch oftmals bloß angedeuteten Erzählungen dienen. Eine lässige, kindliche Verschwendungssucht liegt über der Unternehmung. Lange vor Schluss schon kippt der Abend, nicht immer zu seinem Besten, hinüber in ein ironisches Bescheidwissen. Dann wirkt manche schöne Erfindung nur unbedarft, und die fantastische Spiellust des Ensembles - voran die Damen wie Adina Vetter (Helena) - weicht der Grimassenschneiderei. Vorderhand: ein szenischer Steinbruch. (Ronald Pohl, DER STANDARD, 5./5.5.2012)

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