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"Einfachheit" lautete sein Schlachtruf: Henry David Thoreau zog sich zwei Jahre in eine einsame Hütte zurück.
Wien - Der amerikanische Literaturnobelpreisträger Sinclair Lewis hielt ihn für "einen der drei oder vier wirklichen Klassiker der amerikanischen Literatur" und sah in ihm, wie später auch Henry Miller, eine "Ein-Mann-Revolution". Anderen gilt Henry David Thoreau wahlweise als "individueller Sozialist", als Drückeberger, Aussteiger, Neinsager oder als Vorreiter der Ökologiebewegung.
Thoreaus Förderer Ralph Waldo Emerson, der ihn mit seiner Schule des Transzendentalismus (Recht des Einzelnen zur freien, von keiner gesellschaftlichen Konvention eingeschränkten Entscheidung und Natur als Norm) nachhaltig beeinflusste, prophezeite 1862 in seinem Nachruf: " Unser Land ahnt noch nicht oder auch nur annähernd, welch großen Sohn es verlor."
Emerson sollte, was die Wirkungsgeschichte von Thoreaus Werk betrifft, recht behalten - auch wenn dieser mit wenigen Ausnahmen kaum über seine Geburtsstadt Concord hinauskam. Die Bücher dieses Pioniers, der zu Hause blieb, um geistiges Neuland zu erschließen, beeinflussten so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Gandhi, Tolstoi, W. B. Yates und Martin Luther King. Thoreaus Essaybände Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat (1849) und Walden oder Leben in den Wäldern (1854) wurden in der Résistance ebenso gelesen wie von Vietnamgegnern oder Steuerverweigerern der 1980er-Jahre.
Seine Aktualität ist bis heute ungebrochen. Zu tun hat sie - auch - mit seinem Widerstand gegen die Ausrichtung der Gesellschaft nach materialistischen Grundsätzen, die dem Wachstum alle anderen Werte unterordnet. Geboren 1817, hatte er sich aus Protest gegen den Eroberungskrieg gegen Mexiko und wegen der Haltung der Vereinigten Staaten zur Sklaverei geweigert, Kopfsteuer zu zahlen - und kam ins Gefängnis. Im Ungehorsamkeits-Buch, das er dort in einer Nacht schrieb, rief er zum passiven Widerstand gegen die Staatsgewalt auf, stellte das Gewissen des Individuums gegen den Mehrheitsbeschluss und das Rechtsgefühl des Einzelnen gegen das Gesetz. In Walden ruft er ähnliche Fragen auf: Wo ist das Leben? Wie erlange ich wirkliche Freiheit? Wie entgeht man der Knechtschaft durch Zins und Schuldendienst?
Nachdem Thoreau in Harvard Sprachen, Mathematik und Botanik studiert hatte, begab er sich zunächst in den Schuldienst, schied allerdings aus, weil er sich weigerte, von der "unerlässlichen Züchtigung" der Zöglinge Gebrauch zu machen. Nach dem Tod seines Bruders John, mit dem er eine Privatschule führte, arbeitete Thoreau in der väterlichen Bleistiftfabrik, die er durch die Entwicklung einer verbesserten Graphitmine zum amerikanischen Marktführer machte. In diese Zeit datiert auch die Bekanntschaft mit Emerson. Nach ersten Veröffentlichungen in dessen Zeitschrift The Dial beschloss er, Schriftsteller zu werden. Am Unabhängigskeitstag des Jahres 1845 bezog er deshalb für zwei Jahre, die er in Walden schildert, eine selbstgezimmerte Hütte in der Einsamkeit des Waldensees bei Concord. Neben stupenden Naturschilderungen, die seinen Ruf als großer Stilist begründeten, beschäftigten ihn vor allem Fragen der Ökonomie: "Einfachheit, Einfachheit, Einfachheit!" lautete sein Schlachtruf. Man müsse das Leben vereinfachen, um ihm eine würdigere Zielsetzung zu geben. Der Gier sei Geist, also das " Schießpulver der Seele", entgegenzusetzen.
