"Nicht nur das Ergebnis zeigen"

Interview4. Mai 2012, 18:17
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Der britische Reporter Adam Shaw sucht wöchentlich auf BBC World nach den Technologie der Zukunft

Zukunftstechnologien in aller Welt auf der Spur ist der britische Reporter Adam Shaw, sonntags um 15.30 und 21.30 Uhr auf BBC World. Wie er auf den Quadroheli und selbstreinigende Wasserflaschen stieß, sagt er Doris Priesching.

Standard: Heute, Samstag, in "Horizons": Technologien gegen Pandemien und Naturkatastrophen. Was gab's zu entdecken?

Shaw: Eine ganze Menge! Ganz erstaunlich fand ich etwa ein Projekt der Feuerwehr in Philadelphia. Gemeinsam mit einem Studenten entwickelten sie einen Quadrocopter, eine Art Modellhubschrauber, der in zerstörte Gebäude fliegt, über einen Sensor Verschüttete findet und die Einsatzkräfte benachrichtigt. Das Gerät wird nicht gesteuert, sondern sucht sich seinen Weg selbst. Toll war auch die Wasserflasche mit mikrobiologischem Filter. Die muss man nur einmal schütteln, schon hat man pures, klares Trinkwasser.

Standard: Wie finden Sie diese Geschichten?

Shaw: Wir arbeiten hart. Am Beginn wissen wir oft gar nicht genau, wonach wir suchen. Dann fragt man jemanden, der wieder jemanden kennt, dann reist man hin, und es ergibt sich.

Standard: Googeln über Pandemie: Was geben Sie als allererstes ein?

Shaw: Katastrophe und Innovation.

Standard: "Horizons" macht auch die Umstände sichtbar, unter denen Sie arbeiten. Wie ist es, sein eigener Videojournalist zu sein?

Shaw: Es geht darum, nicht nur das Ergebnis einer Recherche zu zeigen, sondern auch den Weg dorthin. Ich möchte die ganze Wahrheit zeigen, deshalb mache ich mein eigenes Video.

Standard: Für die erste Staffel filmten Sie in 80 verschiedenen Ländern und besuchten 120 Unternehmen. Die BBC scheint ja unglaublich großzügig zu sein?

Shaw: Leider kein Luxus. Wir waren meistens zu zweit, maximal zu dritt unterwegs. Das ganze Team besteht aus neun Personen. Unterwegs wohnen wir in den billigsten Hotels, buchen günstige Flüge. Der Großteil des Geldes fließt nicht in die Ästhetik, sondern in die Recherche.

Standard: Wie lange arbeiten Sie an einer Folge?

Shaw: Schwer zu sagen, denn wenn wir in einem Land sind, schauen wir, dass wir gleichzeitig andere Geschichten abdecken. Generell würde ich sagen, eine Folge pro Woche.

Standard: Steht der Wandel im Medienbusiness auf der Agenda von " Horizons"?

Shaw: Exzellente Idee! Ich verfasse derzeit einen Blog über den Aufstieg von Social Media. Dabei fand ich heraus, dass Facebook, wäre es ein Staat, das drittgrößte Land der Welt nach China und Indien wäre. Wenn es eine dritte Staffel gibt, muss das ein Thema sein.

Standard: Was sagt der Zukunftsforscher: Wird es Fernsehen in der Form, wie wir es kennen, in 50 Jahren noch geben?

Shaw: Soweit ich das einschätzen kann, verlieren Rundfunkstationen zunehmend die Kontrolle über das Schemafernsehen. Ich selbst schaue kaum noch live. Hier werden übrigens Marken immer wichtiger, wie etwa die BBC.

Standard: Forscher sind angeblich dem Geheimnis von künstlicher Intelligenz ganz nah. Vielleicht machen ja irgendwann Roboter den Job von Journalisten?

Shaw: Man sollte niemanden ermuntern. Es ist schwer genug, einen Job in dem Business zu finden. Vielleicht findet der Roboter selbstständig Informationen, aber die Fähigkeiten, sie zu analysieren und einzuordnen - dazu braucht es Journalisten. Ich denke nicht, dass wir uns Sorgen machen müssen. (Doris Priesching, DER STANDARD, 5./6.5.2012)

Zur Person:

Adam Shaw gehört zu den bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Großbritanniens. Für die BBC präsentierte er Magazine wie "Working Lunch" . Er gewann zahlreiche Preise.

  • Adam Shaw bei der Recherche zum Quadrocopter für Katastropheneinsätze in Philadelphia.
    foto: bbc

    Adam Shaw bei der Recherche zum Quadrocopter für Katastropheneinsätze in Philadelphia.

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