Das Leben unserer Politiker

Kolumne | Hans Rauscher, 4. Mai 2012, 18:52

Dieselben Leute, die sich heute über Dienstautos aufregen, fanden den Jörg, der mit von Industriellen gesponserten Hubschraubern übers Land flog, "volksnah" und "ehrlich"

In Österreich ist ein Spitzenpolitiker mit einem Dienstwagen und Chauffeur für viele offenbar eine Provokation. Anders ist der Posting-shit-storm auf die Meldung vom Unfall der SP-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas nicht zu deuten.

Die zivilisierteren Poster fragten an, warum Rudas (und Politiker generell) nicht mit der Bahn fahren können. Weil es in der Mehrzahl der Fälle unpraktisch ist: Wäre Frau Rudas zu einer Abendveranstaltung nach Wolfern bei Steyr mit Öffentlichen gefahren, hätte sie entweder zwei- oder dreimal umsteigen müssen - IC, bzw. Railjet, REX, Bus. Rede und Diskussion dauern mindestens 1,5 Stunden. Dann noch bürgernahe Kontakte ("Mein Nachbar lässt seine Büsche über meinen Zaun wachsen..."), informelles Zusammensein mit den Funktionären - und schon ist es 23 Uhr. Unmöglich, noch in derselben Nacht mit den Öffentlichen nach Wien zu kommen.

Ein Dienstwagen mit Chauffeur ist ein erweitertes Büro. Man telefoniert, mailt, surft im Internet, liest Unterlagen. In den ÖBB kann man nur lesen, weil alle paar Kilometer die Funkverbindung abreißt. Erst Ende 2012 werden alle Railjets W-Lan haben. Dieselben Leute, die sich heute über Dienstautos aufregen, fanden den Jörg, der mit von Industriellen gesponserten Hubschraubern übers Land flog, "volksnah" und "ehrlich". Und hätte Haider seinen Chauffeur nicht heimgeschickt, würde er heute noch leben.

Warum diese Ausführlichkeit? Weil die Erregung typisch ist für ein falsches Politiker- und Politikbild sehr vieler Bürger. Sie regen sich über die falschen Dinge auf, basierend auf einem falschen Bild vom täglichen Leben unserer Politiker. Ein Regierungsmitglied (auch in Landesregierungen) ist von früh bis spät "in Betrieb", auch am Wochenende. Mit Glück sind die Sonntagnachmittage frei. Da sind viele unnötige Termine dabei - aber wenn der Herr Minister einmal nicht zum Feuerwehrfest nach St. Eichkatz am Walde kommt, gilt er gleich als abgehoben. Mit dem EU-Beitritt z. B. kamen noch ständige Kurztrips nach Brüssel dazu. Bei alledem muss man noch freundlich sein, wenn man deppert angeredet wird, und zittern, dass die Krawallzeitungen nicht irgendeine Bagatelle aufblasen oder komplett verdrehen.

Die Entschädigung - bei den nicht-korrupten - ist ein anständiges (aber im Vergleich zu Managern bescheidenes) Gehalt - sowie ein gewisses Machtgefühl, das man nicht überschätzen sollte. Was ein österreichischer Bundeskanzler zwischen den Vorgaben der EU-Politik, den "Märkten" und seinen Landesfürsten, Gewerkschaftskaisern etc. autonom entscheiden und gestalten kann, ist sehr bescheiden.

Politik heute würde mehr Nachdenken, mehr Gespräche mit Experten, mehr konzeptuelle Tätigkeit verlangen; auch mehr Aussteigemöglichkeit aus dem Hamsterrad. Dann käme allerdings der Vorwurf der Volksferne. Aber wenn eine überzeugende, vernünftige Politik gemacht wird, kann auch "das Volk" auf populistische Schulterklopferei auf den Straßen und Märkten, in der Disco und im Bierzelt verzichten. (Hans Rauscher, DER STANDARD, 5./6.5.2012)

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Vielleicht

gibt es einen Zusammenhang damit, dass man mit Öffis keine Termine vernünftig wahrnehmen kann und dem Umstand, dass alle PolitikerInnen Dienstwagen mit Chaffeur haben? Das gewöhnliche Volk muss sich sehr wohl mit der Bahn abplagen.

Herr Rauscher!

Warum glauben Sie, fährt ein Minister zu einem Feuerwehrfest in St. Eichkatz am Walde? Hm? Ich mache es Ihnen einfacher und gebe Ihnen drei Auswahlmöglichkeiten:

a) um den Weltfrieden sicherzustellen
b) um Wachstum, Wohlstand und soziale Gerechtigkeit herbeizuführen
c) um Wählerstimmen in irgendeinem Kuhdorf abzugrasen

Nun ja, wenn Sie Ihre Antwort gewählt haben, werden Sie vielleicht den Unmut verstehen, dass das auch noch mit Steuergeld subventioniert wird.

