"François ist einer von uns"

Reportage | 4. Mai 2012, 18:15

Im ländlichen Departement Corrèze am westlichen Rand des Zentralmassivs nennen Hollande alle ganz einfach beim Vornamen - Ein Lokalaugenschein

Die politische Heimat von François Hollande ist das ländliche Departement Corrèze am westlichen Rand des Zentralmassivs. Hier nennen ihn alle, auch seine Gegner, ganz einfach beim Vornamen. Ein Lokalaugenschein.

 

"François est comme ça", sagt der Clochard mit den großen Lücken im Gebiss und reckt den Daumen in die Höhe. Soll heißen: Hollande ist ein toller Kerl. "Ich sehe ihn öfters am Samstagsmarkt. Einmal hat er mir auf die Schulter geklopft", führt René weiter aus. "Hollande ist gut zu den kleinen Leuten, auch zu den Behinderten. Und er wird sich nicht von Angela Merkel gängeln lassen."

Hier in Tulle, am Rand des Zen tralmassivs, nennen ihn alle "François", obwohl Hollande (57) hoch über der Stadt herrscht: Der frühere Bürgermeister ist seit 2008 Präsident des Departements Corrèze, und dessen imposantes Ratsgebäude thront über der ganzen, in eine enge Flussbiegung gezwängten Stadt. In Tulle hat der Sozialist im ersten Durchgang der Präsidentschaftswahlen 56 Prozent der Stimmen erhalten. "Und das nicht nur wegen seiner Politik, sondern auch wegen seiner Person", schwärmt Josiane Tour, Hollandes frühere rechte Hand im Rathaus. "François ist umgänglich, er hat einen schlagfertigen Humor. Und in den sieben Jahren an seiner Seite habe ich ihn nie wütend erlebt."

Und dennoch ist vom Menschen Hollande wenig zu spüren. Tour räumt ein, "François" spreche nie über sein Privatleben, behalte seine Gefühle für sich. Anders als Nicolas Sarkozy? "Die beiden sind wie Tag und Nacht. François ist bescheiden, Geld interessiert ihn nicht. Er blufft nie und wird deshalb unterschätzt. Zudem sucht er die Leute nicht zu spalten, was Sarkozy ständig tut."

Selbst Nicolas, ein junger Landwirt, der für Sarkozy im strömenden Regen Plakate aufhängt, hält Hollande für "nett und gesellig". Zugleich dulde der Sozialist po litisch aber keinen Widerspruch. "Hollande hat das Budget des Departements seit 2008 um 40 Prozent erhöht. In all den Jahren hat er nur eine Firma mit 300 Arbeitsplätzen in die Corrèze geholt. So einem Politiker kann man nicht das ganze Land anvertrauen."

Der Lokalchef der bürgerlichen Partei UMP, Michel Paillassou, wirft Hollande vor, er lege sich nie fest und drücke sich um Entscheidungen. Der Lokaljournalist Jean-Paul Valadour, Redakteur des linken Echo de Tulle, stimmt zu: "Politisch ist Hollande links, klar links. Er ist kein Revolutionär; er geht pragmatisch zur Sache, aber er stützt sich hier nicht auf die politische Mitte, sondern auf die Linksfront und die Grünen. Hollande geht den Konflikten aus dem Weg, er sucht nie die Konfrontation", resümiert Valadour, der seit 30 Jahren die Lokalpolitik von Tulle verfolgt. "Aber er hat eine klare politische Linie, und die zieht er auch durch."

Ebenso zäh und zielstrebig habe Hollande seine Karriere geplant. Der aus der Normandie stammende Arztsohn sei von François Mitterrand 1981 in die Corrèze geschickt worden, um dort zu lernen, wie man sich gegen politische Größen wie Jacques Chirac behauptet, meint der Journalist. "Aber auch wenn er einige Lokalwahlen verlor und öfters ‚auf dem Boden des Suppenkessels landete‘, wie wir hier sagen, blieb Hollande sich und der Corrèze stets treu." Und im Unterschied zu Chirac, dem vormaligen Abgeordneten und späteren Staatspräsidenten, habe er nie zu faulen Tricks gegriffen oder Klientelismus betrieben, analysiert Valadour, der noch nie über Hollande betreffende Affären berichten musste.

Ein politischer Saubermann also: Da erstaunt es fast, dass in Tulle keine Begeisterung für Hollande zu spüren ist. "Er wird die Kassen auch nicht über Nacht wieder füllen", meint eine Rentnerin vor der einfachen Stadtwohnung, in welcher Hollande bei seinen Besuchen in Tulle absteigt. Laetitia, eine Mittelschülerin, sagt: "Wenn ich ihn auf dem Markt sehe, habe ich das Gefühl, François ist einer von uns. Da fällt es schwer, in ihm einen Staatschef im Élysée-Palast zu sehen."

Selbst Wahlplakate sind in Tulle kaum zu sehen. Das aber auch, weil Hollandes Anhänger anders Wahlkampf machen: nämlich von Tür zu Tür. In der Altstadt klappern zwei Jugendliche in roten Hollande-Windjacken die Häuser ab. "Einzelne Leute sagen uns, sie hätten erstmals direkten Kontakt mit der Politik", erzählt die Uhrmacherin Jennifer (26). "Sie stecken so tief in der Krise, dass sie gar nicht ans Wählen denken." Mit ihrem Freund Jimmy (36) hat sie an 2000 Türen geklopft; landesweit will Hollande fünf Millionen Haushalte erreichen - ein Fünftel des ganzen Landes.

