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Algier - Vor den algerischen Parlamentswahlen, die am kommenden Donnerstag stattfinden, hat sich das islamistische Lager des nordafrikanischen Landes nicht auf gemeinsame Listen verständigen können. Von den insgesamt 44 wahlwerbenden Parteien - 21 wurden erst kurz vor Beginn der Wahlkampagne im April gegründet - sind sieben religiös ausgerichtet. Im bisherigen Parlament stellten die islamistischen Parteien 60 der 389 Abgeordneten.
Die gemäßigt islamistische "Bewegung für eine Gesellschaft in Frieden" (MSP) hatte im Jänner die Regierungskoalition verlassen und mit den Parteien Ennahda und El Islah das Bündnis "Grünes Algerien" gebildet. "Unsere Allianz wird stärkste Kraft in der neuen Volksversammlung", erklärte MSP-Sprecher Kamel Mida am Freitag in Algier. Er rechne mit "mindestens 120" Sitzen in dem neuen Parlament, das aus 462 Abgeordneten bestehen wird. Als radikalste religiöse Gruppe wird die "Front für Gerechtigkeit und Entwicklung" (FJD) angesehen, deren Führer Abdallah Djaballah die Losung ausgegeben hat: "Das algerische Volk ist muslimisch."
Hunderttausende Tote
Der Chef der aus der algerischen Unabhängigkeitsbewegung hervorgegangene ehemalige Einheitspartei FLN (Nationale Befreiungsfront), Abdelaziz Belkhadem, rechnet damit, dass alle islamistischen Parteien zusammen zwischen 35 und 40 Prozent der Stimmen bekommen werden. Nach dem Bürgerkrieg der 1990er-Jahre werde es keinen islamistischen Erdrutschsieg mehr geben, sagte er. Um den Sieg der Islamischen Heilsfront (FIS) bei den ersten pluralistischen Wahlen in Algerien Ende 1991 zu verhindern, hatte das Militär den Urnengang abgebrochen, den Ausnahmezustand verhängt und die islamistische Partei verboten. Dies führte zu einem mehrjährigen Bürgerkrieg mit schätzungsweise mehr als 200.000 Toten.
Die FLN hatte bisher 136 der 389 Abgeordneten; sie bildet zusammen mit der "Nationaldemokratischen Sammlungsbewegung" (RND) (62 Abgeordnete) von Premierminister Ahmed Ouyahia die Regierung. Algeriens älteste Oppositionspartei, die "Front der Sozialistischen Kräfte" (FFS), beendet ihren fünfzehnjährigen Wahlboykott. Der Gründer der FFS, Hocine Ait Ahmed (86), lebt im Exil in Genf. Der Veteran des Unabhängigkeitskrieges hatte sich 1963 von der Nationalen Befreiungsfront und dem ersten Präsidenten des Landes, Ahmed Ben Bella, getrennt und die FFS ins Leben gerufen, die ihre Basis in der Kabylei hatte. 1964 zum Tode verurteilt, konnte er flüchten und nach der Liberalisierung 1989 heimkehren. Bei den ersten Mehrparteienwahlen 1991 wurde die FFS zweitstärkste Kraft hinter der Islamischen Heilsfront. (APA, 4.5.2012)
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