Sein Walden-Experiment brach Thoreau nach zwei Jahren ab. Den Rest seines Lebens schrieb er weiter an seinem Tagebuch, publizierte, hielt Vorträge und verdiente Geld als Landvermesser. Den Ausbruch des amerikanischen Bürgerkriegs 1861 erlebte er gerade noch mit. Er werde, so der tuberkulosekranke Autor, nicht wieder genesen, "dieses Land macht mich krank".
Walden liegt in verschiedenen deutschen Übersetzungen etwa bei Diogenes und Menasse vor. Ebenfalls bei Diogenes erschien ein von Helmut Qualtinger gesprochenes Hörbuch und eine zweisprachige Ausgabe von "Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat". (Stefan Gmünder, DER STANDARD, 5./6.5.2012)
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Die Politea ist immerhin Platons Hauptwerk, worin er Zuchtauslese fordert (für den Menschen wohlgemerkt), die Vernichtung von lebensunwertem Leben, eine strikte Wehrertüchtigung des jungen Menschen, das Verbot des verweichlichenden Theaters, Zensur von Homers Ilias, da um Kriegsopfer weinende Helden ein schlechtes Beispiel abgeben, die Gliederung der Gesellschaft nach Kasten, etc. etc...
Henry David Thoreau war wohl auch so einer, der vor den düsteren Flecken in Platons Philosophie die Augen verschloss. Was nicht für ihn spricht!
erstens reduzieren Sie platon auf für seine philosophie irrelevante anachronismen die aus Ihrem historischen kontext zu verstehen sind, und reihen sich damit zweitens unter jene ein die ihm demokratiefeindlichkeit vorwerfen, ohne zu berücksichtigen daß die damalige demokratie mit der heutigen kaum etwas gemein hatte - so sind unter anderem ämter durch das los verteilt worden.auch haben Sie den utopischen charakter der politea offenbar zugunsten einer wörtlichen umsetzung verdrängt.da Sie in der philosophie ohnehin nicht sonderlich bewandert sein dürften sollten Sie besser beim höhlengleichnis bleiben, oder beim symposion, auch phaidros ist ohne jede voraussetzung zu verstehen (wobei auch diese texte wörtlich nicht zu verstehen sind).
Unmenschlichkeiten sind Unmenschlichkeiten und müssen auch so genannt werden.
Da Sie ja in der Philosophie bewandert sind, wissen Sie, dass es auch zur Zeit Platons massive Kritik an seinem Autoritarismus und seiner Metaphysik gab.
Jemanden wie Platon einerseits als größten Denker, der das Göttliche geschaut haben soll, zu bezeichnen, anderseits ihn aber damit zu entschuldigen, dass er auch nur ein trivialer Zeitgenosse war, ist nicht sehr klug.
Nein, Platon war ein Konservativer, ein Machtmensch, ein Ideologe. Deshalb hat er auch die Zeit überdauert und wird noch heute verehrt und gelobt, im Gegensatz zu Thoreau etwa.
das einzige was hier totalitär zu nennen wäre, ist Ihre idee aus einer leidenschaft für platon könne man jemandem einen strick drehen.derartige vereinfachungen sind in der heutigen zeit sehr viel bedenklicher als noch die bedenklichste passage in der politea.so, jetzt les ich noch ein wenig ezra pound, denn
ich bin faschist.
"The merchants and company have long laughed at transcendentalism, higher laws, etc., crying 'None of your moonshine,' as if they were anchored to something not only definite, but sure and permanent. If there was any institution
which was presumed to rest on a solid and secure basis, and more than any other represented this boasted common sense, prudence, and practical talent, it was the bank; and now those very banks are found to be mere reeds shaken by the wind. Scarcely one in the land has kept its promise. . . . But there is the moonshine still, serene, beneficent, unchanged." Walden, Introduction p. x/xi (Longman's English Classics).
Die bei Diogenes erschienene Uebertragung ist wesentlich lesbarer als die bei Manesse publizierte.
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