Nur nicht ins Geburtstagsfest platzen

  • Die Cap San Diego ist eine geeignete Basis für maritime Vergnügungen in Hamburg. Der "weiße Schwan des Südatlantiks" macht nur noch selten los.
    vergrößern 645x430
    foto: reuters/christian charisius

    Die Cap San Diego ist eine geeignete Basis für maritime Vergnügungen in Hamburg. Der "weiße Schwan des Südatlantiks" macht nur noch selten los.

  • Anreise: Ab Wien täglich sechs bis acht Direktflüge nach Hamburg (Austrian, Air Berlin, Lufthansa; Flugzeit: 1:31 Stunden) und zwei Züge. Untertags mit dem ICE binnen 9:13 Stunden nach Hamburg-Hauptbahnhof oder äber Nacht in 12:02 Stunden mit ÖBB-EuroNight (Mitnahme von Auto, Motorrad oder Fahrrad möglich), jeweils mit Zustiegsmöglichkeiten in St. Pölten und Linz. Ab Hamburg-Airport mit der S-Bahn im Zehn-Minuten-Takt via Station Ohlsdorf zum Hauptbahnhof (S1, Fahrzeit 25 Minuten). Viele Ermäßigungen und freie Fahrt mit Bus, S- und U-Bahn mit der Hamburg-Card (1, 3 oder 5 Tage).
    vergrößern 645x428
    foto: christian spahrbier/hamburg tourismus

    Anreise: Ab Wien täglich sechs bis acht Direktflüge nach Hamburg (Austrian, Air Berlin, Lufthansa; Flugzeit: 1:31 Stunden) und zwei Züge. Untertags mit dem ICE binnen 9:13 Stunden nach Hamburg-Hauptbahnhof oder äber Nacht in 12:02 Stunden mit ÖBB-EuroNight (Mitnahme von Auto, Motorrad oder Fahrrad möglich), jeweils mit Zustiegsmöglichkeiten in St. Pölten und Linz. Ab Hamburg-Airport mit der S-Bahn im Zehn-Minuten-Takt via Station Ohlsdorf zum Hauptbahnhof (S1, Fahrzeit 25 Minuten). Viele Ermäßigungen und freie Fahrt mit Bus, S- und U-Bahn mit der Hamburg-Card (1, 3 oder 5 Tage).

  • Unterkunft und Verpflegung: MS Krayenkamp, Deutsches Seemannsheim Hamburg, Krayenkamp 5 bei Sankt Michaelis, Doppelzimmer von 72 bis 82 Euro inklusive Frühstück; Mittagstisch, Abendessen auf Bestellung, Tel.: 0049/40/370 96-0. Feuerschiff LV 13, City-Sporthafen, Vorsetzen, Restaurant/Mannschaftsmesse, Bar, Tel.: 0049/40/36 25 53.Museumsschiff Cap San Diego, City-Sporthafen, Überseebrücke, Bord-Bistro mit Mittagstisch, Tel.: 0049/40/36 42 09.
    vergrößern 645x420
    foto: michael zapf/hamburg tourismus

    Unterkunft und Verpflegung: MS Krayenkamp, Deutsches Seemannsheim Hamburg, Krayenkamp 5 bei Sankt Michaelis, Doppelzimmer von 72 bis 82 Euro inklusive Frühstück; Mittagstisch, Abendessen auf Bestellung, Tel.: 0049/40/370 96-0.
    Feuerschiff LV 13, City-Sporthafen, Vorsetzen, Restaurant/Mannschaftsmesse, Bar, Tel.: 0049/40/36 25 53.
    Museumsschiff Cap San Diego, City-Sporthafen, Überseebrücke, Bord-Bistro mit Mittagstisch, Tel.: 0049/40/36 42 09.

  • IMMH - Internationales Marinemuseum Hamburg, Kaispeicher B, Koreastr. 1, täglich außer Montag von 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr, Tel.: 0049/40/30 09 23-0. Im großen Museumsshop eine kleine Auswahl von 1:1250-Metallschiffen. Für den Aufbau einer Heimflotte zum Beispiel aus diversen Modellen der k. u. k. Marine empfiehlt sich ein Besuch in der Galerie Maritim, Martin-Luther-Straße 21, Tel.: 00/49/40 36 43 12 oder bei WEDE - Fachbuchhandlung, Große Bleichen 36 im Hanse-Viertel.
Allgemeine Info: Hamburg Tourismus
    vergrößern 645x484
    foto: vdl

    IMMH - Internationales Marinemuseum Hamburg, Kaispeicher B, Koreastr. 1, täglich außer Montag von 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr, Tel.: 0049/40/30 09 23-0. Im großen Museumsshop eine kleine Auswahl von 1:1250-Metallschiffen. Für den Aufbau einer Heimflotte zum Beispiel aus diversen Modellen der k. u. k. Marine empfiehlt sich ein Besuch in der Galerie Maritim, Martin-Luther-Straße 21, Tel.: 00/49/40 36 43 12 oder bei WEDE - Fachbuchhandlung, Große Bleichen 36 im Hanse-Viertel.

