Banken-KV in Deutsch­land kommt wieder nicht

4. Mai 2012, 05:58
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Gewerkschaft kündigt Ausweitung von Streiks an

Frankfurt/Main - Die Tarifparteien im privaten und öffentlichen Bankgewerbe in Deutschland sind am Freitagmorgen nach vierzehnstündigen Gesprächen ohne Ergebnis auseinandergegangen. Die Banken-Arbeitgeber kritisierten die Gehaltsforderungen der Gewerkschaft Verdi als überhöht. Diese bezeichnete das Angebot der Banker als "völlig unzureichend" und kündigte eine Ausweitung der Streiks in der Bankenbranche an.

Es war der dritte Termin der diesjährigen Tarifrunde. Wann diese fortgesetzt wird, blieb zunächst offen. Das erste Angebot sah laut Verdi eine Gehaltserhöhung in drei Stufen über eine Laufzeit von 30 Monaten vor, was auf Jahressicht einen Anstieg um 1,3 Prozent bedeute. Das liege deutlich unter der Inflationsgrenze und entspreche einem Reallohnverlust für die Beschäftigten.

Gewerkschaft kritisiert

Den Angaben von Verdi zufolge sah das Angebot eine Gehaltserhöhung um zwei Prozent ab Juli 2012 sowie ein jeweiliges Plus von 1,1 Prozent ab Juni 2013 und Jänner 2014 vor. Damit liege es "weit unterhalb der Abschlüsse in anderen Branchen und würde die Bankbeschäftigten noch weiter abkoppeln", kritisierte das Verdi-Bundesvorstandsmitglied Beate Mensch. Auch weiteren Forderungen, die Verdi in die Tarifverhandlungen eingebracht habe, seien die Arbeitgeber bislang nicht zufriedenstellend entgegen gekommen.

"Die Dimension des Gehaltsangebotes und die Verbindung dieses unzureichenden Angebotes mit dem Gesamtpaket ist völlig inakzeptabel und entspricht nicht unseren Vorstellungen und nicht den Vorstellungen der Beschäftigten", sagte Mensch. Die Tarifkommission habe beschlossen, dieses Angebot abzulehnen, da sie es als unzumutbar empfinde.

Für die Banken-Arbeitgeber wird dagegen das Angebot, die Tarifgehälter bis August 2014 in drei Stufen um insgesamt 4,2 Prozent zu erhöhen, "sowohl den Möglichkeiten der Unternehmen als auch den Interessen der Beschäftigten gerecht". Das erklärte der Verhandlungsführer der Banken-Arbeitgeber und Mitglied des Vorstands der Commerzbank AG, Ulrich Sieber. Auch in anderen Fragen, wie bei den zuletzt strittigen Themen betrieblicher Gesundheitsschutz und Anlegerschutzgesetz, seien konstruktive Lösungsvorschläge unterbreitet worden.

Sechs Prozent mehr Gehalt gefordert

Verdi fordert in den Verhandlungen für die rund 230.000 Mitarbeiter der privaten und öffentlichen Banken sechs Prozent mehr Gehalt. Sie hält dies auch deshalb für gerechtfertigt, weil große Banken zumindest im klassischen Bankgeschäft wieder gute Ergebnisse erzielen, die sich bislang jedoch nicht auf die Gehälter der Beschäftigten niederschlügen.

Daneben geht es Verdi um die unbefristete Übernahme von Auszubildenden. Verdi will außerdem einen besseren Gesundheitsschutz sowie tarifvertragliche Regeln zum Schutz vor übermäßigem Leistungsdruck, eine Verlängerung der Vorruhestandsregelung und eine Erhöhung der Auszubildendenquote durchsetzen. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags soll nach Vorstellung der Gewerkschaft zwölf Monate betragen.

Verdi wird die Bankbeschäftigten jetzt zu einer Ausweitung der Streiks aufrufen, wie Mensch mitteilte. Maßnahmen dazu würden in den nächsten Tagen getroffen. (APA, 3.5.2012)

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