Abstieg in den Daten-Bunker von Kapfenberg

Ansichtssache | Zsolt Wilhelm, 4. Mai 2012, 17:42

29 Meter führt einen der für knapp vier Personen bemessene Aufzug in die Tiefe herab. Unten angekommen lächelt den Besuchern eine Überwachungskamera entgegen. Hinter ihr führt ein Stollenschacht weit ins Innere des 500 Millionen Jahre alten Höhenkogel in Kapfenberg, bevor man 150 Meter unter Fels auf die nächste schwere Sicherheitstür stößt. Dahinter verbirgt sich das "earthDATAsafe"-Rechenzentrum des österreichischen IT-Dienstleisters Kapsch. Es ist das "sicherste Datenzentrum Österreichs", versichert Jochen Borenich, COO Kapsch BusinessCom - geschützt durch massiven Gneis, komplett abgeschottet von sämtlichen Einflüssen der Außenwelt. 

Das kommt nicht von ungefähr. Die 2008 in Betrieb genommene Anlage ist eine ehemalige, unterirdische Waffen-Produktionsstätte der Nationalsozialisten. Zwischen 1943 und 1945 mit Zwangsarbeitern erbaut, konnte der 8.500 Quadratmeter große Bunker seinen kriegerischen Zweck jedoch nie erfüllen. Und so stapeln sich heute keine alten Waffen, sondern Server und Millionen sensible Daten in den Hallen...

foto: zsolt wilhelm

Nach außen hin ist das Rechenzentrum lediglich durch das Kontrollzentrum zu erkennen. Drei Techniker warten hier die Systeme, weitere elf Mitarbeiter sind für die Überwachung zuständig. Rund 50 Unternehmenskunden vertrauen dem Komplex ihre Daten an. Dazu gehört beispielsweise der Bankomat-Dienstleister PayLife oder die Österreichische Volksbank. Kapsch versteht sich dabei als Komplettanbieter. Man verkauft keinen Speicherplatz, sondern Systemlösungen (Schlagwort: Cloud-Computing) und Wartung - ein Geschäft, das auf langfristige Partnerschaften abzielt. Gewinne dürfe man sich im ersten Jahr nicht erwarten, so Borenich.

foto: zsolt wilhelm

Das gesamte Zentrum ist den internationalen Standards nach durchgehend redundant aufgesetzt. Direkt an der Autobahn gelegen, speisen Glasfaserleitungen von zwei unterschiedlichen Telekom-Anbietern das Netz. "Datenübertragung war vor fünf Jahren noch ein Problem, heute ist das kein Thema mehr."

Sollte die Stromzufuhr unterbrochen werden, fangen Akkus den Ausfall ab, bis innerhalb weniger Minuten zwei Dieselgeneratoren anspringen.

foto: zsolt wilhelm

Acht Sicherheitszonen gliedern das Rechenzentrum in seine einzelnen Bereiche. Mitarbeiter hinterlassen beim Betreten und Verlassen eines Raumes eine Signatur, um im Ernstfall erfassen zu können, wer zuletzt vor Ort war.

foto: zsolt wilhelm

Jeder Winkel wird mit Videokameras überwacht. Um die Sicherheit der Angestellten kümmern sich Sensoren zur Messung des Sauerstoffgehalts sowie Brandschutzsysteme. Zusätzlich wird alles vom Standort in Wien fernüberwacht.

foto: zsolt wilhelm

Autohersteller Mercedes hatte den Bunker 2002 für sich entdeckt und insgesamt 30 Monate in Planung und Ausbau investiert. Bis zur Übernahme durch Kapsch diente er unter anderem zur Sicherung von Bauplänen für Militärfahrzeuge.

foto: zsolt wilhelm

Kapsch musste die Infrastruktur daher nicht von Grund auf neu konzipieren, einen Millionenbetrag im einstelligen Bereich habe man dennoch investiert.

foto: zsolt wilhelm

Abseits von ein wenig Feuchtigkeit und Kalk müssen unter dem massiven Gneis keine Umwelteinflüsse berücksichtigt werden. Waldbrände, Unwetter (und einst Kanonenbeschuss) sollen keine Auswirkungen auf die Sicherheit haben.

foto: zsolt wilhelm

Virtuelle Angriffe durch Hacker gehören zum Alltag eines jeden Rechenzentrums. Bislang seien diese aber erfolglos geblieben, so Borenich. Eine vierstufige Firewall schützt vor ungewollten Eindringlingen.

foto: zsolt wilhelm

60 Prozent des Stollen werden aktuell genutzt. Durch die laufende Verdichtung von Serverhardware drohe aber so schnell keine Komplettauslastung.

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Die Server-Racks sind in stabilen, überwachten und gut gekühlten Containern untergebracht. Wie viele Daten in den sechs belegten Stollen schlummern, sei nur schwer zu sagen. Derzeit nähere man sich einem Petabyte an. Im Vergleich zu Anbietern wie Amazon mag dies wenig erscheinen, doch im earthDATAsafe werden vor allem Datenbanken gehostet.

foto: zsolt wilhelm

Welche Plattformen und Systeme eingesetzt werden, stelle Kapsch frei. Theoretisch können Unternehmen ihre Hardware auch selbst warten, was aber zumeist Teil einer Komplettvereinbarung ist.

foto: zsolt wilhelm

Im Inneren der Container ist das Fotografieren verboten.

foto: zsolt wilhelm
foto: zsolt wilhelm

Zwei Notausgänge führen ans Tageslicht. Der eine Schacht wird überdies zur Anlieferung von Hardware, Baumaterialien oder Diesel genutzt.

foto: zsolt wilhelm
foto: zsolt wilhelm

Im Bild: Einer der zwei Dieselgeneratoren. Der zweite befindet sich unterirdisch.