Dieser eine Satz ist hängengeblieben

Warum diese Ausführlichkeit? Weil die Erregung typisch ist für ein falsches Politiker- und Politikbild sehr vieler Bürger. Sie regen sich über die falschen Dinge auf, basierend auf einem falschen Bild vom täglichen Leben unserer Politiker.

Hier erklärt er mal, wieso das pt. Volk ein falsches Bild habe....
Aja, wenn man aber das Wort "Politiker" durch das Wort "Lehrer" ersetzt, schauts gleich anders aus, da hackt er auch feste druff! Scheinheiliger oder eben zündelnder Wortespender.

ausnahmsweise haben sie

recht herr rauscher!

allerdings hätten die herrschaften, wenn sie nicht bei jedem fussballankick und feuerwehrfest in "kikeritschbatschen" anwesend wären, wo sie sowieso keiner vermisst mehr zeit für sinnvolles arbeiten!!!!

d'accord !!

In diesem Fall hat Herr Rauscher schon in hohem Maße recht!

Ich brauche keinen Politiker der sich um den zu viel Schatten werfenden Baum meines Nachbarn kümmert, keinen Politiker der mir eine Wohnung oder einen Job besorgt, sondern Politiker die Strukturen und Verhältnisse schaffen, dass ich all diese Dinge selbst regeln kann!!!

Wobei der Bürgermeister eh nicht dafür bezahlt wird am Dorffest zu erscheinen, im Gegenteil, das kostet den oftmals etwas.

Es ist schon sehr offensichtlich: die Richtung des Geldflusses ist auch die Richtung des Lobbying-Einflusses.

machen sie sich keine sorgen

um den herrn bürgermeister!
der verrechnet das freibier mit seiner spesenabrechnung - daher - alles auf gemeindekosten!

...

der unterschied liegt wohl einzig un dallein darin, dass das was sie schreiben funktioniert und dass das volk es ablehnen darf, dass die politiker mit ihrem nachnamen vertraege zeichen und im namen des volkes konsumieren: dann wuerde die nie bei der feuerwehr ankommen und die feuerwehr wuesste auf wo der rband zb in mehrerau ausbricht und wieso: kurz: die typen sind infovernichter, datenloescher - ich mag das nicht!

Ich hab's gerade schon woanders gepostet. Wir haben genau die Politiker, die die Wähler verdienen. Und letztere sind halt zu einem großen Teil einfach zu dumm.

Da gibt es einen wunderbaren Satz dazu, bei dem mir leider der Autor gerade nicht einfällt:

85% der Bevölkerung sind zu 105% sehr unklug (das Original verwendet härtere Worte)

Zu wenig volksnah?

Mit dem versteckten Hinweis: Bevoelkerung sei enfach zu goof?

Eine kleine Relativitaet. Der Kommentar von UW - zum Untergang des Euro, gewaenne Hollande in Fr - hat bis jetzt zu mehr als 600 Beitraegen motiviert. Obwohl, wer kennt UW?

So uninteressant scheinen die grossen Dinge nicht zu sein?
Aber wenn uns suggeriert wird, die Belastung der Politik beim Randstein eroeffnen rechtfertige mehr Privilegien ....

Mensch koennte ja umgekehrt sagen: zu einem aufgeregten Kommentar zu wesentlichen politischen Fragen wird Fr. R nie Anlass geben. Eher zu Randsteinfragen.
Wozu braucht sie dann einen rollenden Arbeitsplatz?

R nur Platzhalter fuer Viele ..

Weil die Erregung typisch ist für ein falsches Politiker- und Politikbild sehr vieler Bürger. Sie regen sich über die falschen Dinge auf ...

So schwer ist das wohl nicht zu verstehen.

"Sie" regen sich nicht über Dinge auf - sondern zB. über "Politikerinnen" wie Fr. Rudas, die offenbar kein Mensch (ausserhalb von ihrem Netzwerk) ernst nimmt.

Es ist ein Alarm-Signal (eines von vielen), dass sich eine Politiker-Kaste völlig von der Bevölkerung abgeschottet hat. Zuerst muss man ihr Grinsen aus der ZiB ertragen - und dann bei ihren späteren Auftritten vor diversen Untersuchungsausschüssen.

Früher wäre geachteten Politikern bei so einem Unfall Mitgefühl und Betroffenheit quer durch die Parteien sicher gewesen.

und was bitte macht denn fr rudasch so falsch?

kennen sie überhaupt ihre aufgaben? ich weiss es nicht, ich kann mich nur über etwas echauffieren, wenn ich genau informiert bin, was diese bürgerin macht oder nicht macht, was falsch oder richtig ist usw. wäre ihnen sehr verbunden, wenn sie mich und das forum unterrichten könnten, danke

Sie ist der ...

teuerste Lehrling Österreichs!

Aber ansonsten ist sie eh super...^^

Googlens mal a bissal...
Dann wern's sehen, was und vor allem wie sie etwas macht...

