Qualität gegen "Dreck", der sich nicht verkauft

4. Mai 2012, 18:34
  • Helmut Brandstätter, Chefredakteur des "Kurier", diskutierte über Qualitätsjournalismus.
    foto: standard/hendrich

    Helmut Brandstätter, Chefredakteur des "Kurier", diskutierte über Qualitätsjournalismus.

"Kurier"-Chefredakteur Brandstätter stichelt gegen "Österreich" - Ökonomische Zwänge gefährden Qualitätsjournalismus

Medien wandeln auf den Spuren der Politik. So lautet der Befund von Wolfram Weimer, Gründungsherausgeber des deutschen Polit-Magazins "Cicero". Dass das nicht positiv gemeint ist, ist klar. Nicht die Inhalte, sondern die Hülle dominierten die Berichterstattung, kritisiert er. Die Folge sei ein massiver Glaubwürdigkeitsverlust. Statt für Diskurs und Meinung zu sorgen, würden sich die meisten nur noch in der Mitte positionieren. "Nicht anecken" werde zur Devise, sagte Weimer am Freitag in seiner Keynote am "Tag des Qualitätsjournalismus", der vom Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) veranstaltet wird.

Ökonomische Zwänge

So schlecht sei es um die Lage des Qualitätsjournalismus nicht bestellt, kontert Alexandra Föderl-Schmid, Chefredakteurin des STANDARD, bei der anschließenden Podiumsdiskussion. Die Phase um die Wirtschaftskrise 2008 sei für den STANDARD ein schwieriges Jahr gewesen. "Wir haben uns aber antizyklisch verhalten", so Föderl-Schmid: "Korrespondenten wurden nicht abgebaut." Sie räumt aber ein: "Ökonomische Zwänge sind gewachsen." Der Werbekuchen wird kleiner. Qualitätsjournalismus selbst fuße auf verschiedenen Kriterien, etwa der Trennung von Anzeigen und redaktionellen Inhalten. Ein Bereich, bei dem sie in Österreichs Medienlandschaft noch Handlungsbedarf konstatiert. Es sei Aufgabe von Chefredaktionen, Wünsche abzublocken: "Ich weiß nicht einmal, wie viel ein Inserat kostet."

Probleme ortet sie auch beim Thema Finanzberichterstattung, wo Interessenskonflikte vermieden gehören. Journalisten sollten etwa nicht über Banken oder Versicherungen berichten, von denen sie Aktien halten. "Über diese Unternehmen dürfen sie nicht schreiben." Föderl-Schmid plädiert für mehr Transparenz. Man könne das nicht auf der einen Seite von Politikern einmahnen und auf der anderen Seite verschließen sich Medien davor. Ein weiterer Punkt sei das Thema Einladungen zu Veranstaltungen oder Pressereisen. "Wo ist hier die Grenze?" In Deutschland hat sich zum Beispiel Gruner+Jahr ein Limit auferlegt, das bei 40 Euro liegt. Ähnliche Schranken wünscht sie sich für Österreich.

Der Wahrheit verpflichtet

"Die Wahrheit muss man schreiben", sagt Helmut Brandstätter, Chefredakteur des "Kurier": "Ich wünsche allen, so unabhängig zu sein wie wir." Brandstätter betonte die redaktionelle Autonomie seiner Zeitung. Auf Eigentümerinteressen müsse die Redaktion keine Rücksicht nehmen, so Brandstätter auf die Frage, ob Ex-Raiffeisen-Boss Christian Konrad die Blattlinie beim "Kurier" diktierte. Es liege im Interesse von Raiffeisen, Qualität zu verbreiten. Der Garant dafür sei redaktionelle Unabhängigkeit.

"Das Wahrheitsmonopol liegt nicht bei der Macht", meint auch Christian Rainer, der als Herausgeber und Chefredakteur des "Profil" ebenfalls Raiffeisen an Bord hat. Über Inserate habe es nie Diskussionen gegeben. Mit Christian Konrad habe er stets nur "offene, inhaltliche Auseinandersetzungen" geführt, sagte Rainer, der später vorzeitig und im Gleichschritt mit Helmut Brandstätter das Podium verlassen musste - um zu Christian Konrad zu eilen. Der jahrelange Raiffeisen-Chef zelebrierte seinen Rückzug von der Spitze des Konzerns mit einem Fest. Anwesenheit wohl erwünscht.

Kein Geld für Reportagen

"Der ökonomische Druck gefährdet die journalistische Qualität", klagt Matthias Karmasin, Leiter des Instituts für Medien- und Kommunikationswissenschaft in Klagenfurt. Das straffe finanzielle Korsett spiele eine viel größere Rolle als politische oder inhaltliche Einflussnahme auf Medien, berichtet Karmasin von einer internationalen Studie über den Status Quo von Medienhäusern. "Wo ist etwa die Reportage geblieben?" fragt Karmasin, um gleich die Antwort zu geben: "Es fehlt am Geld." Verlage könnten sich wochenlang recherchierende Redakteure nicht mehr leisten. Die Presseförderung, etwa, werde reduziert statt erhöht. Ein Instrument für Medienvielfalt, das viel stärker mit qualitativen Kriterien verknüpft gehöre.

