Kostspielige Sexkriege

Kolumne4. Mai 2012, 20:27
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Destruktives Verhalten der Putzfrau

Übertriebene Sauberkeit und möglicher Sex vertragen sich oft nicht gut. Genauso wie auch auch übertriebener Sex und mögliche Unsauberkeit. Eine interessante Variante wurde mir aber erst kürzlich von einer Bekannten unterbreitet: Eine Putzfrau hatte deren Sexleben zum Erlahmen, wenn nicht überhaupt ganz zum Erliegen gebracht. In weiterer Folge sogar unsere Freundschaft, und das ging so: "Ich muss mit dir reden," hatte sie mir eröffnet.

Nun saßen wir in meinem Wohnzimmer, tranken Tee, der Hund lag zusammengerollt unter dem Tisch und döste. "Es ist furchtbar." Meine schnell auftauchenden Fantasien in Bezug auf Ehemannentsorgung oder -entzug durch die Raumpflegerin verneinte sie zügig. Sie hätte im Augenblick keinen. Die Putzfrau hingegen schon, fügte sie neidlos hinzu. Das wäre auch nicht das Problem.

Einmal in der Woche käme die Putzfrau, eine liebe, wenn auch streng gläubige, wie sich bald herausgestellt hätte. Alles sei die ersten vierzehn Tage nach Beginn des Arbeitsverhältnisses wunderbar gewesen. Doch eines Abends griff die Freundin in ihr Nachtkästchen und fand kein einziges Sexspielzeug mehr darin. Die Spielkiste war völlig leer. Sie dachte an einen Zufall, suchte erst im Badezimmer, dann im Schrank, schließlich sogar im Vorraum. Erfolglos. Sie kaufte nach.

Nach dem nächsten Putzfrauenbesuch war die Lade erneut leer. So begannen die wochenlangen und recht kostspieligen Sexkriege. Sie erwarb grimmig Vibratoren, Gleitgel und Lust- kugeln, ließ sie offen herumliegen. Sie verschwanden der Reihe nach wieder. Sie kaufte die Bestände erneut und versteckte sie diesmal. Sie verschwanden ebenfalls. Die Putzfrau sah ihr firm in die Augen und schwieg.

Die Freundin schwieg ebenfalls und ließ sich nicht davon abbringen, die Schrankverstecke unermüdlich nachzufüllen. "Ich lasse mir meinen Vibrator nicht nehmen!", rief sie. Mein Hund erwachte und kam aufgeregt zu ihr gelaufen. "Ich habe ein Recht auf meinen Vibrator!"

Das Tier brach in ungekünstelte Begeisterung aus. Sie sah mich seltsam an. "Ich weiß, dass ich komisch bin", sagte sie, "aber du bist ja krank. Wieso freut sich dein Hund, wenn man Vibrator sagt?" Der Hund führte uns eifrig eine kleine Ode an die Freude vor. "Vibrator", sagte ich testhalber. Der Hund sprang leuchtenden Auges erwartungsvoll an mir hoch. Meine Freundin wirkte misstrauisch. Unser Verhältnis war in kurzer Zeit ein wenig zerrüttet worden.

Lange nachdem sie fort war, fiel mir ein, dass ich unsere ausgedehnten Spazierrunden im Grünen täglich mit einem genuschelten "Prater, Gassigehn! In Prater!" einläutete. Aber da war es leider längst zu spät. (Julya Rabinowic, Album, DER STANDARD, 5./6.5.2012)

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