Dienstleister bescheren Leistungsbilanz sattes Plus

4. Mai 2012, 13:34
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Die Exporterfolge der heimischen Dienstleister tragen neben dem einträglichen Reiseverkehr kräftig zum Überschuss von 5,9 Milliarden Euro bei

Wien - Die Exporterfolge der heimischen Dienstleister haben im Vorjahr - neben dem traditionell einträglichen Reiseverkehr - der österreichischen Leistungsbilanz zu einem satten Plus von 5,9 Mrd. Euro verholfen. Das entspricht 1,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Während die Dienstleister einen Überschuss von 14 Mrd. Euro erwirtschafteten, kam es im Güterhandel wegen gestiegener Rohstoffpreise zu einem deutlichen Minus von 7 Mrd. Euro, wobei alleine 3 Mrd. Euro auf gestiegene Öl- und Gaspreise entfielen, geht aus den heute veröffentlichten provisorischen Daten der Nationalbank hervor.

Erstmals haben im Vorjahr die übrigen Dienstleistungen in Summe mit netto 7,3 Mrd. Euro stärker zum Außenhandelsüberschuss beigetragen als der Reiseverkehr mit 6,7 Mrd. Euro. Der Export von sonstigen Dienstleistungen - ohne Reiseverkehr - zog 2011 auf über 30 (2010: 27) Mrd. Euro an, ein Plus von 11 Prozent. Neben Transport und Transithandel waren technologische Dienstleistungen - wie EDV-Dienste, Architektur- und Ingenieurleistungen oder Forschungs- und Entwicklungsleistungen - treibende Kräfte. Beim Reiseverkehr machten die "Exporte" 14,3 (14,0) Mrd. Euro aus. In Summe trugen die Dienstleister also mit 14 Mrd. Euro zur positiven Leistungsbilanz Österreichs bei. Dem standen ein Minus von 7,0 Mrd. aus dem Güterverkehr und -2,1 Mrd. Euro aus laufenden Transfers und +0,9 Mrd. Euro aus Einkommen gegenüber.

Außenhandelsumsätze auf Vorkrisenniveau

Inzwischen haben die Außenhandelsumsätze - Exporte und Importe von Gütern und Dienstleistungen - wieder das Niveau vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise überschritten. Die Exporte stiegen auf 169,2 Mrd., die Importe auf 162,2 Mrd. Euro, das entsprach 110 Prozent des BIP. Die Exportquote stieg auf 56 Prozent. Im internationalen Ranking liegt Österreich auf Platz 29 im Güter- und Platz 21 im Dienstleistungshandel.

Mehr als 50 Prozent der Exporte gingen nach Deutschland, Italien, in die Schweiz und die USA. Auf Deutschland entfiel alleine mehr als ein Drittel der Exporte. Deutlich vorgerückt im Ranking sind Frankreich (5. Stelle), Tschechien (6.), Russland und GUS (10.) sowie China (12. Stelle).

Leichter Anstieg im Reiseverkehr

Einen leichten Anstieg gab es im Reiseverkehr, der netto 6,7 Mrd. Euro nach Österreich spült. Nominell war dies der zweithöchste jemals verzeichnete Wert. Russland ist mit 300 Mio. Euro Ausgaben bereits auf den achten Platz vorgerückt. Die beiden wichtigsten Herkunftsmärkte blieben Deutschland und die Niederlande. Die Schweizer nutzten die Stärke ihrer Währung und rückten auf den dritten Platz vor. Osteuropäische Gäste machten bereits mehr als 10 Prozent der Österreich-Urlauber aus.

Hatte Österreich bis 2002 traditionell einen negativen Leistungsbilanzsaldo, produziere Österreichs Wirtschaft seit damals mehr als es vom Ausland brauche. Der Grund dafür liegt laut Nationalbank in der erfolgreichen Nutzung der Ostöffnung. Die Auslandsverschuldung und somit Abhängigkeit vom Auslandskapital konnte dadurch auf netto 17 Mrd. Euro abgebaut werden.

Österreich trotzt schwierigem Umfeld

Trotz des schwierigen Umfeldes habe Österreich seine Wettbewerbsfähigkeit bestätigt bekommen, sagte OeNB-Direktor Andreas Ittner am Freitag bei einem Pressegespräch in Wien. Für das laufende Jahr 2012 rechnet er wieder mit einem geringeren Leistungsbilanzüberschuss zwischen 1,5 und 2,0 Prozent des BIP. Auch die Exportquote sollte sich heuer laut OeNB-Statistik-Chef Johannes Turner verringern. Der Güterverkehr werde Preiserhöhungen - etwa beim Öl - erst verdienen oder sonstige Kosten reduzieren müssen, begründete Ittner die schlechteren Aussichten. Um nachhaltiges Wachstum zu ermöglichen, sollte die aktuell gute Situation auch für strukturelle Reformen - etwa im Gesundheitsbereich - genutzt werden.(APA, 4.5.2012)

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