Als Qualitätszeitung in der Nische definieren sich auch die "Vorarlberger Nachrichten". "Wir wollen nicht von Schwarzach aus die internationale Politik erklären", sagt Christian Ortner, Chefredakteur des Blatts. Mit Zeitungen wie STANDARD oder Presse könne man nicht konkurrieren, dieser Anspruch werde ohnehin nicht verfolgt. Den "Erfolg in der Nische" bringe die Spezialisierung auf regionale Inhalte.

In Ausbildung investieren

Mehr Qualität durch bessere Ausbildung von Journalisten wünscht sich Michael Lang, Chefredakteur der APA. "Wir haben zu wenige Mittel dafür", kritisiert er. Mit ökonomischen Zwängen seien auch Nachrichtenagenturen konfrontiert. "In den vergangenen drei Jahren haben wir 65 Redakteure angestellt." Nicht ganz freiwillig, denn freie oder pauschalierte Mitarbeiterverträge mussten aufgrund des Drucks der Gebietskrankenkasse in Angestelltenverhältnisse umgewandelt werden. Wie kompensiert man solche Mehrausgaben? "Andere Geschäftszweige wurden aufgemacht, um die Redaktion zu finanzieren."

Ein zunehmender Druck auf Redaktionen komme auf postalischem Wege, moniert STANDARD-Chefredakteurin Föderl-Schmid. Nämlich Briefe von Anwälten. Solche Einschüchterungsversuche seien der Nebeneffekt von Qualitätsjournalismus und der Aufdeckung von Skandalen. Es gehe zwar nicht immer gleich um Klagen, man müsse sich aber damit auseinandersetzen. "Das bindet Ressourcen, das kostet Geld." Als Beispiel nennt sich die Berichterstattung um die Hypo Alpe Adria.

Eine Entwicklung, die auch Christian Rainer vom "profil" bestätigt. Alleine Meinl habe zwölf bis 15 Millionen Euro in die Verfahren gegen Medien investiert. Eine Summe, die stimmen dürfte, meint Rainer. "profil" habe darüber berichtet und wurde dafür noch nicht geklagt.

Hoffnung Presseförderung

Für Herbst hat die Regierung die "Presseförderung neu" avisiert. Digitale Medien sollen einbezogen werden. Für den "Kurier" kann es nicht schnell genug gehen. "Wir Printmedien sind alle auch elektronische Medien geworden", sagt Brandstätter, der beim Volumen der Förderung Druck auf die Regierung ausüben möchte. Vor allem in Hinblick auf das Forcieren von Qualität. "Dreck verkauft sich nicht", so Brandstätter in Richtung "Österreich". Die Konsequenz: es müsse gratis verteilt werden. (Oliver Mark, derStandard.at, 4.5.2012)

Zum Thema
"Eigentümerpflege" gehört zu Christian Rainers "Hauptaufgaben" - Zitate vom "Tag des Qualitätsjournalismus"

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""Ich weiß nicht einmal, wie viel ein Inserat kostet.""

LOL! Entweder verschaukelt sie uns, oder sie weiß es wirklich nicht, dann ist es Naivität..

man sollte auch klar festhalten

dass die leser immer mehr verdummen. nur dadurch konnten "zeitungen" wie heute und österreich auf den markt kommen.

leider alle Abhängig

- Kurier, Profil, Format v Raiffeisen - und stark von Inseraten (Format angeblich 60% der Artikel über Anzeigen gefördert! es gilt die Unschuldsvermutung)
- Österreich, Heute von den Infrastrukur-Inseraten von Fayman & Co
- Heute darf nix relevantes gegen SP und Stadt Wien sagen, sonst verliert sie die exklusive Vertriebsmöglichkeit in der U-Bahn - das wäre tödlich!
- der Standard, die Presse - beide abhängig von Inseraten aus Wirtschaft, Kultur und Politik. Vor allem über Beilagen und Druckkostenbeiräge finanziert. Und ausserdem verlieren sie privilegierten Zugang zu Informationen oder Privilegien wie zB Diplomatenpässe für ihre Journalisten (aber die sind eh schon weg...)

Leider alle irgendwie abhängig....und so schauts auch aus :-(

Amüsant nach dem ...

... mit dem neuen Chef von Raiffeisen NÖ am Samstag. Das las sich wie sonst in der Postille der Raika selbst. Frage: "Sie haben zuletzt auch von Börseplänen in der jungen Sparte erneuerbare Energie gesprochen. Dort wurde bisher Eigenkapital in Höhe von rund 50 Millionen Euro in verschiedenste Projekte investiert. Welche kritische Masse müsste erreicht sein, um eine Börsenstory erzählen zu können?" ... und so ging es weiter. Motto: Bestell dir deine Fragen.
Ist das die Unabhängigkeit a la Brandstätter?

Kurier unabhängig?

