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"Brustkrebs bei jungen Frauen ist eine eigene, biologisch abgrenzbare Erkrankung, die dafür maßgeschneiderte Strategien erforderlich macht."
Brüssel - Weltweit erkranken jährlich rund 1,4 Millionen Frauen an Brustkrebs. 450.000 Patientinnen erliegen der häufigsten Krebsart bei Frauen. Doch der Terminus "Mammakarzinom" wird immer fragwürdiger. Es handelt sich vielmehr um ein ganzes Bündel an Erkrankungen mit verschiedensten Charakteristika, hieß es am Donnerstag bei einer Konferenz europäischer Brustkrebsspezialisten ("Impakt") in Brüssel.
Ein schlagendes Beispiel, so die Europäische Gesellschaft für Medizinische Onkologie (ESMO) in einer Aussendung aus Anlass der Konferenz: "Brustkrebs bei jungen Frauen ist eine eigene, biologisch abgrenzbare Erkrankung, die dafür maßgeschneiderte Strategien erforderlich macht." So zeigte eine Untersuchung von Hatem Azim, Onkologe am Institut Bordet in Brüssel, dass Frauen mit luminalen Tumoren im Alter von 40 Jahren und darunter ein deutlich höheres Rückfallrisiko haben. Das dürfte daran liegen, dass diese Patientinnen deutlich aggressivere Krebsformen entwickeln.
Mammakarzinome bei jüngeren Patientinnen weisen auch andere Gen-Expressionsmuster auf. Laut Azim finden sich beispielsweise in den Tumoren mehr gefährliche Stammzellen, Zellen mit vermehrter Ausbildung von Rank-Liganden (RANKL), die zu häufigerer Entstehung von Knochenmetastasen führen, bzw. andere und mit höherem Risiko einhergehende Genmerkmale aufweisen. Die belgischen Wissenschafter wollen beispielsweise bei jungen Brustkrebspatientinnen testen, ob die Gabe des monoklonalen Antikörpers gegen RANKL, Denosumab, vor der Operation eine Auswirkung auf die Tumorcharakteristika hat.
Effektiv und nebenwirkungsarm therapieren
Über die möglichst detaillierte genetische Analyse von Brustkrebstumoren lassen sich einerseits möglichst effektive und nebenwirkungsarme Behandlungsstrategien für individuelle Patientinnen identifizieren, andererseits bieten sie auch die Möglichkeit zur Entwicklung neuer Therapieoptionen. So konnte Luca Malorni vom Krankenhaus in Prato (Toskana/Italien) zeigen, dass der Gen-Transkriptionsfaktor AP-1 einen Mechanismus darstellt, der zu einer Resistenz von Karzinomen gegen eine antihormonelle Therapie führt. Die Fachleute wollen jetzt erproben, ob man mit einer Blockade von AP-1 eine solche Resistenz überwinden kann.
Bruno Sinn von der Berliner Universitätsklinik Charite und sein Team wiederum untersuchen, ob das MUC1-Gen ein Prognosefaktor für die Wirkung einer Chemotherapie mit bestimmten Zytostatika unmittelbar vor der Operation ist. Ein deutsch-amerikanisches Forscherteam verwendet für solche Aussagen sogar ein Testset von 165 verschiedenen Genen. Die Aktivierungsmuster bei diesen Erbanlagen sollen genauere Aussagen ermöglichen und Risikopatientinnen identifizieren helfen.
In Sachen Onkologie ist in diesem Jahr Wien ein echtes Tagungszentrum: Die ESMO hält vom 28. September bis 2. Oktober im Austria Center ihren Kongress mit bis zu 18.000 erwarteten Experten ab. (APA, 4.5.2012)
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