    Allgemeine Info: Hamburg Tourismus

Hamburg liegt nicht ganz am Meer. Das lässt sich leicht durch kluge Wahl von Zerstreuung, Kost und Logis kompensieren

Das Kapitänslabskaus mit Beilage für Landratten (zwei Spiegeleier) verstellt fast den Blick auf den City-Sporthafen. Auf den Bismarckhering, der die Portion für Seeleute komplettiert, kommt es also auch nicht mehr an. Der Haufen aus faschiertem, gepökeltem Rindfleisch und Erdäpfelschmarrn, gefärbt durch und garniert mit Roten Rüben sowie Zwiebeln und Gewürzgurkerln, nebst drei bis vier Halben vom Bordspezial, serviert in der Turmbar des am Elbufer zu liegen gekommenen Feuerschiffs LV 13, ist aber taktisch klug eher Abschluss denn Auftakt eines maritimen Wochenendes in Hamburg. Und taktisch klug ist es auch, dieses Wochenende nicht um den 7. Mai herum zu planen.

Auf den fällt nämlich der Hafengeburtstag, der Jahr für Jahr mit Remmidemmi ohne Ende zwischen der Speicherstadt und St. Pauli gefeiert wird. Bis zu 1,5 Millionen Besucher drängen in diesem Zeitraum an die Ufer. Heuer ist vom 11. bis 13. Mai in weitem Umkreis kein leistbares Zimmer mehr frei, geschweige denn sind das Kajüten im Seemannsheim MS Krayenkamp hinter dem Michl, auf dem Light Vessel 13 oder der Cap San Diego. Letztere pflegt anlässlich des Hafengeburtstages auch auszulaufen und sich unter die Paraden prächtigster Nostalgieschiffe zu mischen.

Ausfahrt für den Schrottkandidaten

Die Cap San Diego, als Letzte der Cap-San-Klasse, der sechs "weißen Schwäne des Südatlantiks", von der Deutschen Werft für die Reederei Hamburg Süd 1961 gebaut, verkehrte als Stückgutfrachter nach Südamerika, bis das Aufkommen der Containerschiffe sie unwirtschaftlich werden ließ. Heute liegt der nur hauchdünn der Verschrottung entgangene 160 Meter lange 10.000-Tonner mit Ausnahme weniger Ausfahrtstage im Jahr als Museumsschiff im City-Hafen an der Überseebrücke in Sichtweite des stählernen Dreimasters Rickmer Rickmers, auch ein schwimmendes Museum.

Bei klug gewähltem Termin (Hafengeburtstag meiden!) lässt es sich auf der Cap San Diego also stilvoll nächtigen - in Einzel- oder Doppelkabine oder in der Kapitänskajüte mit zwei Räumen und Zustellbett, die ohne Frühstück für zwei bis drei Personen auf 125 Euro kommt. Sommers ist sogar die Benutzung des Pools dabei. Die Cap San Diego nahm auf ihren Überfahrten einst auch Passagiere mit, so wie es heute noch in der Handelsschifffahrt Brauch und mithin eine traumhafte Alternative zum herkömmlichen Kreuzfahrtswahnsinn ist. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ein etwas bescheideneres, aber nicht weniger einschlägiges Quartier bietet fast nebenan das LV 13, dafür drängt das 1952 in Darthmouth gebaute, fahrbare und doch antriebslose Seezeichen mit Glück (oder eben Pech) auch viel Anschluss auf. Auf dem Feuerschiff gibt es neben der Turmbar, wo ein Kaventsmann von einem Labskaus serviert wird, noch ein Restaurant und ein Pub, das nicht selten durch kulturelle Veranstaltungen oder andere gesellige Besäufnisse belegt ist. Weshalb Ohrstöpsel zur Ausstattung der Kajüten (Kapitänslogis für zwei mit Frühstück um 120 Euro) gehören.

U-Bahn zum Schiff

Ohrstöpsel brauchte einst auch die Besatzung vom LV 13, denn neben der Laterne gab es auf dem 43-Meter-Pott ein akustisches Nebelsignal alle 60 Sekunden. Dafür war es für die acht Mann an ihrem Arbeitsplatz - der Humber-Mündung an Englands Ostküste - mit Anschluss nicht weit her. Immerhin wurden sie alle zwei Wochen abgelöst. Das ging so bis zur Außerdienststellung 1988, danach drohte ebenfalls Verschrottung, bis ein Hamburger das LV 13 kaufte, über den Kanal schleppen und zu einem musealen Gastronomiebetrieb umbauen ließ. Dessen Position ist heute 53° 32' 36,4'' Nord - 9° 58' 48,4'' Ost. Es reicht aber auch zu wissen, dass es ab Hauptbahnhof Süd vier Stationen mit der U3 Richtung Schlump sind. Aussteigen bei Baumwall, die Elbe erblicken, das rote LV 13 entdecken, entern, prost.