....ist das eh nicht Brandstätters Ernst? Die Rache der LESER ist das Archiv! Kleines Beispiel: nachdem die Jagd und manch Jäger unlängst in Bedrängnis geriet,
welche Medienerzeugnisse berichteten wohl vom - sowieso unbestrittenen! – Nutzen der Jagd im Allgemeinen? Aufmacher, Doppelseiten, Interviews?
Der Kurier war, entgegen sonstigen Gepflogenheiten, die Nummer 1. So unabhängig ist der Kurier. Waidmanns Heil!

na ja

der standard nennt sich links-liberal, hat also einen politischen bias bezüglich seines veröffentlichten meinungsjournalismus. genau so die presse, nur konservativ bürgerlich. anders die echten qualitätszeitungen, wie DIE ZEIT, NZZ oder HERALD TRIBUNE. die sind unabhängig im wahren sinn und nicht der schreibende blinddarm der politischen klasse, die für inserantengeld und freindalwirtschaft das manderl machen.

In Österreich ist keine....

.....Zeitung unabhänig. Und keine Zeitung ist eine qualitätszeitung. Leider.

S.g. Herr Brandstätter. Wie kann eine Tageszeitung wie der Kurier, in dem u.a. die Raiffeisen-Holding ordentlich das sagen hat, unabhängig sein.
Das Wort "unabhängig" verträgt sich nicht mit dem Wort "Raiffeisen".

An der Spitze der Wertepyramide, als Erstes Gebot....

...steht heutzutage die Verzinsung des eingesetzten Kapitals - des Eigenen und, zunehmend, i des fremden. Das gilt auch für die Presse - wenn sie' s auch nicht gern hört und zugibt.

"Helmut Brandstätter, Chefredakteur des "Kurier", diskutierte über Qualitätsjournalismus."

Gregg Popovich, Vorsitzender des Verbands Promiskuitiver Österreicher, diskutiert über den Wert von Treue in monogamen Beziehungen.

"Als Qualitätszeitung in der Nische definieren sich auch die "Vorarlberger Nachrichten". "

Dickes fettes *ROFL*
Genau das Gegenteil ist der Fall :)

kurier und qualitätsjournalismus, haha, die krone im hochformat. der kurier war das letzte mal vor über 20 jahren lesenswert, als boulevard im kurier noch nicht wirklich ein thema war.

tja

und ich finde es komisch, dass ein standard redakteur vom faymann zum politsoldaten für die wiener zeitung ernannt wurde.

"Dreck verkauft sich nicht" - da hat er recht der Brandstätter

"Österreich" bleibt "heute" selbst im Zielpunkt bei freier Entnahme liegen...

also ich würde für das raika blatt auch kein geld zahlen

Helmut Brandstätter

Der und Qualitätsjournalismus... ?

Da kann ich nur lachen. Ein bornierter selbstüberzeugter Kleingeist ist er.

Vllt liegt's ja an mir, aber ich kann ihn schlicht und ergreifend nicht ausstehen.

Brandstätter "Die Wahrheit muss man schreiben!"

Der Leiter vom CIA-Blatt?
Unglaublich, wie unverschämt manche Menschen geworden sind.

hat der CIA nur auf einem Blatt die Fingern drauf? - das glauben sie doch selbst nicht.

Herr Ortner bezeichnet seine VN doch tatsächlich als Qualitätsmedium lol
Höchstens bei den Todesanzeigen...

es gibt keine gratiszeitungen

aber es gibt zeitungen bei denen der leser nicht direkt im kiosk bezahlt sondern über den umweg seiner lohn-oder einkommenssteuer.

diese zeitungen erkennt man an inseraten wie z.B. : fahren sie nur auf asfinag autobahnen, asfinag autobahnen sind die besten........

eine zeitung die sich einmal auf dieses spiel eingelassen hat, braucht man redaktionell nicht mehr unter druck setzen, da alle beteiligten wissen: bist du freundlich (kritiklos) bleiben meine werbegelder, bist du unfreundlich (kritisch) ziehen meine werbegelder weiter.

wie recht sie haben, da nützt es auch nichts wenn wir Konsumenten von Wien Ernergie auf Verbund umsteigen und dazu noch fest GIS zahlen.

nein

das passiert umgekehrt: die tauchen auf und drohen offen damit, dass sie gegen dich schreiben, wennst nicht kaufst.

Exakt!

Manchmal, wenn ich wieder wo Fellner oder Dichands sehe, fällt mir immer wieder der Imre Bekessy ein:
http://de.wikipedia.org/wiki/Imre... C3%A9kessy
Der hatte es auch auf zweifelhafte Weise Inserate gekeilt! Scheinbar haben manche von ihm gelernt.

Ortner kann nicht nur internationale Politik nicht erklären. Er liegt eigentlich mit allem immer daneben.

Ich muss beim lesen seiner Zeilen oft an ein trotziges kleines Kind denken.

Sie meinen wahrscheinlich den anderen Christian Ortner.

Vorarlberger Nachrichten:
http://vn.vol.at/buergerforum

Der andere:
http://tinyurl.com/336glor

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