Druckausgleich vor dem Gipfeltreffen

4. Mai 2012, 17:42
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Die 33. Runde könnte eine Vorentscheidung um den Titel bringen. Rapid, der Zweite, empfängt Red Bull Salzburg, den Ersten. Das verbale Spielchen davor ist eher leise, die Bedeutung wird von den Trainern Peter Schöttel und Ricardo Moniz fast ignoriert. Das hat mit Taktik zu tun.

Wien - Rapids Trainer Peter Schöttel verbringt keine schlaflosen Nächte, er kaut weder Finger- noch Zehennägel, bleibt ansprechbar. Natürlich ist es Teil des Jobs, vor einem Fußballspiel angespannt zu sein. Zum Beispiel vor jenem am Sonntag im ausverkauften Hanappi-Stadion gegen Red Bull Salzburg: "Spiel des Jahres ist ein völliger Unsinn. Das weiß man, wenn überhaupt, erst nachher. Aber die Konstellation ist sicher sehr interessant. Wir haben die Möglichkeit, die Meisterschaft spannend zu halten."

Fußball ist auch Mathematik, die Rechnung schaut so aus: Salzburg hat vier Runden vor Schluss drei Punkte Vorsprung. Im Falle eines Sieges wären es sechs. Schöttel: "Dann gratuliere ich ihnen zum Titel. Vielleicht nicht gleich nach dem Abpfiff, aber ein paar Tage später." Im Falle eines Unentschiedens bliebe der Abstand logischerweise unverändert. Schöttel: "Dann hätte sich der Vorteil für Salzburg vergrößert, aber wir wären fast fix in der Europa League. Auch nicht schlecht."

Nervenkitzel

Ein Sieg von Rapid ergäbe einen Gleichstand, den ultimativen Nervenkitzel. Schöttel ist sich einer unabdingbaren Folge bewusst: "Dann wären wir mit dem Wort Meister konfrontiert. Macht nichts. Ein Sieg gegen Salzburg könnte Kräfte mobilisieren. Im Spiel gegen Salzburg brauchen wir jedenfalls sehr viel Kraft." Die Mannschaft sei hoch konzentriert, "es wird sehr konkret gearbeitet. Sie halten zusammen. Die Aufgabe ist einfach nur schön."

Man könnte das öde Spielchen von den zwei Welten im österreichischen Fußball spielen. Hüben das angebliche Kunstprodukt von Red Bull, drüben die tatsächliche Tradition aus Hütteldorf. Schöttel setzt aus, er lehnt Langeweile ab. "Sie sind halt der Ligakrösus, na und. Natürlich sind sie qualitativ besser besetzt als wir, alles andere wäre ja unlogisch."

Tradition und Kampfeswillen als Trumpf

Es ist insofern nicht unwitzig, als ausgerechnet Salzburgs Trainer Ricardo Moniz "die große Tradition und den Kampfeswillen von Rapid" fürchtet. Das Geld von Dietrich Mateschitz schreckt ihn weniger. Moniz reduzierte die Bedeutung der Partie nahezu aufs Minimum. "Ein wichtiges Spiel, kein Endspiel. Nur ein nächster Schritt, nicht mehr, nicht weniger. Wir müssen hellwach sein, Chancen kreieren und nützen." Fußball basiere auf "Intelligenz und Selbstvertrauen", Salzburg besitze beides, mit dem Einzug ins Cupfinale gegen Titelverteidiger Ried und dem möglichen Double habe das aber nur am Rande zu tun.

Der Niederländer geht davon aus, dass für den zuletzt überragenden Jakob Jantscher ein Sonderbewacher abgestellt wird. Schöttel könnte den Kollegen schwer enttäuschen. "Jantscher ist im Frühjahr zwar großartig, aber die totale Konzentration auf ihn wäre ein großer Fehler. Die haben viele gute Leute."

Auch ein bisserl Physik

Rapids Schlüsselspieler ist eindeutig Kapitän Steffen Hofmann. "Er ist wieder dominant. Es gibt zwei Rapid-Mannschaften, eine mit Hofmann, eine ohne Hofmann. Beide haben Qualitäten, mir ist die mit Hofmann aber schon lieber", sagt Schöttel.

Der Fußball ist nicht nur Mathematik, sondern auch ein bisserl Physik, es geht gerade vor Schlagerspielen um die Verteilung des Drucks. Keiner will ihn haben, das ist wiederum Psychologie. Hofmann gibt ihn ab: "Wir wollen Meister werden, Salzburg muss Meister werden." Moniz schickt den Druck prompt retour: "Rapid hat den größeren Druck. Weil wir mehr Punkte haben." Schöttel weiß, "dass es darum eigentlich nicht geht. Es gehört zum Spielchen. Von mir aus haben beide Druck. Oder keiner."

Svento und Jantscher

Es ist von einer niveauvollen Partie auszugehen. Die bisherigen drei Saisonduelle waren recht packend und ausgeglichen (je ein Heimsieg, ein Remis). Rapid möchte auf alle Fälle aggressiv beginnen, physischen Druck erzeugen. Damit die Zuschauer, die eigentlich eh schon da sind, stimmlich mitgenommen werden. Laut soll es werden.

Der Salzburger Dusan Svento, zuletzt fast so auffällig wie Jantscher, möchte allerdings für Ruhe sorgen. "Wir sind in allen Belangen und Bereichen die beste Mannschaft in Österreich. Nur abrufen müssen wir es." Schöttel: "Genau darin liegt immer die Schwierigkeit."(Christian Hackl, 05./06. Mai 2012)

SK Rapid Wien - Red Bull Salzburg

Hanappi-Stadion, Sonntag, 16.00 Uhr, live ORF eins und Sky, SR Schörgenhofer

Bisherige Saisonergebnisse: 0:0 (a), 4:2 (h), 1:3 (a)

Rapid: Königshofer - Schimpelsberger, Sonnleitner, Pichler, Katzer - Heikkinen, Kulovits - G. Burgstaller, Hofmann, Grozurek - Alar

Ersatz: Novota - Soma, Patocka, Schrammel, Thonhofer, Drazan, Nuhiu, Gartler

Es fehlen: Prokopic (verletzt), Prager, Trimmel (beide gesperrt)

Salzburg: Walke - Schwegler, Schiemer, Hinteregger, Ulmer - Leitgeb, Mendes, Svento - Leonardo, Maierhofer, Jantscher

Ersatz: Gustafsson - Sekagya, Douglas, Zarate, Lindgren, Cristiano, Teigl, Soriano

Es fehlen: Pasanen, Alan (beide verletzt)

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    Peter Schöttel gibt den Druck an Ricardo Moniz weiter, der will ihn aber auch nicht haben. Beide erwarten ein intensives Match. Rapid setzt auf den Heimvorteil. Salzburg wiederum möchte den Auswärtsnachteil mit höherer Klasse wettmachen.

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