Da der Bezug eines solchen Quartiers noch lange keinen Matrosen macht, empfiehlt es sich, auf den Fußmarsch zur Reeperbahn zu verzichten, den ersten Abend also an Bord zu bleiben oder maximal das nahe Portugiesenviertel zwischen Landungsbrücken und Venusberg zu durchstreifen.

Derart dichtes lusophones Flair samt zugehöriger Verpflegung lässt sich außerhalb Portugals maximal noch in Luxemburg finden, dessen Bevölkerung zu fast 20 Prozent aus Portugiesischstämmigen besteht, das aber doch den entschiedenen Nachteil hat, noch sehr viel weiter vom Meer weg zu liegen als Hamburg. Und schon richtig, auch das ist eine andere Geschichte.

Milliarden gegen den Verfall

Zu Fuß lässt sich von LV 13 auch locker die Speicherstadt erreichen. Der mächtige, von sechs Fleets genannten Wasserläufen durchzogene Lagerhauskomplex mit seiner neugotischen Backsteinarchitektur, der einst Teil des Freihafens war, mit der Automatisierung der Lagerhaltung an Bedeutung verlor und vom Verfall bedroht war, hat sich als Teil eines milliardenschweren Stadtentwicklungsprojekts zum Boomviertel der Hansestadt gemausert. Durch das Projekt Hafencity hat die Speicherstadt den eindeutigen Vorteil, nicht mehr schmuddelig zu wirken, und den eindeutigen Nachteil, nicht mehr schmuddelig zu sein.

Speicherstadt-Institutionen wie das Afghanistan-Museum, das Bundeswehrsoldaten vor deren Einsatz am Hindukusch, nun ja, Trockentraining im Umgang mit den Leuten und ihrer Kultur ermöglichte, müssen ob der hohen Mietpreise aufgeben. Akut bedroht wirkt auch das Spicy's Gewürzmuseum, das gegen Erwerb eines Pfeffersäckchens, das die Eintrittskarte mimt, auf 350 Quadratmetern in einem alten Lagerhausgeschoß alles über Anbau, Handel und Verwendung von Gewürzen im Lauf der Zeiten erzählt. Exzessiver Einkauf im Museumsshop belasten zwar das Reisebudget und später die Schleimhäute, nicht aber das Gepäck und sichern überdies der Institution möglicherweise das Überleben.

Deutlich besser als Spicy's ist seit Sommer 2008 das Internationale Maritime Museum Hamburg untergebracht. Prominent in der Speicherstadt, im Kaispeicher B, Koreastraße 1. Die Stadt hat das Gebäude Peter Tamm, einem ehemaligen Geschäftsführer des Springer-Verlags, für dessen umfangreiche, in eine Stiftung überführte maritime Sammlung 99 Jahre kostenlos zur Verfügung gestellt und freundlicherweise um 30 Millionen Euro renoviert. Dies und die angeblich unzureichend kritische Auseinandersetzung mit Exponaten aus der Zeit des Nationalsozialismus führte nach der Eröffnung zu heftigen Protesten.

Kein Matrose in fünf Stunden

Mittlerweile haben sich die Wogen auch dank einiger Adaptionen geglättet. Übrig bleibt Überwältigung durch die Fülle des auf zehn Decks Gezeigten. Der Unermüdliche wird vermutlich sogar durch das Auffinden jenes rechten Arms belohnt, den Lord Nelson beim Angriff auf Santa Cruz vor Teneriffa verloren hat. Die angeblich Schuldige, die Kanone namens El Tigre, steht, soviel ist gewiss, im Militärmuseum von Santa Cruz, aber das ist ebenfalls eine andere Geschichte.

Eine passende Geschichte ist der Ursprung der Sammlung Tamm, jene metallene Frachterminiatur, die der kleine, erkrankte Peter 1934 trosteshalber von seiner Mutter geschenkt bekam. Der Winzling im Maßstab 1:1250 steht heute in einer eigenen Vitrine auf Deck neun des Museums, umgeben von Schaukästen mit rund 40.000 Schiffchen selben Maßstabs, die der mittlerweile 83-jährige Herr Tamm seiner Sammlung, der weltweit größten privaten in diesem Bereich, einverleibt hat - von A wie Titanic bis Z wie Costa Concordia quasi.

Wer nach kaum fünf Stunden nur die paar wichtigsten Exponate abgegrast hat, ist noch immer nicht Matrose genug und im Übrigen auch viel zu fertig, um die Reeperbahn anzusteuern. Zurück auf LV 13 könnte man jetzt das Labskaus in Angriff nehmen oder auch nur die drei, vier Halben. Dann in die Kapitänskajüte und träumen. Am besten vom Meer, aber zum Matrosen wird man so auch nicht. (Sigi Lützow, Album, DER STANDARD, 5.5.2012)

Share if you care