"Wir reden praktisch nur über die Arbeitslosigkeit und die grassierende Schwierigkeit der Leute, die Rechnungen am Ende des Monats zu zahlen", berichtet Jimmy, hauptberuflich Rechtsanwalt. "Wir sagen ihnen, Hollande wolle auf EU-Ebene Wachstumsmaßnahmen durchsetzen, um die Sparpolitik der Rechten zu durchbrechen."

Kommt denn Hollandes Einsatz für die Corrèze nicht zur Sprache? "Das ist für uns kein Thema", winkt Jennifer ab. "Ein Präsidentschaftskandidat tritt nicht als Lokalpolitiker an."  (Stefan Brändle aus Tulle /DER STANDARD, 5.5.2012)

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auch seine Frau ist down to Earth

nicht wie die Bruni! Einfach und wählbar.

Hollande

naja, ein rather dangerous man...

http://tinyurl.com/bunz43d

der kumpel von nebenan..

der neue heilsbringer. somit ist alles in butter, noch dazu per du.

Hallo?

Mein Kommentar, dass die anderen Kandidaten ebenfalls Populisten sind ist also Zensurwürdig? Geht's noch?

Hörens doch auf mit diesem dämlichen "Zensur"-schreien. Sie überschätzen ihre Bedeutung ganz dramatisch und machen sich damit einfach nur lächerlich.

twitter: frau daniel (OE24)

Detail am Rande aus Paris: Über 1200 Journalisten haben sich für morgige Wahlfeier von Hollande akkreditiert, nur 300 für jene von Sarkozy

"Franz ist einer von uns"

Auch die Franzosen sind nicht vor Schwachsinn gefeit....
Keine dieser grinsenden Konzern-Marionetten ist "Einer von uns". Die Grinsen und Händeschütteln nur solange, bis sie in der Postition sins das gemeine Volk weiter zu unterdrücken - für ihre Herren und Meister, die mit Dollarnote und Peitsche wedeln

Bald ist "la Tzigane" Geschichte

und das ist gut so!

Vollgas

für den Nationalstaat und gegen Europa.

Somit: mit voller Kraft retour...

Interessant: Sarkozy will die Grenzen dicht machen

Aber Hollande ist für den Nationalstaat und gegen Europa...

Bloß weil man gegen den aktuellen Kurs der EU ist, bedeutet das noch lange nicht, dass man auch gegen die EU ist.

!!!! Bravo! Grün!

Eh nicht

Hollande ist eh für die EU, solange diese sich geschlossen dem überlegenen Frankreich unterwirft...

wenn europa merkel heißt und elende sparpolitik (die von jedem mit verstand bereits kritisiert wird), dann bitte retour, gern

ein hollande ist mehr europa als ein "zigeuner-raus"-sarkozy

Und

Sie halten es für vernünftig eine Schuldenkrise mit noch mehr Schulden zu bekämpfen?

Und Sie glauben tatsächlich, dass die Sanierung Europas der erste Sanierungsfall der Menschheitsgeschichte sein wird, der ohne Schmerzen ablaufen kann?

Ja, da sage ich nur - gratuliere....

Krugmann ist seiner Meinung

aber halt nur ein Nobelpreisträger in Economics und nicht ein Experte wie Sie.

Nein eigentlich ist das Gegenteil der Fall. Wenn Europa den derzeitigen Kurs nicht ändert, dann wars das auch mit der EU.
Die Rechte ist derart verblendet und fehgeleitet, dass sie ihr eigenes handeln nicht mehr reflektieren kann.

...meint der rechte Vollpfosten....

Das übliche halt

wenn die Argumente ausgehen und man es nicht akzeptieren will und pitzelt, dann sind halt alle einfach 'rechts'...

Aufgrund ihres blinden Hasses auf linke Positionen liegt "rechter Vollpfosten" recht nahe.

Ich lasse mich natürlich gerne vom Gegenteil überzeugen.

Wo sind denn bitte ihre Argumente

"Vollgas für den Nationalstaat und gegen Europa."
Ja wo sind sie denn?

Exakt wie die bei den anderen Kandidaten: Alles elendiges Nationalisten-Populisten-Pack. Die Feindbilder leicht anders gelagert, sonst sind Rechts und Links ident.

Wahrlich Hollande steht eine Herkulesaufgabe bevor,

ähnlich der Situation wie sie Roosevelt 1930 vorfand. Beim kommenden Zusammenbruch des Eurosystems kann er die Folgen nur noch weitgehend mildern bzw. den neoliberalen Scheixxhaufen den die Berliner Marktgläubigen ihm beschert haben zusammenkehren.Ein neues internationales Bretton Woods organisieren, die unglaublichen
Privilegien des privaten Bankensektors bei der Finanzierung öffentlicher Schulden
beseitigen, frontal gegen Steuerparadiese vorgehen und vehement gegen Arbeitslosigkeit und Armutseinkommen ankämpfen. Er ist nicht zu beneiden um diese Aufgabe.

Dass Merkels Rezepte funktionieren

(und auch Schröders grandiose Arbeitsmarktreformen) werden die internationalen Sozis den Deutschen niemals verzeihen...

Welche Rezepte?

Erst mal abwarten, wohin die Reise geht und dann rasch vorgelaufen, um die Avantgarde spielen zu können, ist kein Rezept.

ja sie funktionieren eh gut

wenn man das ziel hat die deutschen aus dem eigenen land zu vertreiben, dann funktionieren sie gut.

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