Richtig getapt ist halb gewonnen

7. Mai 2012, 17:00
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Tapeverbände dienen der Stabilisierung und Verletzungsprophylaxe - Falsch angelegt, erzielt man keinen Effekt

Jeder Profi- und Hobbysportler kennt es: Sporttaping, eine funktionelle Verbandstechnik, die vorbeugend oder als begleitende Therapiemaßnahme nach Verletzungen zum Einsatz kommt. Die einseitig klebenden Pflaster sind nicht elastisch und dienen der Stabilisierung und Entlastung verschiedener Körperregionen.

Für Julia Haberzettl, Sportphysiotherapeutin in der Sportordination in Wien-Alsergrund, gehört das Anlegen von Tapeverbänden zum täglichen Job. Besonders oft setzt sie die Klebestreifen bei Supinationstraumen am Sprunggelenk ein - einem typischen Verletzungsmuster im Laufsport.

"Jeder Football- oder Handballspieler bekommt provisorisch seine Sprunggelenke getapt", erklärt Haberzettl, wie sie Wettkampfsportler vorbeugend vor Überlastungen zu schützen versucht. Handballspieler versorgt sie außerdem häufig mit Tapes an den Fingergelenken, da bei dieser Sportart die Hände hohen Belastungen ausgesetzt sind. Um die Belastbarkeit und Ausdauer von Marathonläufern zu erhöhen, tapt Haberzettl den Bereich der Wadenmuskulatur. Ist der Muskel bereits gezerrt oder einzelne Fasern gar eingerissen, dient die Pflastertechnik als Kompressionsverband.

Bunt und elastisch

Bei Muskelverletzungen verwendet die Expertin auch sogenannte Kinesio-Tapes. Die bunt gefärbten Pflaster sind elastisch und unterscheiden sich aufgrund dieser Eigenschaft in Funktion und Wirkung von herkömmlichen Tapeverbänden. "Ein Kinesio-Tape wirkt sensorisch auf die Mechano-Rezeptoren in der Haut, und diese geben eine Information an das Rückenmark weiter. So kann die Stärke der Schmerzwahrnehmung beeinflusst und gehemmt werden", erklärt Haberzettl die physiologischen Hintergründe. 

Beim Kinesio-Taping geht es nicht primär um die Stabilisierung, sondern um die Regulierung des Muskeltonus. "Entweder wird das Kinesio-Tape voll gedehnt auf die Haut aufgetragen oder auf einen Muskel, der gedehnt wird, während das Tape aufgelegt wird. So kann man die Haut ein bisschen vom darunterliegenden Gewebe wegziehen, so dass sich Flüssigkeiten, die sich aufgrund einer Entzündung oder infolge von Mikro-Verletzungen im Muskelgewebe unterhalb angesammelt haben, abgeleitet werden können", erklärt Haberzettl. Durch die Anhebung der Haut über dem Gewebe kann laut der Expertin außerdem eine Druckentlastung bewirkt werden.

In Haberzettls Sportordination ist die Indikation für Kinesio-Taping ganz unterschiedlich. Unter anderem kommt diese Technik bei Problemen mit der Achillessehne oder bei einem "Tennis-Ellbogen" zum Einsatz. "Mit den Kinesio-Tapes kann man relativ schnell eine Entlastung und Schmerzminderung bewirken. Bei Sehnenüberlastung oder beim Tennis-Ellbogen kann es länger dauern, denn Wunder kann ich auch mit einem Kinesio-Tape nicht bewirken", sagt Haberzettl. Kinesio-Taping ist dabei immer als unterstützende Therapiemaßnahme gedacht, zum Beispiel in Kombination mit einem sensor-motorischen Training.

Der Profi muss ran

Von Eigenmächtigkeit beim Anlegen von Kinesio-Tapes rät die Sportphysiotherapeutin dringend ab. "Beim Anlegen muss beachtet werden, in welcher Position beispielsweise das Sprunggelenk gehalten beziehungsweise in welchem Ausmaß das Tape gedehnt werden muss. Das kann man sich nicht aus irgendwelchen Youtube-Videos herausholen", betont Haberzettl.

Ein falsch angelegtes Tape, egal ob klassischer Tapeverband oder buntes Kinesio-Pflaster, führt zwar zu keiner Schädigung, erzielt aber auch nicht den gewünschten Effekt. "Wenn man das Tape falsch anlegt, wird die Wirkung ausbleiben", so Haberzettl. Auch das Anlegen eines normalen Tapeverbandes sollte man sich daher zumindest einmal von einer Fachperson zeigen lassen. (Güler Alkan, derStandard.at, 7.5.2012)

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    Ein falsch angelegtes Tape ist wirkungslos.

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    Tapes kommen vorbeugend oder als begleitende Therapiemaßnahme nach Verletzungen zum Einsatz .

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