"Schokolade macht dünn"

4. Mai 2012, 08:34

Experten hinterfragen publizierte Zahlen - Bei vielen wissenschaftlichen Untersuchungen werden Zusatzinformationen in der medialen Aufarbeitung ignoriert

Die "Unstatistik" des Monats April ist die Meldung "Schokolade macht dünn". So oder ähnlich überschrieben verschiedene deutsche Tageszeitungen und Wochenmagazine zur Monatswende Berichte über eine einschlägige Studie der Universität von Kalifornien in San Diego, USA. Darin hatten Forscher eine negative Korrelation zwischen der Häufigkeit des Schokoladenkonsums und dem sogenanten Body-Mass-Index (BMI) entdeckt.

Nun bedeutet aber Korrelation nicht das Gleiche wie Kausalität: Während eine Korrelation lediglich eine Beziehung zwischen Merkmalen beschreibt, handelt es sich bei der Kausalität um einen ursächlichen Zusammenhang, also Ursache und Wirkung. Zwei Merkmale heißen dabei "positiv korreliert", wenn sie sich mehr oder weniger systematisch in die gleiche Richtung bewegen: Wenn die eine steigt, steigt in der Regel auch die andere, wenn die eine fällt, fällt auch die andere. Ein Beispiel ist das Verhältnis von Körpergröße und Gewicht. Große Menschen wiegen im Allgemeinen mehr als kleine; nicht unbedingt in jedem Einzelfall, aber im großen und ganzen schon. Von negativer Korrelation spricht man dagegen immer dann, wenn hohe Werte des einen Merkmals mit niedrigen des anderen zusammengehen und umgekehrt. So gibt es etwa bei Männern eine hohe negative Korrelation zwischen dem Einkommen und der Zahl der Haare auf dem Kopf: Je weniger Haare, desto mehr Geld.

Dritte Variable im Hintergrund

Daraus folgt aber nicht, dass Männer durch Haarausfall ihr Einkommen erhöhen können, also ein kausaler Zusammenhang besteht. Diese negative Korrelation kommt dadurch zustande, dass bei Männern mit wachsendem Alter das Einkommen steigt und die Haare ausfallen. Mit anderen Worten, eine dritte Variable im Hintergrund, das Lebensalter, wirkt ursächlich auf Einkommen und Haare ein. Zwischen den beiden Ausgangsvariablen selbst dagegen ist keinerlei Kausalbezug vorhanden.

Ähnlich verhält es sich wohl auch mit Häufigkeit des Schokoladenkonsums und dem Gewicht. Vielleicht belohnen sich manche Menschen für einen Verzicht auf eine Currywurst oder fette Schweinesteaks mit einem kleinen Bissen Schokolade? Auf diese und ähnliche Hintergrundvariablen, die eine solche negative Korrelation erzeugen könnten, weisen die Autoren der Studie durchaus hin. Aber wie bei so vielen wissenschaftlichen Untersuchungen werden diese Zusatzinformationen in der medialen Aufarbeitung unterdrückt.

Sollte es tatsächlich eine Kausalbeziehung geben, wäre die eher in umgekehrter Richtung zu vermuten: dicke Menschen versuchen, Kalorien da zu sparen, wo es ihnen eher leicht fällt, und essen deshalb weniger Schokolade. (red, derStandard.at, 4.5.2012)

Mit der "Unstatistik des Monats" hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und RWI-Vizepräsident Thomas Bauer jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen. Alle "Unstatistiken" finden Sie unter unstatistik.de.

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17 Postings

"Rauchen ist schädlich"

Darüber kann man streiten. Aber eines steht fest: Fermsehen macht deppert.

Ich hab mal gelesen, dass die Gehirnaktivitäten beim Fernsehen geringer sind als beim Schlafen.

vielleicht sollte man noch erwähnen,

dass mit Schokolade "richtige Schokolade" gemeint ist und nicht irgendein M*rs, Tw*x und anderer billiger Bonboniere Dreck

Gemeint wird eh nur Zartbitterschokolade sein.

Schokolade macht duenn?

Meine weiss das nicht.

Mario Sedlak
Mario Sedlak
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Aha, zwei Artikel zum gleichen Thema?!

http://derstandard.at/133479690... schens-aus

Die Kausalität wird in solchen Artikeln ziemlich oft falsch dargestellt. Womöglich deshalb weil die reisserischste Annahme (die dann in der Zeitung landet) tendenziell eine unwahrscheinliche ist?

es gibt aber eine kausalität. schokolade senkt nachweislich den cortisolspiegel. das stresshormon cortisol ist u.a. dafür verantwortlich, wie schnell man ansetzt.

jeder, der schon mal länger cortison einnehmen musste, weiß, dass man davon zunimmt, egal, wieviel man isst.

Das halte ich für einen Blödsinn

Zu deiner Behauptung, dass Schokolade den Cortisol Spiegel senkt, findet man im Internet auf seriösen Seiten nichts. Und selbst wenn dem so wäre kann das nur eine Senkung in sehr, sehr geringem Ausmaß sein.

Würde Schokolade den Cortisolspiegel nennenswert senkt, wäre es nämlich kontraproduktiv bis gefährlich bei Stress Schokolade zu essen. Cortisol ist lebensnotwendig und der Körper braucht das Cortisol, um mit dem Stress überhaupt umgehen zu können (deswegen wird es ja ausgeschüttet). Auch wäre es aufgrund der Wirkungsweise von Cortisol für Allergiker oder Sportler schlecht Schokolade zu essen.

so - und jetzt warten wir mal ab, wie lange es dauert, bis eine auch vom STANDARD kolportierte Meldung vergigerenzert wird.

man muss nicht einmal warten: hier nachlesen

http://derstandard.at/133479696... forumstart

Endlich mal ein guter artikel über das Problem von solchen Meldungen!

Ein Link zu dem original-artikel vom letzten monat über den schoko-gewicht bericht wäre interessant gewesen, ob nicht derStandard die meldung auch eher reiserisch gebracht hat ;)

er meinte nicht diesen bericht

ondern den der vor ca. 3 wochen hier veröffentlich wurde...und der war nicht anders als in den anderen medien.

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