"Nehme eine kürzere Lebenserwartung nicht in Kauf"

5. Mai 2012, 08:24
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Der Grazer Bürgermeister Nagl will trotz heftigen Gegenwinds eine Umweltzone gegen Feinstaub einführen

Siegfried Nagl will standhaft bleiben: "Wir werden sie machen." Die steirische Landeshauptstadt werde eine Umweltzone bekommen - auch wenn er eine breite Gegnerfront vor sich sehe, beharrt der Grazer Bürgermeister Nagl (ÖVP), der in der Stadt nur auf die Unterstützung seines grünen Regierungspartners zählen kann. SPÖ, KPÖ, BZÖ und FPÖ lehnen eine Umweltzone, die alte Dieselfahrzeuge aus der Stadt verbannen soll, ebenso ab wie die Autoklubs, alle Wirtschaftsgruppen, die Gewerkschaft und Kammern.

Die einen sorgen sich um das Wohl der Autofahrer und den Wirtschaftsstandort, andere, wie SPÖ und KPÖ, argumentieren mit sozialen Aspekten, dass viele Pendler, die auf ihr Auto angewiesen sind, sich eine Umrüstung ihres alten Pkw oder eine Neuanschaffung nicht leisten können. Nagl hält entgegen: "Es gibt auch soziale Argumente für eine Zone. Ich denke etwa an jene Bewohner, die sich gar kein Auto leisten können und keine Chance haben, sich im Grüngürtel zu erholen - die müssen täglich mit dieser Luftbelastung leben."

Fahrplan für Umweltzone

In Deutschland gebe es bereits in allen nennenswerten Städten insgesamt 170 Umweltzonen. Nagl im Standard-Gespräch: "Ein weiteres Zuwarten in Graz wäre unverantwortlich. Wir haben schon Jahre verloren, weil Bund und Land keine entsprechenden Initiativen gesetzt haben. Erhebungen sagen uns ganz klar, dass wir hier eine um 11 Monate kürzere Lebenserwartung haben. Ich werde das nicht in Kauf nehmen."

Im Juni werde die Stadt einen Fahrplan zur Umsetzung einer Umweltzone vorlegen und zuvor ein "Testlabor" am Hauptplatz installieren, um Feinstaub "sichtbar" zu machen. Auch die Stickoxid-Problematik, die neue Autos ebenso betreffe, müsse "endlich angegangen werden". Diese Gefahr sei "total unterschätzt worden". (Walter Müller, DER STANDARD, 5./6.5.2012)

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