Reich, reicher, Mac Moneysac

Blog7. Mai 2012, 05:30
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Wir fordern die Krösus-Steuer für das Universum der fiktionalen Superreichen

"Forbes" hat eine neue Liste draußen, und wir haben eine super Idee: die - tata - Krösus-Steuer. Klingt gut, oder? Da hat man doch gleich ein Bild im Kopf: von Fantastilliarden an Moneten. Von fetten Villen mit weiten Balkonen, ach was, Terrassen-Meeren mit überbordendem Grünzeug, Sesseln aus Silber und Strömen aus Champagner. Von Bergen an Golddukaten. Von leuchtenden, edelsteinbesetzten Kronen und anderem prunkvollen Glitzi-Glitzi. Jetzt bräuchte man noch eine Liste, um unsere Krösus-Steuereinnahmen aufrechnen zu können. Was bietet sich da besser an als die "Forbes Fictional 15"?

Wir stellen Ihnen einmal die Nummer eins des Rankings 2012 vor: Smaug der Goldene. Das könnte jetzt schon ein nordostasiatischer Potentat sein oder der König eines längst verschollen geglaubten indigenen Volkes in Südamerika, das die Schätze der Inkas, Azteken und Mayas in einer unterirdischen Höhle seit Jahrhunderten bewahrt und bewacht. Ist er aber nicht. Smaug ist ein Drache. Er ist der Drache aus J. R. R. Tolkiens Buch "Der Hobbit". Und Smaug ist unwahrscheinlich reich.

Keine Fantasie-Vermögen

Die Kollegen von "Forbes" gönnen sich einmal im Jahr ihre "Fictional 15", die Liste der reichsten und wohlhabendsten Figuren aus Film, Fernsehen, Literatur und Comic. Auf die Liste kommt aber nur, wer schon aus seinem Leben zwischen Buchdeckeln oder von der Leinwand herunter für unfassbar gigantischen Reichtum bekannt ist. Aber nach dem Daumen-mal-Pi-Prinzip wird da nicht gerechnet, wie viel Zaster der jeweilige Geldsack hat. Nein, ganz akkurat werden Original-Quellen durchforstet und das Vermögen geschätzt. Anders machen das die Banken oder Börsen schließlich auch nicht. Wenn möglich, werden für die fiktionale Reichen-Liste die Vermögen mit real existierenden Werten verglichen. Dabei kommt heraus, dass die Nummer eins, der Drache Smaug, 62 Milliarden Dollar in Münzen, Juwelen und Antiquitäten besitzt.

Auf Platz zwei hat es sich Mac Moneysac bequem gemacht. Im englischen Original heißt Dagobert Ducks größter Rivale und Minen-Magnat Flintheart Glomgold, was weniger nach einem ramschigen Billigladen klingt als der deutsche Name. Jedenfalls hat Moneysac aka Glomgold damit Dagobert nicht nur vom Thron gestoßen, sondern den Duck auch gleich ganz von der Liste gekickt. Nettovermögen 51,9 Milliarden Dollar.

Bist du bekannt, bist du auf der Liste

Ein bleiches Vampir-Gesicht findet sich auf Rang drei: Carlisle Cullen. Carlisle wer? Na ja, das ist dann wohl die kleine Schwäche der "Fictional 15": Auf der Liste ist vor allem, wer gerade gut im Geschäft ist. Der Vampir-Krösus ist eine Figur aus den Jung- und Nicht-mehr-ganz-so-Jungmädchen-Lieblingsbüchern der "Twilight"-Serie bzw. aus den dazugehörigen Verfilmungen. Muss man nicht kennen, den Carlisle.

Neu auf der Liste ist Tywin Lannister (Platz 12). Was, den kennen Sie auch nicht? Gut im Geschäft ist der nämlich auch. Die US-Erfolgsserie "Game of Thrones" erobert seit circa einem Jahr auch die europäischen Computer- und Fernsehbildschirme. Und Lannister ist ein reicher Lord. Ergo: neu auf der Liste. In derselben Liga spielt Robert Crawley, Erbe mit noch nicht ganz geklärter monetärer Zukunft, aus der britischen Serie "Downton Abbey".

Comic-Superhelden

Jetzt aber Schluss mit all den unbekannten Namen. Neben den Neuzugängen gibt es auch Dauerbrenner und Listenveteranen. Die kommen vor allem aus dem Comic-Bereich. Iron-Man aka Tony Stark zum Beispiel - aktueller Rang fünf. Oder - Bang, Boom, Kazoom - Batman-Mann Bruce Wayne auf Platz acht. C. Montgomery Burns, Atomkraft-Befürworter und Menschenfreund aus der US-Kleinstadt Springfield, Arbeitgeber von Homer Simpson, ist auch ein gern gesehener Gast im fiktionalen Geldsack-Land, derzeit auf Rang 13.

Ganz der Realität kann sich aber auch die "Fictional 15"-Liste nicht entziehen. Genau wie in den Rankings mit den echten echt Reichen finden sich auch im Krösus-Wunderland nur wenige weibliche Protagonistinnen. Immerhin zwei schafften es heuer unter die Top 15: Lisbeth Salander, die Figur aus Stieg Larssons "Millennium"-Trilogie, und Jo Bennett, eine Figur aus der US-Serie "The Office" (in der deutschen Variante bekannt als "Stromberg" - die Serie, nicht die Frau).

Aber zurück zu unserer ursprünglichen Idee: Wir fordern die Einführung einer Krösus-Steuer für alle aus dem "Fictional 15"-Universum! Das geht vielleicht auch schneller als die Einführung einer echten Vermögenssteuer im echten Leben. (Daniela Rom, derStandard.at, 7.5.2012)

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    Captain America ist zwar nicht auf der Liste der fiktionalen Geldmagnaten, aber der junge Mann sieht so aus, als würde er einen guten Kämpfer für unsere Krösus-Steuer abgeben.

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