Und zum Rauscher sag i nur:
Wer die Rudas verdeitigt ist entweder auf deren Niveau, oder profitiert anderweitig!

ich will gar nicht googln, mir ist die rudas im prinzip egal, aber wenn sie schon beschimpft wird, sollte man aber auch den mut haben ihre nachteile zu

artikulieren, baba laura

jetzt nicht speziell gegen die rudas, ich ziehe sie nur als bsp. heran
wo bitte könnte die als managerin mehr geld bekommen als in der politik? den betrieb zeigens mir bitte...
und bitte hr. rauscher tuns nicht pauschalisieren, ich rege mich weder über dienstwagen + fahrer auf nein, mir wäre es sogar egal wenn die immer mit dem hubschrauber fliegen würden
was mich aufregt ist viel mehr dass so viele unfähige leute in der regierung sitzen welche, wenn sie nicht aus den richtigen familien kommen würden monatlich beim ams vortellig wären
bevor jetzt die roten stricheln kommen möchte ich noch anmerken dass es durchaus fähige leute in der politik gibt welche voon mir aus 24/7 mit dem hubschrauber unterwegs sein könnten...

nennen sie, bitte, 2-3 leute, die "in der regierung sitzen",

weil
sie aus "aus den richtigen familien kommen".

Familiennamen Krone und Raiffeisen z.B.

grünes stricherl!!

Ja,

und das Urteil, wer denn "fähig" ist, treffen Sie? Das lauft so nicht, weil dann gibt´s hunderte verschiedene Meinungen, und sich selbst sieht sowieso jeder als fähig an. Für mich war Jörg Haider ein unglaublich unfähiger Politiker; er hat Kärnten den Bach runtergeführt, seinen Haberern Posten zugeschanzt und Geld zum schwindligwerden verbrannt, ohne aber dadurch die Wirtschaft anzukurbeln. Beim Volk aber war er beliebt. Die gönnten ihm, nach Ihrer Definition, jeden Hubschrauberflug.
Also so geht es einfach nicht. Die Frage kann nicht lauten, wer ist "fahig", sonden wem steht es zu? Da kann man eine Rangordnung machen und dann argumentieren, dass Fr. Rudas keinen Chauffeur haben sollte. Aber nicht wegen ihrer angeblichen Unfähigkeit.

Hunderte verschiedene Meinungen sind das Eine,

eine objektive Wahrheit aber das Andere.

Soll heißen: Auch wenn tausende Österreicher Haider für einen tollen Burschen gehalten haben – objektiv ist erwiesen, dass er hauptsächlich warme Luft produziert hat und sonst nichts. Eher im Gegenteil: Der hat Geld verbrannt ohne Ende.

Damit ist klar, dass es keine Frage der subjektiven Meinung oder jemandes Urteil oder der Beliebtheit ist, ob ein Politiker fähig ist oder nicht. Das kann man an den Ergebnissen ablesen.
Haiders politisches Ergebnis ist unterm Strich katastrophal.

Frau Rudas’ hat auch noch keine positiven Ergebnisse vorzuweisen. Ebensowenig der Herr Spindelegger und einige Dutzend andere.

wer das urteil fällen soll habe ich eigentlich nicht geschrieben, aber wenn sie meine meinung dazu hören wollen
das soll, kann und muss jeder für sich selber entscheiden
mit ihrem vorschlag bezüglich der rangordnung kann ich wenig anfangen weil z.b. bei den grünen halte ich einige für fähig aber wenn ich an die spitze denke vergehts mir
das hat auch nichts mit jung / alt zu tun, weil ich halte einige jungpolitiker (ja auch solche die noch nie in ihren leben was "richtiges" gearbeitet haben) durchaus für fähig
auf was ich eigentlich hinauswill ist dass ich wenig für mehr varabscheuenswürdiger halte als protektionismus / freunderlwirtschaft und ich denke dass ich da nicht alleine bin....

Das "falsche" Politikerbild ist nicht falsch sondern zweckmäßig

denn die Poster brauchen ein gemeinsames Feindbild an dem sie dann gemeinsam ihren Alltagsfrust ablassen können. Rothaarige, Ungläubige, Ausländer; und im anonymen Forum gehen auch Banker, Politiker und alle anderen auf die man sich sonst nicht traut.

Sind Sie schon einmal

auf die Idee gekommen, ein Bild koenne nicht falsch sein? Selbst wenn es uebermalen ist .... und manchmal ist es ja selbst-uebermalen.

Nein, da gibt es keine hoeheren Zusammenhaenge, kein kuenstliches Theater, das ist der Austausch selbst.
Das Bild IST das Modell.

Die Frage ist

welchem Zweck das Bild/Modell dienen soll. Will man die eigenen Leistungen hervorheben, will man die politischen Unterschiede zwischen den Parteien hervorheben, will man über jemanden lachen -- oder will man auf jemanden drein schlagen. Es steht immer eine Motivation im Hintergrund.

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