foto: zsolt wilhelm

Die Stollen sind durch ein Schleusensystem voneinander getrennt.

foto: zsolt wilhelm

Knapp ein Kilometer des Stollens ist vollständig ausgebaut.

foto: zsolt wilhelm
foto: zsolt wilhelm

Die größte Herausforderung bei Datenzentren sei die Kühlung der Rechenanlagen. Vollautomatische Belüftungssysteme leiten die Wärme in den Containern ab und führen frische Luft zu. Der gesamte Bunker ist je nach Jahreszeit auf 18 bis 23 Grad Celsius temperiert.

foto: zsolt wilhelm

Laut Borenich komme hier die besondere Lage zugute. Unterirdisch sind die Temperaturschwankungen geringer. So habe man auch im Hochsommer nicht mit dramatischen Temperaturen zu kämpfen.

foto: zsolt wilhelm

Was bei einem Notfall wie einem Stromausfall passiert, testet Kapsch indes monatlich. Einen Brandfall habe es noch nie gegeben und der Komplex befände sich überdies auf keiner Erdbebenlinie. "Wir hatten auch noch nie einen Einbruch", versichert Borenich. Die schusssicheren Türen und dutzenden Kameras könnten damit zu tun haben. (Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 4.5.2012)

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Wär ne super Location für eine Half-life Verfilmung :)

Daten sind ...

... offensichtlich wichtiger, als die Bevölkerung. Zivilschutz in Österreich scheint die sicherheitsgesetzgebenden Politiker nicht zu scheren, trotz ihrer Verpflichtung, die Menschen vor Gefahren zu schützen.

welche daten von mir leigen da drinnen. antwort!

Endlich :-)

Danke!!!! Ich frag mich schon ewig was das für ein Gebäude ist :) !!!!

Also mir gefällt unser "Daten Bunker".
In Gruppen von 8-12 Personen kann man sogar (wenn auch schwer) eine kleine Führung bekommen.
Grüße aus Kapfenberg ;)

wer dort arbeitet surft die ganze zeit im internet und postet kommentare auf standard.at - nicht sehr produktiv ;)

Oder lebt einfach in Kapfenberg oder Umgebung... Scherzkeks.

Feuchtigkeit

Ist es da unten nicht recht feucht? Wie bekommt man das Problem zuverlässig in den Griff? Was helfen mir dicke Mauern, wenn meine Daten bei einem Stronausfall "verschimmeln".

öhm...

lesen wäre angebracht. Die Container beinhalten die Racks. Soll heissen dass wohl die Racks im Container nochmal abgeschottet sind. Welcher kluge ITler würde ein Serverzentrum in einem feuchten Keller bauen?!

Danke, ich kann lesen

Das IST ein feuchter Keller, die Container werden offensichtlich mit einer Entfeuchtungsanlage "trocken gelegt". Im Katastrophenfall, z.B. ohne Strom, oder bei längerem Ausfall der Entfeuchtungsanlage, scheint mir das ein Problem zu sein, dass sich nicht durch runter fahren der Systeme lösen lässt.

Meine Güte sie haben Recht! Für das von ihnen beschriebene Szenario hat Kapsch bestimmt keinen Notfallplan, da bei der Einrichtung des Bunkers bestimmt nicht daran gedacht wurde.
Bitte sofort dort anzurufen um das Schlimmste vermeiden zu können!

Ich denke die sind hermetisch abgedichtet. Wenn das luftdicht ist, kann da auch keine Luft bzw. feuchtigkeit rein. Wenn die elektrik mal weg ist, kommt da nicht so schnell feuchtigkeit rein.

Heißt "sicherstes Datenzentrum Österreichs" auc sihcerer als die EZ/B (http://de.wikipedia.org/wiki/Eins... asisraum)?
Kann6 ich mir kaum vorstellen

die daten werden vermutlich vor dem einbunkern auch noch codiert:

http://xkcd.com/257/

Ich muss mich doch etwas wundern...
Ich arbeite bei einem IT- Dienstleister und war schon des öffter im EDS, da einer unserer Kunden hier seine Server hostet.
Allerdings musste jeder, der hier zu tun hat ein NDA unterschreiben, in dem ausdrücklich steht, dass man nicht öffentlich bekanntgeben darf, welche Kunden hier ihre Server haben.
Drum bin etwas erstaunt, das einige in dem Artikel einfach frei genannt werden.

wird - wie sonst auch - eine rücksprache mit den betroffenen unternehmen gegeben haben.

ist ja nicht anders, wenn ein dienstleister auf seiner homepage "referenzkunden" anführt - das geht auch nicht so ganz einfach.

Bild 3 Regel 4 kann man jetzt wohl auch streichen - nachdem man hier schon alles gesehen hat.

Woher weist du, daß du alles gesehen hast?

Ich vermute, daß man ziemlich genau "gar nichts" gesehen hat. Die Sondergenehmigung zum Fotografieren durch die Journalisten schließt sicher ein, daß die Fotos vor der Veröffentlichung zu genehmigen oder freizugeben sind.

Ehemaliger Nazistollen mit Kameras der Fa. AXIS.
Hmm, seltsam...

die könnten die gänge für wolfenstein 3d cosplay wehrsportübungen vermieten, wenn das hauptgeschäft nicht einträglich genug ist!

bitte um Aufklärung, wer ist die Fa. Axis?

Aaaachso... Danke nochmal..

schon witzig. mit passender verschlüsselung und den entsprechenden hardwaresystemen könnte man verteilte server überall hinstellen und keine hätte was davon. naja. wenns geschäftsmodell funktioniert, is trotzdem nett :)

Die Kugel könntens

aber wieder mal putzen...

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