Was Karriereträume platzen lässt

4. Mai 2012, 17:10
4 Postings

Können hat auch eine Verhaltensseite. Und die ist es oft, die Entwertungsarbeit leistet und Karriereträume schnell zum Platzen bringt

Am wirkungsvollsten falsch verhalten kann man sich, wenn man weiß, wie man sich eigentlich richtig zu verhalten hätte. Wer hier bei sich noch Defizite vermutet und dazu in der Tiefe seiner Seele auch am Sinn des Karrieremachens zweifelt, sollte unbedingt zu einem famosen Schnellkurs in Verhaltenspsychologie greifen, der im Verlag Klett-Cotta erschienen ist. Doch Vorsicht, die Autoren sind listig, tatsächlich wollen sie dem Leser auf paradoxe Weise die sozial relevanten Umgangsqualitäten schmackhaft machen.

Der Name Macchiavelli wird gemeinhin mit rücksichtsloser Machtpolitik unter Ausnutzung aller Mittel verbunden. Doch neuesten Erkenntnissen zufolge wird man dem Florentiner damit nicht gerecht. Inzwischen geht die Tendenz dahin, in ihm einen der bedeutendsten Staatsphilosophen der Neuzeit zu sehen. Also denn, Niccolò Macchiavelli: "Nur die Mittel sind gut, zuverlässig und von dauernder Wirkung, die allein von dir selbst, von deiner Kraft und deinem Können abhängen." Wie wahr, wie zeitlos wahr. Bedauerlich nur, dass vor allem Letzteres in der Regel ein wenig zu einseitig interpretiert wird, als fachliches Können.

Die Verhaltensseite

Doch "Können" hat auch eine Verhaltensseite. Und häufig ist es gerade diese in ihrer Wirkungsmacht so unterschätzte Seite, die für die schlimmsten Entwertungsarbeiten am fachlichen Können und das Zerplatzen der schönsten Karriereträume sorgt. Karriereberater berichten gern davon, dass das vielen selbst dann noch nicht wirklich bewusst wird, wenn sie sich grün und blau über die Bevorzugung eines Konkurrenten bei der Besetzung eines begehrten Postens ärgern.

Doch muss das Kind immer erst in den Brunnen fallen? Schön und gut, jeder ist letztlich nun mal so gestrickt, wie er von dem, was er mit auf den Weg bekommen hat, und der Umwelt, in der sie oder er aufgewachsen ist, gestrickt ist. Nur, eine absolute Zwangsjacke ist das sich daraus ergebende Verhalten nicht.

Wer könnte das besser wissen als der Diplompsychologe und Verhaltenstherapeut Professor Rainer Sachse, der Klinische Psychologie an der Ruhr-Universität Bochum lehrt. Und seine Fach- und Universitätskollegin Annelen Collatz, die neben ihrer Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät für Psychologie der Ruhr-Universität als Coach und Eignungsdiagnostikerin tätig ist. Und so haben sie sich der vertrackten Sache mit dem Verhalten angenommen und einen ganz famosen psychologischen Miniratgeber im taschentauglichen Format geschrieben. Ganz nach dem trefflichen Goethe-Motto aus dem Faust; "Das Was bedenke, mehr bedenke Wie". Und ganz aus dem Wissen heraus, dass in der Missachtung dieses verflixten Wie die Schlüssel zu unzähligen Flops liegen.

Wissen & Nutzen

Um das nun auch wirklich unübersehbar herauszuarbeiten, greifen die beiden zu einem Trick, der "erheitern, anregen und zum Nachdenken" bringen soll: Sie erläutern zunächst die zwischenmenschlich steuernden, also die beziehungsrelevanten psychologischen Faktoren, die man in nennenswertem Ausmaß beeinflussen kann. Und weisen sodann darauf hin, dass man sich bei denen entscheiden kann, ob man sie in konstruktiver Weise berücksichtigt (und eventuell durch Coaching oder Therapie noch weiter entwickelt) oder ob man dieses Wissen dafür nutzen will, systematisch andere vor den Kopf zu stoßen, um sich auf diese Weise selbst zu desavouieren und die eigene Karriere ordentlich in den Sand zu setzen.Therapeutisch gesprochen verbirgt sich hinter diesem Vorgehen eine paradoxe Intervention, also die Aufforderung, genau das Gegenteil von dem zu tun, was eigentlich erreicht werden soll.

Ziel der Übung ist, die Funktion und die Steuerbarkeit von problematischem Verhalten bewusstzumachen. In unserem Fall also das oft, zu oft den eigenen Interessen zuwiderlaufende, weil andere abstoßende Auftreten. Und so geben Sachse und Collatz in paradoxer Manier zu bedenken: "Überlegen Sie es sich gut, wenn Sie der berufliche Erfolg verwöhnt, stehen Sie oben auf der Karriereleiter ganz allein. Wollen Sie das wirklich? Damit es erst gar nicht so weit kommt, helfen wir Ihnen gerne beim sicheren und vor allem schnellen Abstieg."

Dieses Versprechen lösen die beiden so herzerfrischend und so gekonnt und in so wohltuender Kürze ein, dass es schon eines ganz hartgesottenen Verhaltensmuffels bedarf, um Sachse und Collatz' Botschaft von sich abprallen zu lassen: Können und Verhalten gehören zum Karrieremachen. Begreift das doch endlich! Und macht damit euch selbst und anderen das Leben weniger schwer. Diese Botschaft in zehn knackigen kleinen Kapiteln so humorvoll und gleichzeitig so fundiert und facettenreich "rüberzubringen", das verdient Respekt. Und ganz viele Leserinnen und Leser! Erstaunlich, wie diese paradoxe Vorgehensweise wachrütteln und einen sensibilisierten Blick auf das eigene Verhalten lenken kann. (Hartmut Volk, DER STANDARD, 5./6.5.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Karriereträume sind filigran wie Seifenblasen.

Share if you care.